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Stellenabbau bei SAPKühl kalkuliert – aber nicht sonderlich klug

SAP-Chef Christian Klein muss Stellen abbauen – und glaubt offenbar, dass ein harter Kurs gegenüber der Belegschaft dabei besonders wirkungsvoll ist. Die Börse honoriert's. Aber ob es der Markt auch tun wird? Ein Kommentar.KOMMENTAR von Varinia Bernau 23.07.2024 - 12:06 Uhr

SAP-Chef Christian Klein

Foto: imago images

Es ist eine kühle Kosten-Nutzen-Rechnung. Und die ist aufgegangen. Kurzfristig zumindest: Der Aktienkurs von SAP hat einen ordentlichen Sprung nach oben gemacht, nachdem der Softwarekonzern die Zahlen fürs zweite Quartal vorgelegt hat – inklusive Details zum anstehenden Stellenabbau.

Aber wird die Rechnung auch langfristig aufgehen? Das ist längst nicht ausgemacht. Nicht jede kühle Rechnung ist eine kluge Rechnung. An der Börse zu punkten, bedeutet keinesfalls, auch in der Belegschaft zu punkten – und damit auch am Markt: Wer mit guten Produkten und einem ebenso guten Service bestehen will, der braucht kluge sowie motivierte Mitarbeiter.

SAP-Chef Christian Klein aber hat sich offenbar entschieden, lieber die Aktionäre glücklich zu machen als seine Belegschaft. Er hat ein Bewertungssystem eingefügt, das Mitarbeiter in High- und Lowperformer einteilt. Er hat eine großzügige Elternzeitregelung gekippt. Und er hat gegen viel Widerstand eine Anwesenheitspflicht im Büro durchgeboxt. All das hat unter Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen für viel Frust gesorgt.



Und es hat Wirkung gezeigt: Der Andrang bei einem zu Jahresbeginn aufgelegten Abfindungsprogramm ist groß. Viel größer als erwartet. Das schlägt sich auch in den Kosten nieder: Für die Abfindungen fallen nun voraussichtlich drei Milliarden Euro an. Zurückgestellt hatte der Konzern dafür zunächst nur 2,2 Milliarden Euro.

Verunsicherung in der Belegschaft – ausgerechnet jetzt!

Natürlich könnte man jetzt sagen: Na und? Schließlich weitet SAP den Stellenabbau sogar noch aus: Statt der ursprünglichen 8000 stellt der Konzern 9000 bis 10.000 Jobs auf den Prüfstand, wie Klein nun sagte. Und unterm Strich stand im zweiten Quartal trotzdem ein üppiger Gewinn. Kühl kalkuliert eben.

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Die Sache ist nur: Ein Umbau ist immer schwierig. Er verunsichert die Belegschaft. Wenn er aber auch noch mit einer strategischen Neuausrichtung verbunden ist, wie nun bei SAP, ist er besonders schwierig. Der Softwarekonzern muss seine Software nicht nur um ein paar Funktionen erweitern, die auf künstliche Intelligenz aufsetzen. Er muss sich auch rüsten für eine Zeit, in der künstliche Intelligenz womöglich bessere Software schreibt, vielleicht sogar bessere Verkaufsgespräche und Beratungen bietet, als der Mensch. Dazu muss er neue Kompetenzen in der Belegschaft aufbauen. Und ausgerechnet diejenigen, die dafür die besten Voraussetzungen mitbringen, hat Klein nun mit seinem harten Kurs vor den Kopf gestoßen. Vielleicht sogar gänzlich verloren.

Es gehen vor allem diejenigen, die der Konzern braucht

Ein Abfindungsangebot nehmen naturgemäß vor allem jene an, die gute Aussichten haben, auch anderswo einen attraktiven Job zu finden. Die Talentierten, die Flexiblen, die Leistungsbereiten. Kurzum: genau jene, die SAP fürs Reskilling braucht. Um die Jobs der Zukunft zu besetzen. Und um die Zögerlichen und Zweifelnden mitzuziehen.

Solche Talente von außen zu SAP zu lotsen, ist schwer. Gerade mit einem derart ramponierten Arbeitgeberimage. Längst hat sich herumgesprochen, dass bei dem Konzern flexible Homeoffice-Regelungen oder auch Auszeiten für die Familie eher nicht drin sind. Und so könnte sich diese Akquise langfristig als ziemlich teuer erweisen. Eventuell sogar die Neuausrichtung als Ganzes gefährden. Gut möglich, dass sich das in ein paar Jahren auch im Produktportfolio und beim Gewinn zeigt. Und dann auch der Aktienkurs wieder absackt.

Lesen Sie auch: Der Druck von SAP, seine Kunden in die Cloud zu hieven, treibt die Umsätze in die Höhe

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