Bundestagswahl: "Osten wählt immer noch anders als der Westen"
Dieses Plakat der Piraten erreichte uns gleich mehrfach. Als gebe es einen Wettbewerb um unrealistische Wahlversprechen fordern die Piraten einfach "einen Wombat in jedem Haushalt". Sinnvoll oder einfach nur Papierverschwendung?
Foto: PiratenparteiAuch der CDU-Abgeordnete Karl Schiewerling aus dem Wahlkreis Coesfeld/Steinfurt II verzichtet lieber gleich auf ein Wahlversprechen und wünscht seinen potenziellen Wählern lieber schöne Ferien. Auf seiner Homepage wirbt er dafür mit dem Slogan "Ihr Abgeordneter. Hält Wort."
Foto: WirtschaftsWoche,Die Piratenpartei ist unter den skurrilen Plakaten gleich mehrfach vertreten, denn auch der Slogan "Themen statt Möpse" irritierte so manchen Wähler. Auch wenn der Mops mit ins Bild gerückt wurde, die Anspielung auf das freizügige Wahlplakat der CDU-Politikerin Vera Lengsfeld liegt nur allzu nah.
Foto: WirtschaftsWocheDieses Plakat erinnerte unseren Leser an eine Situation am Grenzübergang in Salzburg vor vielen Jahren. "Warum wollen Sie denn nach Deutschland, bleiben Sie doch in Bayern", fragte der Grenzbeamte. Das Plakat zeigt, dass die Frage für einige immer noch aktuell ist.
Foto: WirtschaftsWocheEin Beispiel dafür, dass Wahlplakate für sich allein hochseriös sein können, zusammen aber komisch wirken. Dieses Bild bekamen wir von einer Leserin aus Leipzig, unter dem Motto: "Drei Parteien, eine Brille".
Foto: WirtschaftsWocheDie Freien Wähler haben Kreativität bewiesen - und vor allem Fingerspitzengefühl bei der Positionierung des Plakats, es hängt nämlich direkt vor dem Springer-Haus in Hamburg.
Foto: WirtschaftsWocheEin Problem vieler Politiker und aller Parteien: Oft werden die Plakate verschandelt und sind schon nach kurzer Zeit nicht mehr wiederzuerkennen.
Foto: WirtschaftsWocheUnser ursprüngliches Plakat, mit welchem wir Sie zu unserer Wahlplakate-Aktion aufgerufen haben, hat es mittlerweile schon bis in die Bildzeitung gebracht. Die hessische Landespolitikerin Nicola Beer (FDP) und ihre Forderung nach Chancen, Bildung und Bier.
Foto: WirtschaftsWocheHaben Sie weitere skurrile Plakate entdeckt? Senden Sie sie an aktion@wiwo.de, wir werden die Galerie aktualisieren.
Foto: WirtschaftsWocheFast 25 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es nach Ansicht des Berliner Politologen Oskar Niedermayer noch immer Unterschiede im Wahlverhalten zwischen Ost- und Westdeutschland. Die Linkspartei verkaufe sich weiter gut als Anwalt des Ostens, sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Das ziehe nicht nur nostalgische Senioren an.
Der Politologe Oskar Niedermayer ist überzeugt, dass West und Ost auch in zehn Jahren noch unterschiedlich wählen werden.
Foto: dpaGibt es noch Unterschiede im Wahlverhalten zwischen Ost- und Westdeutschland?
Oskar Niedermayer: Ja, die gibt es eindeutig. Und zwar sowohl in der Wahlbeteiligung als auch in der Frage, welche Parteien gewählt werden. Das Wesentliche ist, dass die Linkspartei sehr viel stärker ist in Ostdeutschland als in Westdeutschland. In Westdeutschland ist sie in den Umfragen ja jetzt so um die fünf Prozent, in Ostdeutschland geht das zuweilen an die 20 Prozent ran. Das bedeutet dann auch, dass SPD, CDU und Grüne weniger Stimmen bekommen im Osten als im Westen.
Ist der Unterschied noch genauso groß wie direkt nach der Wiedervereinigung 1990?
Das hat sich schon ein wenig angeglichen. Nach der Wende war die Enttäuschung zum Beispiel über die CDU mit dem Versprechen von Kanzler Helmut Kohl der blühenden Landschaften doch sehr stark. Die CDU hat sehr stark verloren. Aber der große Unterschied besteht nach wie vor darin, dass die Linkspartei im Osten doch noch ein sehr starkes Wählerpotenzial hat.
Warum gleicht sich das nicht aus nach so vielen Jahren?
Weil die Linkspartei es trotz ihrer gesamtdeutschen Ausdehnung immer noch versteht, sich als Anwalt der Interessen der ostdeutschen Bürger sichtbar zu machen.
Die Anhänger dieser Gruppe würden diese Wahlkabinen nicht betreten - es ist die Gruppe der Nichtwähler. 18,5 Prozent von ihnen verdienen weniger als 1.000 Euro pro Monat. In der Einkommensgruppe über 2.500 pro Monat finden sich immer noch 26 Prozent der Nichtwähler.
Quelle: Abteilung Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig
Foto: REUTERSDie Linkspartei kommt nicht richtig bei den Armen an. Lediglich 6,8 Prozent ihrer Wähler verdienen weniger als 1.000 Euro - 30,8 Prozent der Linke-Wähler stehen hingegen mehr als 2.500 Euro zur Verfügung.
Foto: dpaAnders als die Vermutung nahe legt, befindet sich auch die SPD bei den Personen, die weniger als 1.000 Euro verdient, klar in der Minderheit. Nur 6,1 Prozent der SPD-Wähler kommen aus dieser Schicht, während bei den Personen mit einem Einkommen von mehr als 2.500 Euro bereits 31,3-Prozent der Wähler stammt.
Foto: APDie Piratenpartei hat eine breite Basis an Anhängern. Sie überholt alle etablierten Parteien im Spektrum der Personen, die weniger als 1.000 Euro verdienen: Sie finden hier 10,8 Prozent ihrer Wähler. Und bei den großen Einkommen über 2.500 Euro vereinen die Freibeuter gleich 31,8 Prozent ihrer Wählerschaft.
Foto: dpaUntentschlossene Wähler stammen zu 32,9 Prozent aus der Einkommensgruppe über 2.500 Euro. Sie sind auch in der Gruppe unter 1.000 Euro mit 11,4 Prozent vertreten.
Foto: ZB31,8 Prozent der Wähler, die ihr Stimme der CDU/CSU geben, verdienen mehr als 2.500 Prozent. In der Einkommensgruppe von unter 1.000 Euro sind es lediglich 5,7 Prozent der Wähler.
Foto: dpa/dpawebIhre Wähler verteilen sich stark auf die verschiedenen Einkommensgruppen: die Rechtsparteien. 15,8 Prozent ihrer Wähler verdienen weniger als 1.000 Euro; 35 Prozent mehr als 2.500 Euro.
Foto: dapdDie ökologische Partei punktet vor allem bei den Einkommen über 2.500 Euro. Aus dieser Schicht stammen immerhin 45,1 Prozent der Grünen-Wähler, nur 4,1 Prozent hingegen verdienen weniger als 1.000 Euro.
Foto: dpaDie Wähler der FDP sind wohlhabend - 55,2 Prozent ihrer Wähler verdienen mehr als 2.500 Euro. Die Partei ist auf der anderen Seite der Skala klar unterrepräsentiert: Niemand der Befragten, der weniger als 1.000 Euro verdient, wählt die Liberalen.
Die Universität Leipzig lies für diese Studie 2.357 Personen zwischen 18 und 91 Jahren befragen.
Foto: dpa/dpaweb
Wählen auch die jungen Wähler im Osten anders - die, die DDR nie bewusst erlebt haben?
Ja, durchaus. Man kann nicht sagen, dass die Linkspartei nur von Älteren gewählt wird, die das wegen ihrer nostalgischen Gefühle tun.
Man kann ja durchaus sagen: Bayern wählt auch anders als der Rest. Muss man diese Frage nicht differenzierter sehen als Ost-West?
Man muss es differenzierter sehen. Aber das heißt nicht, dass es diese Ost-West-Spaltung nicht gibt. Man kann sie eben deutlich am Zuspruch für die Linkspartei im Osten festmachen. Dann kann man noch eine zweite Linie ziehen, wo man auch Unterschiede zwischen den Ostländern und zwischen des Westländern erkennt.
Da ist Bayern mit der CSU natürlich der große Sonderfall. Viel hängt auch mit den Persönlichkeiten der Ministerpräsidenten zusammen.
Glauben Sie, in zehn Jahren wird es diesen Unterschied zwischen Ost und West noch geben?
Antwort: Ich vermute, es wird ihn noch geben. Vielleicht in abgeschwächter Form.