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Macht der Berührung„Berührungen sind für unseren Organismus absolute Extremereignisse“

Händeschütteln, Umarmungen, Armtätscheln: Emmanuel Macron setzt bei Donald Trump auf körperliche Nähe. Welche Wirkung hat das – und klappt das auch im Büro?Leonard Knollenborg 26.02.2025 - 19:02 Uhr

Ganz nah: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron trifft US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus. 

Foto: Ludovic Marin/POOL AFP/AP/dpa

Etwa 15 Sekunden dauerte der erste Händedruck beim Treffen zwischen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und US-Präsident Donald Trump. Und es sollte nicht der letzte sein. Immer wieder berührten sich die beiden Staatsmänner. Vor allem Macron ließ kaum eine Gelegenheit aus, seinen Amtskollegen zu tätscheln wie einen guten Kumpel.

Die politischen Konsequenzen des Treffens sind noch offen. Atmosphärisch war die Wirkung jedoch verblüffend: Trump lachte, wirkte nahbar. Für einen Moment schien die Lage etwas weniger angespannt zu sein.

Dass körperliche Berührungen eine enorme Wirkung entfalten können, ist wissenschaftlich gut belegt. Forscher der Universitäten Bochum, Duisburg-Essen und Amsterdam haben in den vergangenen Jahren mehr als 130 internationale Studien ausgewertet. Das Ergebnis der Metaanalyse: Berührungen lindern Schmerz und Angst, wirken in Stresssituationen beruhigend, senken den Blutdruck und die Herzfrequenz – vorausgesetzt, sie sind einvernehmlich und werden als angenehm empfunden.

Berührungen steigern die Leistung

Selbst kleine körperliche Berührungen können außerdem Vertrauen schaffen – und sogar die Leistung steigern, wie eine Studie aus der Sportpsychologie kürzlich zeigte: Demnach haben amerikanische College-Basketballspielerinnen eine signifikant höhere Trefferquote bei Freiwürfen, wenn sie zuvor von einer oder mehreren ihrer Mitspielerinnen berührt wurden, etwa durch einen aufmunterndes Klopfen auf den Rücken. Auch außerhalb der Politik sind Berührungen also ein machtvolles Instrument. Lassen sich diese positiven Effekte auch im Büro nutzen? Etwa, wenn ein Kollege offensichtlich gestresst ist oder Zuspruch braucht?

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„Vorsicht!“, mahnt Martin Grunwald. Er leitet das Haptik-Forschungslabor an der Universität Leipzig. „Berührungen sind für unseren Organismus absolute Extremereignisse“, sagt der Psychologieprofessor. Einen stärkeren Wahrnehmungsreiz gebe es nicht. „Selbst nach einem Schulterklopfen ist erstmal Alarm in unserem Körper.“ Ob sich dieser Reiz positiv oder negativ auswirke, hänge allein von der Interpretation des Berührten ab – die er blitzschnell und größtenteils unbewusst vornimmt. „Das kann im Büro komplett nach hinten losgehen“, so Grunwald.

Niemals ungefragt den Chef anfassen

Selbst wenn eine Berührung weder sexuell gemeint ist noch so aufgefasst wird, kann sie zu großen Irritationen führen. Viele Menschen mögen es generell nicht, von anderen angefasst zu werden. Die positive Wirkung verkehrt sich dann ins Gegenteil – in eine Stressreaktion: Die Herzfrequenz steigt, die Muskulatur verkrampft, der Blutdruck schießt in die Höhe. Doch die Folgen sind nicht nur physisch. Denn Körperkontakt wird immer auch sozial interpretiert, als Ausdruck einer bestimmten Beziehung zueinander.

Wie Chefs das Vertrauen ihrer Mitarbeiter gewinnen
Persönliche Informationen sollten Chefs vertraulich behandeln. Die Information, dass der Kollege nicht die Grippe, sondern Burn-Out hat, sollte kein Chef durch die Kantine posaunen.
Wer erzählt, was er an anderen schätzt und toll findet, wird selbst als besser wahrgenommen und schafft es, dass die Zuhörer ihm vertrauen.
Täuschen, dramatisieren und beschwichtigen sind Gift für ein Vertrauensverhältnis. Lügen und das Weglassen von Informationen werden von Mitarbeitern gleichermaßen als schlimm empfunden. Die Wahrheit kann manchmal verletzend sein, trotzdem ist es wichtig, sie auszusprechen. Damit diese Ehrlichkeit niemanden verletzt, sollte man sie stets mit wertschätzenden Äußerungen verbinden.
Hat der Praktikant eine gute Idee, sollte diese ernst genommen werden. Chefs sollten vermeiden, auf andere herabzusehen.
Bitte, danke, guten Morgen, wie geht es dir? Diese Alltagsphrasen können im beruflichen Miteinander den Unterschied machen. Wer sich für sein Gegenüber interessiert, und sei es nur in einem kurzen Gespräch, baut ein positives Verhältnis auf.
Je mehr die Mitarbeiter wissen, desto sicherer fühlen sie sich. Selbst wenn die Führungskraft denkt, etwas sei nicht wichtig, sollte sie lieber mehr als zu wenig teilen.Ihre Entscheidungen muss eine Führungskraft begründen. Wieso hat der eine Mitarbeiter Urlaub bekommen und der andere nicht? Hat der scheinbar Bevorzugte zum Beispiel zwei Kinder und die Betreuungsmöglichkeit fehlt, hat der Zweite eher Verständnis.
Chefs und Mitarbeiter sollten klar machen, was sie voneinander erwarten und was auf keinen Fall passieren sollte. Diese Offenheit beugt Missverständnissen vor.
Bieten Sie auch ungefragt Hilfe an. Viele Mitarbeiter trauen sich nicht, Hilfe einzufordern. Außerdem sollten Chefs ihren Mitarbeitern den Rücken stärken und sich für sie und ihre Belange einsetzen.
Was man von den Mitarbeitern erwartet, sollte man auch selbst befolgen.

Bei Hierarchieunterschieden ist besondere Vorsicht angebracht. Berührungen durch den Chef oder die Chefin – das Tätscheln an der Schulter – werden oft als übergriffig aufgefasst. „Wer Ihren Urlaubsschein unterschreibt, von dem wollen Sie in der Regel nicht berührt werden“, sagt Haptikforscher Grunwald. Noch schlimmer sei es allerdings andersherum: „Wenn Sie Ihrem Chef die Hand auf die Schulter legen, dann gnade Ihnen Gott!“

Sind Berührungen jenseits des Händedrucks zur Begrüßung also grundsätzlich tabu im Büro? Nein, sagt Grunwald. Unter befreundeten Kollegen auf derselben Ebene könne Körperkontakt in bestimmten Momenten durchaus positive Effekte haben – wie bei den Basketballspielerinnen. Allerdings kommt es dabei nicht nur auf die formale Hierarchie an.

Auch implizite Unterschiede im Gruppengefüge können dazu führen, dass Berührungen als unpassend wahrgenommen werden, als Verstoß gegen soziale Normen. Ein junger Mitarbeiter umarmt von sich aus eine ältere Kollegin, weil die eine Auszeichnung erhalten hat? Keine gute Idee – selbst wenn die Geste gut gemeint war. Ohnehin gibt es laut Grunwald einen zentralen Grundsatz: „Es kommt nicht auf die Intention des Berührenden an, sondern nur auf die Interpretation des Berührten.“ Noch ist nichts über Trumps Interpretation des Treffens mit Macron bekannt.

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