Stellenabbau bei DHL: Drei Grafiken erklären, warum die Post 8000 Stellen streicht
Mehr Pakete sollen Briefe ersetzen. Doch die Gleichung geht für DHL noch nicht auf.
Foto: REUTERSDas Timing hätte der Chef des DHL-Logistikers Tobias Meyer kaum schlechter wählen können. Da verkündet sein Unternehmen eine Tarifeinigung mit den Beschäftigten der Deutschen Post – nur Tage später will das Unternehmen bis Ende des Jahres 8000 Stellen streichen. Für die Beschäftigten gleicht der größte Abbau seit Jahren einem Motivationskiller. Für das Unternehmen ist es, wie immer bei solchen Entscheidungen, „alternativlos“.
Das Problem von DHL: Die Umsätze im Segment Post und Paket wachsen nur langsam. Die Kosten aber steigen bei nahezu gleichbleibender Beschäftigtenzahl rasant.
Die Folge: Im vergangenen Jahr fielen die Renditen bei der Tochter Deutsche Post unter 5 Prozent. Für Meyer zu wenig, um künftig in Sortieranlagen und neue Fahrzeuge zu investieren. Das Unternehmen fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit.
Vor allem die Personalkosten schmälern die Gewinne. In der Branche zahlt die Deutsche Post im Durchschnitt die höchsten Gehälter, wirbt auf der anderen Seite mit Qualitätsversprechen. Die erkämpfte Tarifeinigung vor wenigen Tagen ist aus Sicht des Unternehmens nur der Schlussstein der teureren Personalrechnung. Zuletzt seien die Gehälter laut Tarifvereinbarungen um mehr als zehn Prozent gestiegen, ab April wachsen sie nochmals um zwei Prozent – zu viel für die fallende Produktivität.
Den Grund für den Verfall sieht Konzernchef Meyer in einem Strukturwandel des Geschäfts der Division Post und Paket, der Konzerntochter Deutsche Post. Mit der Einführung der Email verschicken die Menschen immer seltener Briefe und Postkarten. Selbst Behörden und Unternehmen senden Rechnungen und Infoschreiben immer öfters digital. Die Konsequenz: Die Zusteller der Deutschen Post haben immer weniger zu tun. Allein seit 2019 ist die ausgestellte Briefmenge des Unternehmens um ein Viertel gesunken.
Zwar wächst gleichzeitig die Menge an Paketen. Doch nicht in dem Maße wie erhofft. Seit dem Paketboom während Corona war die Zahl der Bestellungen zuletzt etwas rückläufig. Die DHL kann jedenfalls die Verluste durch das tendenziell wachsende Paketgeschäft kaum auffangen.
Für die Spartenergebnisse bleibt der Brief bestimmend. Als ehemaliges Staatsunternehmen verfügt die DHL praktisch über eine Monopolstellung, doch muss sie sich engen Regeln fügen, unter welchen Bedingungen sie die Dienste anbietet. So muss das Unternehmen wegen des neuen Postgesetzes die meisten Briefe nicht am nächsten Tag austragen – die weniger werdenden Fahrten verringern auch den Bedarf für das Personal. Wie groß die Einsparungen allerdings im Detail sind, ist nur schwierig zu erfassen.
Genehmigt werden muss auch das Briefporto. Erst zum neuen Jahr hatte die Bundesnetzagentur eine Erhöhung des Standardbriefes um 10 Cent auf 95 Cent zugestanden. Das Unternehmen argumentiert trotzdem, dass die Gebühren lediglich die Kosten decken.
Im Konzerngefüge wird die Sparte so immer unwichtiger. Erwirtschaftete das deutsche Brief- und Paketgeschäft noch vor 15 Jahren einen Löwenanteil am Gesamtgewinn, waren es vor fünf Jahren nur noch ein Drittel. Zuletzt schrumpfte der Anteil gar auf 14 Prozent. Das hängt auch damit zusammen, dass sich das Unternehmen gerade in den vergangenen Jahren immer stärker international aufstellen konnte und auch von hohen Frachtraten und labil gewordenen Lieferketten profitierte.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es dem Unternehmen schlechter gelingt, im reglementierten Brief- und im Wettbewerb umkämpften Paketgeschäft auskömmlich zu verdienen.
Seit Jahren ranken sich deshalb Gerüchte darum, dass der Mutterkonzern seine Post-Tochter in einem separaten Teilgeschäft ausgliedert.
Meyer bestreitet das. Ob sich ein solcher Schritt zudem lohnen würde, ist umstritten. Noch erwirtschaftet die Deutsche Post Gewinne.
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