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VartaJetzt bekommt Varta neues Personal für die Wiederbelebung

Die Neuaufstellung des angeschlagenen Batterieherstellers Varta geht mit einem Vorstandsumbau einher. Zwei Topmanager verlassen das Unternehmen.Melanie Bergermann, Henryk Hielscher 17.01.2025 - 15:14 Uhr

Das Varta-Logo ist an einer Batterie der Varta AG zu sehen.

Foto: Marijan Murat/dpa

Vorstandsumbau beim Batteriehersteller Varta: Der erst seit Mai 2023 amtierende Finanzvorstand Marc Hundsdorf wird Varta in Kürze verlassen, heißt es im Unternehmensumfeld. Seine Hauptaufgabe sei es gewesen, die erste Sanierungsphase einzuleiten. Diese Aufgabe sei erledigt. Dass er dem Unternehmen nun den Rücken kehre, sei keine Überraschung, heißt es. Ein Varta-Sprecher wollte sich hierzu auf Nachfrage nicht äußern. 

Zudem räumt Varta-Vorstand Michael Giesswein seinen Schreibtisch. Seine Familie lebe in Österreich. Giesswein habe dort einen neuen Job. Er gehe auf eigenen Wunsch, heißt es im Unternehmensumfeld. Ein Varta-Sprecher äußerte sich auch hierzu nicht. 

Varta verschwindet von der Börse

Giesswein war 2023 als Chief Restructuring Officer (CRO) zu Varta gekommen. Die Personalberatung Michael Page wurde beauftragt, einen Nachfolger zu suchen. 

Insolvenzberater

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Egal ob Meyer Werft, Baywa oder KaDeWe – taumeln Unternehmen, schlägt die Stunde der Restrukturierer. Für spezialisierte Berater und Anwälte sind Krisen vor allem: Geschäftschancen.

von Henryk Hielscher

Dass tatsächlich ein neuer CRO an Bord kommt, soll aber noch nicht ganz sicher sein.  Zwischen den Finanzierern von Varta und Großaktionär Michael Tojner soll es hierzu noch Abstimmungsbedarf geben. Möglich wäre auch, dass für die beiden Vorstände nur einer nachrückt und stattdessen eine weitere Führungskraft unterhalb des Vorstands eingestellt wird.

Wer auch immer an Bord kommt – einen einfachen Job hat er oder sie nicht. Varta soll über das „Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen von Unternehmen“, kurz: StaRUG, saniert werden. Im November 2024 hatte eine Mehrheit der von der Restrukturierung betroffenen Gläubigergruppen dem zugestimmt.

Das Sanierungskonzept sieht im Wesentlichen zwei Schritte vor: Zum einen sollen mittels eines Schuldenschnitts und der Verlängerung von Krediten die Verbindlichkeiten von fast einer halben Milliarde Euro auf 230 Millionen Euro verringert werden. Das Grundkapital der Varta AG soll darüber hinaus auf null Euro herabgesetzt werden. Der Effekt: Die bisherigen Aktionäre scheiden ohne Kompensation aus. Die Aktien des Konzerns werden nicht länger an der Börse gehandelt. 

Schneller schlau: StaRUG
Die Abkürzung steht für Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz. Das StaRUG ist eines der Werkzeuge, wenn es um die Rettung angeschlagener Unternehmen in Deutschland geht.
Mit dem 2021 in Kraft getretenen Gesetz erfüllte die Bundesregierung langjährige Forderungen von Insolvenzverwaltern und anderen Sanierungsexperten. Unternehmen, die operativ eigentlich lebensfähig sind, sollen nun nicht mehr zwangsläufig zum Insolvenzrichter gehen müssen, um ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. In vielen Fällen war nur die Schuldenlast zu groß geworden, das Geschäft aber trotz Überschuldung profitabel. Vor dem StaRUG war ein Insolvenzantrag in Deutschland oft der einzige Weg, um die Interessen aller Gläubiger unter einen Hut zu bekommen – doch dadurch wurde oft mehr Porzellan zerschlagen als nötig. Dazu kam der psychologische Effekt: Das Stigma einer Insolvenz hatte viele Firmen und ihre Geschäftsführer zögern lassen – oft bis es zu spät war, um noch etwas zu retten.
Das StaRUG gibt Unternehmen die Möglichkeit, sich ohne ein Insolvenzverfahren zu sanieren, indem sie sich mit der Mehrheit der Gläubiger einigen – solange sie nicht zahlungsunfähig sind. Wenn 75 Prozent der Gläubiger einer Lösung – etwa einem Schuldenschnitt – zustimmen, können die anderen das nicht mehr blockieren. Bis dahin war Einstimmigkeit nötig. Das hatten einige Gläubiger genutzt, um ihre Muskeln spielen zu lassen, wenn sie nicht viel zu verlieren hatten. Als Ausweg aus einer solchen Situation hatten einige angeschlagene Unternehmen den Firmensitz etwa nach Großbritannien verlegt, wo Gerichte den Widerstand einzelner Gläubiger aushebeln konnten. Das ist nun nicht mehr nötig.
Mit dem Schutzschirmverfahren hatte der Gesetzgeber 2012 eigentlich ein vorinsolvenzliches Verfahren schaffen wollen. Doch Lieferanten und Banken bekamen schnell Wind davon, dass der Schutzschirm in den meisten Fällen in die Insolvenz mündete, und stellten eilends ihre Forderungen fällig – womit die Insolvenz erst recht unausweichlich wurde.Angeschlagene Firmen scheuten den Schutzschirm, weil er trotz allem den Makel der Pleite trug. Für das StaRUG-Verfahren ist dagegen kein formeller Antrag nötig, die Hemmschwelle für die Geschäftsführung ist gering. Sie muss nur den Gläubigern einen Restrukturierungsplan vorlegen, einen externen Aufpasser gibt es nicht.

Im Anschluss sollen neue Aktien ausgegeben werden - allerdings nur an eine Gesellschaft des bisherigen Mehrheitseigners Michael Tojner und den Sportwagenbauer Porsche. Beide lassen sich das jeweils 30 Millionen Euro kosten. Von den Gläubigern kommen 60 Millionen als Darlehen. 

Die Gründe für Vartas Probleme

Der Konzern aus dem schwäbischen Ellwangen strauchelt bereits seit zwei Jahren. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Nachdem Tojner Varta an die Börse gebracht hatte, war das Unternehmen zunächst äußerst erfolgreich. Vor allem mit Batterien für Ohrhörer, die Varta an Apple verkaufte, verdiente das Unternehmen traumhafte Margen. Produktionskapazitäten, Personal und Investitionen wurden dann jedoch so geplant, als ließe sich das Umsatzwachstum mit den Minibatterien einfach fortschreiben. Die Mittel aus dem Börsengang wurden ausgegeben, Varta wurden hohe Schulden aufgeladen, um noch mehr Wachstum zu ermöglichen. Rücklagen wurden nicht gebildet. Stattdessen gab es hohe Dividenden an die Aktionäre. 

Apple zahlte allerdings sukzessive immer weniger für Batterien von Varta und die abgerufenen Mengen sanken. Hinzu kamen dann phasenweise auch noch Qualitätsprobleme. Ein weiteres Problem: Das Varta-Management hatte viel Geld in eine neue Batterie gesteckt, die vor allem in Hybrid-Autos eingesetzt werden sollte. Doch letztlich wollte nur der Autohersteller Porsche die Batterien kaufen.

Bereits im Herbst 2022 deutete sich an, dass es für Varta eng werden könnte. Nachfolgende Versuche, das Unternehmen zu sanieren, scheiterten. Im Sommer 2024 entwarf der Vorstand den Plan, Varta über einen Schuldenschnitt zu sanieren.

Vertreter von Anlegern kritisieren die zugleich vorgesehene Herabsetzung des Grundkapitals auf null, die für die freien Aktionäre den vollständigen Verlust ihres Kapitals bedeuten würde. Sie wollen den Sanierungsplan für den Batteriehersteller Varta vor dem Bundesverfassungsgericht stoppen.

Varta-Chef Michael Ostermann hatte zuletzt Verständnis für die „Enttäuschung der Kleinaktionäre“ geäußert. „Doch das StaRUG-Verfahren ist für Varta alternativlos. Es geht um 4000 Arbeitsplätze und um die Zukunft der Varta.“ Ohne das StaRUG würde ein massiver Schaden entstehen, von dem nicht nur die Kleinaktionäre betroffen wären, „sondern das gesamte Unternehmen, seine Zukunftsfähigkeit und damit natürlich auch alle Mitarbeiter“, sagte Ostermann.

Lesen Sie auch: Woran Aktionäre erkennen, dass ein StaRUG-Verfahren ansteht

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