19 Millionen Euro für SAP-Chef: Mega-Gehalt für den Chef und Stellenabbau: Wie passt das zusammen?
SAP-Chef Christian Klein bei der Bilanzpressekonferenz Ende Januar in Walldorf.
Foto: Uwe Anspach/dpaFür das Jahr 2024 soll SAP-Chef Christian Klein 18,9 Millionen Euro erhalten. Das geht aus dem Vergütungsbericht hervor, den der Softwarekonzern heute veröffentlicht hat. Das sind 11,8 Millionen Euro mehr als noch im Jahr 2023. Und auch damals hatte SAP-CEO Klein schon zu den Top-Verdienern im Dax gehört. Nur VW-Chef Oliver Blume, Adidas' CEO Björn Gulden und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatten noch besser verdient.
Der exorbitante Anstieg von Kleins Gehalt mag auf den ersten Blick verwundern, hatte SAP zuletzt doch eher mit anderen Ankündigungen für Schlagzeilen gesorgt: Bis zu 10.000 Stellen will der Konzern weltweit abbauen. Benefits wie bezahlte Vätermonate wurden gestrichen, die Belegschaft gegen große Widerstände ins Büro zurückbeordert.
Doch es gibt auch die andere Seite. Und die wirkt sich positiv auf Kleins Konto aus. Das Festgehalt des CEOs macht mit 1,4 Millionen Euro nur 7,6 Prozent der Gesamtvergütung aus und ist im vergangenen Jahr nur moderat gestiegen. Es sind die variablen Gehaltsbestandteile, die den Großteil zum Gesamtpaket beitragen. Diese Bonuszahlungen von 17,5 Millionen Euro orientieren sich daran, ob SAP und damit CEO Klein seine Ziele erfüllt hat.
Und das hat er. Der Umsatz von SAP etwa ist im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 34,2 Milliarden Euro gestiegen. Vor allem das von Klein fokussierte Cloudgeschäft trug dazu kräftig bei. Der Aktienkurs hat sich im vergütungsrelevanten Zeitraum seit April 2021 mehr als verdoppelt. Im Moment liegt er um die 270 Euro und macht SAP damit zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands. All das wirkt sich positiv auf Kleins Bezahlung aus.
Für die Belegschaft gibt's ein Plus von 2,4 Prozent
Die guten Zahlen geben Klein und seiner Strategie also recht. Solch extrem hohe Gehälter kommen dennoch bei der Belegschaft selten gut an. SAP-Betriebsratschef Eberhard Schick äußert sich kritisch zu dem „exorbitanten“ Anstieg: „Offenbar haben unsere Vorstände gut verhandelt. Der Belegschaft wird dies nur schwer zu vermitteln sein.“
Zumal die Mitarbeiter beim Konzernumbau Annehmlichkeiten aufgeben mussten und selbst nur mäßige Gehaltssteigerungen erfahren haben. Erst Ende Januar hatten sich Betriebsrat und Gewerkschaft „enttäuscht“ gezeigt über die durchschnittlich 2,4 Prozent mehr Lohn für SAP-Beschäftigte in diesem Jahr. „Eine Erhöhung von im Mittel lediglich 2,4 Prozent wird die Belegschaft nicht dazu motivieren, die durch den Abgang so vieler erfahrener Kolleg:innen entstandenen Lücken zu stopfen“, sagte Eberhard Schick damals.
Immerhin vom kräftig gestiegenen Aktienkurs profitiert auch ein Großteil der Beschäftigten. Drei Viertel der Mitarbeiter halten laut SAP Anteile am Unternehmen.
Die Hauptversammlung muss dem Vergütungspaket von Christian Klein und seinen Vorstandskollegen noch zustimmen. Kleins Vorgänger Bill McDermott hatte einst noch mehr verdient. Für das Jahr 2017 lag seine Vergütung bei über 21 Millionen Euro. Daraufhin änderte der Aufsichtsrat einige Regeln bei der Vergütung.
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