Abspaltung der Autosparte: Contis Idee ist gut – aber die Umsetzung?

Continental will sich mit der Kernmarke auf das Geschäft mit den Autoreifen fokussieren.
Foto: imago imagesDer Vorstand von Continental hat die Abspaltung seiner Autosparte beschlossen. Doch damit ist längst nicht gesagt, dass dieser Spin-off auch wirklich gelingt. Und das liegt nicht nur am Zeitplan – im März 2025 muss der Aufsichtsrat noch zustimmen, am 25. April 2025 folgen dann auf der Hauptversammlung die Aktionäre.
Die beiden Termine dürften dabei bloß Formalien sein, schließlich unterstützt Conti-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle die Pläne, will sich mit der Abspaltung ein Denkmal setzen. Und auf der Hauptversammlung regiert Großaktionär Georg Schaeffler durch.
Deutlich kritischer jedoch ist die Frage, ob die Sanierung von Contis Autosparte ebenso reibungslos gelingen wird. Denn diese schreibt schon seit Jahren zumeist rote Zahlen. Die aktuelle Prognose für das Jahr 2024 ergibt zwar eine bereinigte (!) Ebit-Marge von 2,5 bis 3,5 Prozent. Unbereinigt liegt die Marge bei Conti aber erneut im roten Bereich, in den ersten neun Monaten bislang bei minus 0,9 Prozent.
Autosparte noch nicht kapitalmarktfähig
Kein Wunder, dass Autovorstand Philipp von Hirschheydt seit längerem ankündigt, die Sparte „kapitalmarktfähig aufzustellen“. Er saniert zwar entschlossen und konnte sich schon vergleichsweise geräuschlos von tausenden Mitarbeitern trennen. Doch noch ist die Autosparte alles andere als bereit für die Eigenständigkeit.
Damit dieser Schritt tatsächlich gelingt, muss einiges zusammenkommen, was derzeit noch keineswegs sicher absehbar ist. So muss zunächst die Lage am Aktienmarkt selbst passen, ob sich dort Ende 2025 ein gutes Zeitfenster für einen Börsengang ergibt, ist derzeit noch nicht absehbar. Sollten die Aussichten an die Börse dann eher schlecht sein, würde man die Abspaltung vermutlich weiter vertagen müssen – so wie zuletzt jene der ehemaligen Antriebssparte Vitesco Technologies, die 2021 abgespalten wurde und mittlerweile im Schaeffler-Konzern aufgegangen ist.
Mitgift ist nötig, damit Abspaltung klappt
Zudem wird der Mutterkonzern den Anlegern eine ordentliche Mitgift zusichern müssen, damit die Abspaltung gelingt. Nur weitgehend schuldenfrei hätte die Autosparte eine Chance an der Börse. Das aber bedeutet: Die Verbindlichkeiten müssten bei Alt-Conti bleiben, im Wesentlichen also bei der Reifensparte.
Selbst wenn all das zusammenkommen sollte, bleibt ein operatives Risiko. Dass die Autosparte tatsächlich aus sich heraus profitabel operieren kann, muss sie erst noch beweisen - es dürfte alles andere als einfach werden. Der Gegenwind weht kräftig derzeit angesichts erodierender Absatzzahlen bei Neuwagen und erstarkenden chinesischen Wettbewerbern. So schön sich der Plan also lesen mag: Was er wirklich taugt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen, im Kontakt mit der rauen Wirklichkeit.
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