Sanierung: BayWa will Gläubiger mit StaRUG-Verfahren auf Linie bringen
Das StaRUG-Verfahren sei „ein letzter notwendiger Schritt, den Sanierungsrahmen bis 2027 abzusichern“, sagte Chef-Sanierer und Vorstand Michael Baur.
Foto: Fabian Sommer/dpaDer Münchner Agrar- und Baustoffkonzern BayWa will einige Gläubiger ausbremsen, die die Sanierung bisher blockieren. Sie sollen mit einem sogenannten StaRUG-Restrukturierungsverfahren auf Linie gebracht werden, das die BayWa nach eigenen Angaben am Freitag beim Amtsgericht München einreichen will. Nur in diesem Verfahren können sie überstimmt werden.
Das sei „ein letzter notwendiger Schritt, den Sanierungsrahmen bis 2027 abzusichern“, sagte Chef-Sanierer und Vorstand Michael Baur. Er sprach von einem „mikrochirurgischen Eingriff“. Die Aktionäre der BayWa und deren operatives Geschäft seien – anders als etwa beim Batteriehersteller Varta oder dem Autozulieferer Leoni – von dem StaRUG-Verfahren nicht betroffen.
Die finanziell angeschlagene BayWa hat ihren Gläubigern vorgeschlagen, ihre Kredite und andere Schuldpapiere bis Ende 2027 zu verlängern – zu etwas höheren Zinsen als bisher. Der Konzern ist mit mehr als fünf Milliarden Euro verschuldet. Verzichten müssten die Gläubiger dabei – anders als in vielen Sanierungsfällen – auf nichts. Die BayWa bietet ihnen eigenen Angaben zufolge vielmehr zusätzliche Sicherheiten.
Baur will mit dem Verkauf von großen Teilen des Unternehmens, vor allem im Ausland, den Schuldenberg bis dahin um vier Milliarden Euro abtragen, der den Konzern im Sommer in Liquiditätsengpässe gebracht hat. Mehr als 95 Prozent der 250 Gläubiger hätten dem Konzept vertraglich zugestimmt, nur „einige wenige“ verweigerten sich, hieß es in der Mitteilung.
Aktionäre nicht betroffen
Finanzkreisen zufolge hatte Baur wochenlang versucht, auch die letzten Gläubiger zu überzeugen. Doch vor allem ein Investor aus Norddeutschland, der von der BayWa vermeintlich sichere kurzfristige Schuldverschreibungen (Commercial Papers) im Wert von 130 Millionen Euro gekauft hatte, wollte zwei Insidern zufolge aussteigen und blockierte damit die Einigung.
Als Ausweg sah Baur nur ein Verfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG). Nach dem StaRUG reicht dem Unternehmen eine Mehrheit von 75 Prozent der Gläubiger, um die Sanierung unter Dach und Fach zu bekommen. Diese Mehrheit sei bereits sicher, erklärte die BayWa.
Um zu verhindern, dass einzelne Gläubiger eine Sanierung blockieren können, war das Gesetz 2021 eingeführt worden. Bei Leoni und Varta hatten es die Großaktionäre allerdings genutzt, die übrigen Anteilseigner hinauszudrängen. Das sei bei der BayWa kein Thema, betonte Baur. Auch die Kleinaktionäre dürften bei der geplanten Kapitalerhöhung um 150 Millionen Euro mitmachen, die im Sommer über die Bühne gehen könnte. „Es wird keine Kapitalherabsetzung geben.“
Vorher muss allerdings das StaRUG-Verfahren abgeschlossen sein. Das werde die Vorlage der Bilanz für das Krisenjahr 2024 und möglicherweise auch die Hauptversammlung verzögern, die bisher Ende Mai geplant ist, erklärte die BayWa.
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