1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Immobilien
  4. Sonnenkollektoren: Solaranlagen bleiben attraktiv

SonnenkollektorenSolaranlagen bleiben attraktiv

Die Minister Röttgen und Rösler wollen die Förderung von Solaranlagen stärker kürzen als bisher geplant. Warum die Anlage auf dem Dach trotzdem noch lohnt.Rebecca Eisert 24.02.2012 - 12:49 Uhr
Foto: dpa

Wer eine Solaranlage auf sein Dach setzt, wir dafür vom Staat belohnt. Den Strom vom Dach müssen die Netzbetreiber den Hausbesitzern nämlich zu einem garantierten Festpreis abnehmen – der sogenannten Einspeisevergütung.

Mit der Förderung wollte die Bundesregierung den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben. Die Photovoltaik fand schnell viele Fans. Verständlich, denn wer mit seinem Solardach zum „Stromverkäufer“ wurde, machte damit gute Gewinne – und durfte auch langfristig mit ausreichend Rendite rechnen. Denn der garantierte Festpreis (Einspeisevergütung) galt von dem Tag an, an dem die Anlage Strom ans Netz lieferte für die nächsten zwanzig Jahre.

Kein Rütteln an der Bestandsgarantie

Die erste gute Nachricht: An der sogenannten Bestandsgarantie ändert sich nichts. Wer vor einem, fünf oder zehn Jahren in eine Solaranlage auf seinem Eigenheim investiert hat, muss ich um die Kürzungspläne von Umweltminister Röttgen  und Wirtschaftsminister Rösler nicht weiter scheren. Diese Gruppe der Solaranlagenbesitzer bleibt vom Konzept der Minister verschont.

Die Bestands- und Abnahmegarantie hatte der Gesetzgeber im Erneuerbare Energie Gesetz, kurz EEG festgelegt. Damit brachte die Solaranlage auf dem Dach nicht nur günstigen Strom für den Eigenverbrauch, sondern wurde zu einem lukrativen Zubrot für viele private Hausbesitzer, aber auch für Unternehmern und Landwirte, die von da an die Dächern ihrer Gewerbebauten und Ställe mit Solarzellen regelrecht zupflasterten.

Was für Anlagen bis März 2012 gilt

Bisher galten je nach Größe und Standort der Anlage (Dach, Freiland) unterschiedliche Einspeisevergütungen. Für Solarstromanlagen, die ab Januar 2012 ans Netz gegangen sind, gelten folgende Einspeisevergütung:

Zum Vergleich: 2010 hatte die Förderung für Dachanlagen noch 30 Cent pro Kilowattstunde und 28 Cent für Freiflächenanlagen betragen. 2011 betrug die Förderung für Dachanlagen bereits nur noch 28,74 Cent pro Kilowattstunde.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) wollen die Solarförderung in Deutschland möglichst schneller weiter kürzen

Foto: dpa

Zur Größe der Anlagentypen
=KilowattPeakDer kWp-Wert beschreibt die optimale Leistung einer Solaranlage unter bestimmten ortsabhängigen Werten für die Temperatur der Module und die Sonneneinstrahlung. Je nachdem wie stark eine Photovoltaikanlage von diesen Normwerten abweicht kann sie mehr oder weniger Strom produzieren als angegeben.
Eine 1 kWp-Anlage in Deutschland produziert ca. 800 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr und nimmt ca. 9 Quadratmeter Fläche ein. Dies entspricht etwa dem Fünftel des jährlichen Stromverbrauchs unseres Vier-Personen-Haushalts.

Planmäßig wäre die Einspeisevergütung zum 1. Juli um 15 Prozent heruntergeschraubt worden. Diese „Degression“ der garantierten Vergütung war Teil des langfristigen Plans der Regierung den Solarstrom schrittweise zu de-subventionieren. Zweimal jährlich wurde er garantierte Abnahmepreis gesenkt. Die Basis-Degression lag bei neun Prozent jährlich.

Die EEG-Umlage - der "Strom-Soli"

Wie stark die Förderung darüber hinaus gekürzt wurde orientierte sich daran, wie viele neue Solarflächen in Deutschland auf Dächern, dem Frei- und auf Ackerland entstanden waren. Damit wollte der Gesetzgeber vermeiden, dass Stromkunden übermäßig zur Kasse gebeten werden, denn sie bezahlen die Förderung indirekt über die Strom-Umlage. 2011 betrug diese 3,53 Cent pro Kwh, 2012 bereits 3,59 Cent. Pro Haushalt macht das 70 bis über 100 Euro pro Jahr für den "Strom-Soli".

Kostenexplosion bei der Förderung

2011 lag die neu installierte Leistung bei über 7500 Megawatt. Damit war der Zubau so übermäßig groß, dass die Kosten für die Förderung explodierten. Mehr als 13 Milliarden Euro staatlicher Förderung pro Jahr fließen inzwischen in den Ausbau von Wind- und Solaranlagen. Mit fünf Milliarden Euro entfällt der Löwenanteil auf Photovoltaik-Anlagen.

Nach dem Konzept von Röttgen und Rössler soll sich nun sowohl die Einteilung der Anlagen als auch die Höhe der Förderung ändern und zwar schon zum 9. März – wenn es nach den Ministern geht.

Wo wird wie viel gekürzt?

Ab März soll es statt der vier nur noch drei Anlagetypen geben. Die Anlagen würden dann nach folgenden Sätzen gefördert:

  • Kleine Anlagetypen bis 10 kWp: 19, 5 Cent/kWh

  • Mittlere Anlagetypen von 10 kWp bis 1 MWp: 16,5 Cent/kWh

  • Große Anlagentypen von 1 MWp bis 10 MWp: 13,5 Cent/kWh

Röttgen sprach von einer durchschnittlichen Senkung von rund 24 Prozent bis zum 1. Januar 2013. Am besten kommen Besitzer von Kleinstanlagen bis 10 kWp weg, also die klassischen Privathausbesitzer.

Selbst wenn die Förderung auf 15 Cent pro Kilowattstunde reduziert würde, könnten Hausbesitzer mit Solardachanlagen noch mit Renditen von fünf bis sieben Prozent rechnen.

Foto: dpa

Außerdem soll nicht mehr 100 Prozent des Stroms vom Dach zum garantierten Festpreis von den Netzbetreibern abgenommen werden. Wer eine kleine Dachanlage von bis zu zehn Kilowatt besitzt kann bekommt nur noch für 85 Prozent seines produzierten Stroms den garantierten Fördersatz, bei allen anderen Anlagen sind es 90 Prozent. Den Rest muss er zu Marktpreisen verkaufen oder selbst verbrauchen.

Künftig kann zudem die Einspeisevergütung für Solarstrom aus neuen Anlagen mit einer Verordnung weiter gekürzt werden, wenn der Ausbau die von der Regierung vorgegeben Zielgrößen überschreitet.

Beispielrechnung für Freiburg und Essen
Den Besitzer eines optimal gelegenen Einfamilienhauses (mit 200 Quadratmeter Dachfläche, 30 Grad Dachneigung, Ausrichtung Süd, Standort Freiburg, zu 100 Prozent aus Eigenkapital, 100 Prozent Einspeisung), kostet die Anlage 57.000 Euro. Die jährliche Bruttorendite beträgt hier (berechnet zu Preisen für 2011) 11,5 Prozent.
Ein Hausbesitzer in Essen, mit kleinerer Dachfläche und unvorteilhaftem Winkel zur Sonne (Ost oder West), kommt mit 27.000 Euro davon. Seine Bruttorendite liegt bei 5,9 Prozent. Die Nettorendite hängt vom persönlichen Steuersatz ab. Bei einem hohen Satz kann eine kreditfinanzierte Anlage die Rendite steigern, da sie über Jahre steuermindernd abgeschrieben werden kann.

Die Preise für kristalline Solarmodule sind in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen.

Foto: dpa

Was heißt das nun für alle jene, die mit dem Gedanken spielen, sich eine Solaranlage für ihr Dach zu kaufen. Lohnt sich die Investition überhaupt noch?

Bloß keine Panik

Ja, in jedem Fall. Holger Krawinkel vom Verbrauchzentrale Bundesverband (VZBV) beruhigt: „Man kann völlig gelassen bleiben.“ Selbst wenn die Einspeisvergütung nur 15 Cent pro kWh betrüge, so der Fachmann, läge die Rendite einer Dachanlage noch bei fünf bis sieben Prozent.

Grundsätzlich bemisst sich der Ertrag der Solaranlage nach dem Preis der Anlage, der Größe, dem Standort, der Dachneigung und Himmelsrichtung. So kann ein Hausbesitzer in Südbaden bei sonst gleichen Bedingungen bis zu 35 Prozent mehr Strom produzieren als einer in Norddeutschland.

Suntech Power ist der größte Solarzellenhersteller. Mit 1585 Megawatt im Jahr 2010 hat die Leistung um 125% gegenüber des Vorjahres (2009) zugenommen.

Foto: dapd

Platz 3 - JA Solar

Drittgrößter Solarzellenhersteller ist JA Solar. Der chinesische Hersteller produzierte 2011 1700 Megawatt. Ein Plus von rund 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Foto: Reuters

Platz 2 - First Solar

Der zweitgrößte Hersteller ist First Solar. Das US-Unternehmen produzierte Solarzellen mit einer Leistung von 1981 Megawatt. Das waren rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr (1412 Megawatt).

Foto: dpa

Platz 4 - Yingli

Den vierten Platz nimmt der Hersteller Yingli aus China ein. Mit 1604 Megawatt produzierte Yingli 2011 rund 51 Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr (1060 Megawatt).

Foto: dapd

Platz 5 - Trina

Trina ist der fünftgrößte Solarzellenhersteller. Die Produktion der Chinesen nahm gegenüber dem Vorjahr um knapp 48 Prozent zu. Trina produzierte im Jahr 2011 1550 Megawatt Leistung.

Foto: dapd

Platz 13 - Q-Cells

Der deutsche Hersteller Q-Cells war früher Weltmarktfrüher. Mittlerweile ist das Unternehmen auf Rang 13 abgerutscht. Am 3. April 2012 hat der Hersteller aus Bitterfeld-Wolfen Insolvenz angemeldet. Im vergangenen Jahr produzierte Q-Cells Zellen mit einer Leistung von 790 Megawatt. Im Jahr 2010 waren es noch 1014 Megawatt.

Foto: pr

Motech in Taiwan ist auf dem siebten Platz der zehn größten Solarzellenhersteller. Mit 945 Megawatt im Jahr 2010 produzierte er um 162% mehr als im Jahr 2009.

Foto: Presse

Sharp in Japan produzierte geschätzte 910 Megawatt im Jahr 2010. Die Produktion ist gegenüber des Vorjahres um 53% gestiegen.

Foto: Presse

Den vorletzten Platz der zehn größten Solarzellenhersteller nimmt Gintech in Taiwan mit 827 Megawatt im Jahr 2010 ein. Die Produktion ist damit um 125% gestiegen.

Foto: obs

Platz 18 - Kyocera

Der japanische Hersteller Kyocera findet sich nur auf Platz 18 des Rankings wieder. Im vergangenen Jahr lag die Produktion bei 660 Megawatt. 2010 waren es nur zehn Megawatt weniger. 2007 war Kyocera noch der viertgrößte Solarzellenhersteller der Welt.

Foto: dpa

Eigenverbrauch wird attraktiver

Andere Modellrechnungen zeigen, dass die Kürzungen bei Dachanlagen bis 2014 sogar geringer ausfallen könnten als mit der alten Regelung. Für die Rendite könnte das nur Gutes bedeuten. 

Das Solarfeld auf dem Dach bleibt also eine attraktive Anlage. Auch, wenn der Bonus für den Eigenverbrauch, den es im Moment noch gibt, entfällt.  „Die Attraktivität für den Eigenverbrauch wird steigen“, davon geht Krawinkel aus. Dass die Abnahmegarantie des selbst produzierten Stroms auf 85 Prozent reduziert wird, spielt eine untergeordnete Rolle, denn erfahrungsgemäß liegt der Eigenverbrauch bei 20 bis 30 Prozent – also weit über den 15 Prozent, die nach der neuen Regelung entweder selbst verbraucht oder zu Marktpreisen eingespeist werden müssten.

Derzeit liegen die Preise für konventionell produzierten Strom vom Versorgen bei 26 Cent je Kilowattstunde. Auch bei einer Kürzung der Einspeisevergütung ist der selbstproduzierte Strom immer noch günstiger als der eingekaufte.

Solarmodule immer günstiger

Dazu kommen die fallenden Preise für die Solarmodule. Musste ein Hausbesitzer im Dezember 2008 pro Watt Leistung rund 3,10 Euro für kristalline Module aus Deutschland bezahlen, waren es drei Jahre später nur noch 1,12 Euro. Die gefallenen Investitionskosten beim Kauf einer Solaranlage war ein weiterer Grund dafür, warum die Regierung die Einspeisevergütung senken wollte.

Dass die Preise weiter drastisch fallen könnten, zeigt eine Studie des MIT für den US-Energiemarkt, über die Technology Review in seiner Online-Ausgabe berichtet: Bis 2020 könnten Solarmodule halb so teuer sein wie heute – und Solarstrom damit sogar billiger als Kohlestrom.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick