Nvidia-Aktie: Märkte machen sich auf große Kursschwankungen gefasst
Wenige Stunden vor der Vorstellung der Nvidia-Quartalszahlen setzen setzen einige Investorinnen und Investoren auf einen Gewinn für die Aktie, während andere von Verlusten ausgehen. Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge könnte die Aktie bis zu acht Prozent steigen oder fallen. Das implizieren die auf die Nvidia-Papiere abgeschlossenen Optionsverträge. Diese Optionen berechtigen Investoren, eine Aktie zu einem festgelegten Wert zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen.
Sollte die Nvidia-Aktie tatsächlich so stark auf die Zahlen reagieren, würde der Marktwert um knapp 300 Milliarden US-Dollar wachsen oder sinken. Das sind gewaltige Dimensionen. Zum Vergleich: Im gesamten S&P 500 Index gibt es nur 25 andere Unternehmen, die an der Börse mehr als 300 Milliarden Dollar wert sind.
Den Strategen der Bank of America zufolge birgt der Quartalsbericht des Chipherstellers für Investoren mehr negatives Überraschungspotenzial als etwa die nächste Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve oder die nächsten Inflationsdaten der USA.
Weil Nvidia mit seinen Chips und Servern die nötige Technik für den KI-Boom herstellt, sind die Quartalsberichte des Unternehmens für Investoren besonders von Interesse. Bei den am Mittwoch erwarteten Ergebnissen gibt es mehr jedoch Unsicherheit als üblich. Investoren sind sich bei ihren Prognosen uneinig darüber, wie das Geschäft mit dem neuen Hochleistungschip, dem Grafikprozessor „Blackwell“, gelaufen ist.
Zuletzt hat sich die Auslieferung des neuen Chips wegen eines Designfehlers verzögert. Der Fehler wurde erst spät in der Produktion erkannt. Andererseits hat Nvidia angekündigt, mit „Blackwell“ im vierten Quartal des Jahres mehrere Milliarden Dollar einzunehmen. Nvidia-CEO Jensen Huang bezeichnete die Nachfrage nach den Halbleitern als „wahnsinnig“.
„Es gibt eine große Unbekannte rund um Blackwells Kapazität“, sagt Dan Eye, Chief Investment Officer bei Fort Pitt Capital Group, „Huang gilt als sehr glaubwürdig, aber die Messlatte liegt auch sehr hoch.“ Zudem würde es für Nvidia wahrscheinlich schwierig, eine Prognose für das kommende Quartal abzugeben, die die Investoren begeistern wird.
Die Erwartungen der Analysten liegen für das vierte Quartal entsprechend weit auseinander. Nvidia kommuniziert gleichzeitig mit seinen Ergebnissen in der Regel auch eine Umsatzprognose für das kommende Quartal.
Der Konsens der Experten liegt zwar bei 37,1 Milliarden US-Dollar. Doch die Differenz zwischen der höchsten und der niedrigsten Schätzung beträgt mehr als sieben Milliarden Dollar, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.
Ein Grund für diese Lücke: Manche Analysten erwarten, dass Nvidia-Kunden eher auf die neuen Blackwell-Chips warten als das Vorgängerprodukt zu kaufen. Davon geht zum Beispiel der Stratege Joseph Moore von der Investmentbank Morgan Stanley aus. Moore glaubt, dass Nvidia eine konservative Prognose abgeben wird, die nur knapp über den Erwartungen der Investoren liegt.
Weniger besorgt ist Jim Worden, Chief Investment Officer der Wealth Consulting Group. Ihm zufolge deutet alles auf eine starke Nachfrage nach den Chips der neuesten Generation hin. „Ich gehe davon aus, dass Blackwell eine sehr gute Entwicklung nehmen wird“, sagt er. „Dieser Trend sollte sich bis ins nächste Jahr fortsetzen.“