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EffizienzlabelEnergieampel ist für Verbraucher kaum zu verstehen

Waschmaschinen, Geschirrspüler, Fernseher – wer sich ein neues Elektrogerät kauft, schaut verschärft auf den Energieverbrauch. Helfen soll dabei die Energieeffizienzampel. Doch das Label hat sich längst überholt. Was Sie wissen müssen, um Strom zu sparen.Meike Lorenzen 09.01.2014 - 12:02 Uhr

Ab September müssen Staubsauger ein Energielabel tragen, so wie Waschmaschine und Kühlschrank auch. Die EU-Regelung soll es einfacher machen, energiesparende Geräte zu erkennen. Ab September dürfen die Geräte maximal 1600 Watt verbrauchen, bis 2017 soll diese Grenze auf 900 Watt herabgesetzt werden. Zusätzliche hinweise auf dem Label informieren den Kunden, für welchen Bodenbelag der Sauger geeignet ist. Wichtig ist für Experten allerdings nicht nur die Watt-Zahl, sondern auch die Saugleistung. Muss länger gesaugt werden, ist die Energieersparnis durch geringeren Stromverbrauch hinüber. Deshalb sei das Label kaum mit den Energieeffizienzklassen anderer Geräte zu vergleichen.

Wenn Sie vorhaben, sich einen neuen Staubsauger anzuschaffen, achten Sie nicht nur auf den Stromverbrauch, sondern auch auf die Saugleistung. Diese wird durch die Art des Motors, Saugrohr und vorhandene Filter beeinflusst. Viele Händler bieten mittlerweile "Versuchsparcours" an, auf denen man die Staubsaugermodelle testen kann.

Staubsauger, die bis Ende des Monats in den Handel kommen, werden das Label vorerst nicht bekommen und dürfen auch ohne dieses verkauft werden.

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Für Filter-Kaffeemaschinen mit einer Isolierkanne soll der EU zufolge eine Wartezeit von fünf Minuten gelten. Bei Maschinen ohne Isolierbehälter ist eine Wartezeit von maximal 40 Minuten geplant. Die Hersteller können der Kommission zufolge aber entscheiden, ob sie es den Verbrauchern ermöglichen, die automatische Abschaltung der Warmhaltefunktion wieder abzustellen. „Die Einschränkungen für den Verbraucher sind sehr, sehr gering. Kaffee, der 40 Minuten in der Glaskanne steht, schmeckt ohnehin nicht mehr“, sagte Scholz. Vorteile für die Verbraucher seien Einsparungen beim Stromverbrauch und damit bei den Kosten.

Der Bund der Energieverbraucher schätzt die Einsparungen auf etwa 60 Euro im Jahr, wenn täglich drei Kannen Kaffee gekocht und diese insgesamt acht Stunden warmgehalten werden. „Existierende Modelle, die automatisch abschalten, kosten kaum so viel wie der Warmhaltestrom eines Jahres“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Aribert Peters der dpa. „Wir bekommen die Energiewende nicht hin, ohne Strom zu sparen.“

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Kaffeemaschinen sind nur ein Beispiel für den unnötigen Stromverbrauch im Haushalt. Eine Umfrage von TNS Emnid für den Strom- und Gasanbieter E wie einfach hat ergeben, dass 30 Prozent der Bürger nicht wissen, wie viel Strom sie im Alltag tatsächlich verbrauchen. Vor allem ganz junge sowie ältere Menschen kennen ihren Verbrauch nicht. Um Strom zu sparen, geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Akkuladegeräte vom Netz trennen, den Gefrierschrank abtauen (72 Prozent), und auf Energiesparlampen umgestiegen sind (71 Prozent). Doch sind das wirklich die größten Stromfresser im Haushalt? Wer geben zehn Tipps, wo und wie Sie in Zukunft Strom im Haushalt sparen können.

Foto: dapd

Eco-Programme beim Spülen benutzen

Mit 5,1 Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch landet das Geschirrspülen auf Platz 10 der größten Stromfresser im Haushalt. Laut einer Studie der Universität Bonn ist das Spülen in der Maschine übrigens trotzdem günstiger als Handspülen: Im Geschirrspüler werden sowohl weniger Wasser als auch weniger Energie verbraucht. Voraussetzung ist natürlich, dass die Maschine nur voll beladen eingeschaltet wird und dass das Geschirr nicht zusätzlich von Hand vorgespült wird. Auch sogenannte Spar-, Eco- oder Umwelt-Programme sparen Energie. Bei geringerer Temperatur wird das Geschirr dank längerer Spülzeiten genauso sauber wie in "Normal"-Programmen.

Datengrundlage des Rankings: Energieagentur NRW: "Wo im Haushalt bleibt der Strom?"; in der Studie wurde 2011 unter anderem der Stromverbrauch von Ein- bis Sechs-Personen-Haushalten untersucht. Bei allen Punkten gilt: Es handelt sich um Durchschnittswerte. Je nach eingesetzter Technologie, Handhabung, Haushaltsgröße und -zusammensetzung kann der Stromverbrauch im individuellen Zuhause erheblich abweichen.

Tipps zum Energiesparen: Eigene Recherche und Umweltbundesamt-Broschüre "Energiesparen im Haushalt", die als PDF heruntergeladen werden kann.

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Moderne Umwälzpumpen lohnen sich

Die elektrisch betriebene Umwälzpumpe der Heizungsanlage landet mit durchschnittlich 6,0 Prozent Anteil am Stromverbrauch auf Platz neun. Sie transportiert das erwärmte Wasser zu den Heizkörpern in der Wohnung. Laut Stiftung Warentest lohnt sich der Ersatz einer alten Pumpe durch eine moderne, energieeffiziente Pumpe schnell; demnach lassen sich so 100 bis 130 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen.

Von den Stromkosten abgesehen (ein Sonderfall sind alte Nachtstromspeicheröfen) macht das Heizen mit 70 Prozent am Gesamtenergieverbrauch des HAushalts den größten Anteil aus. Ohne große Investitionen in eine neue Heizungsanlage kann man auch hier mit einigen Tricks viel Energie sparen. Ihre Heizung sollten Sie im Idealfall nicht durch Möbel zustellen. Achten Sie beim Lüften darauf, die Heizung immer aus zu machen. Die Raumtemperatur sollte zudem auf maximal 20 Grad Celsius eingestellt sein - jedes Grad weniger spart Energie. Moderne Thermostatventile können die Raumtemperatur auch konstant auf dem gewünschten Wert halten, wenn mal die Sonne durchs Fenster scheint. So wird ein überheizen der Räume und Verlust teurer Heizenergie durch zusätzliches Lüften vermieden. Laut Umweltbundesamt können so vier bis acht Prozent Heizenergie gespart werden.

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Trocknen: Nichts ist preiswerter als Sonne und Wind

Beim Trocknen der Wäsche wird das Wasser aus dem Waschvorgang wieder entfernt - das können Sonne und Wind kostenfrei für Sie erledigen, oder eben der elektrische Wäschetrockner. Das Gerät ist allerdings ein wahrer Stromfresser: 6,6 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Durchschnitt auf das Trocknen, das so auf Rang acht landet. Soll ein Trockner zum Einsatz kommen, ist ein Gerät mit Wärmepumpentechnologie besonders Umwelt- und Geldbeutelschonend im Einsatz, die Anschaffungskosten sind allerdings recht hoch. Es gibt auch Trockner, die mit Gas betrieben werden.
Beim maschinellen Trocknen gilt: Das Gerät sollte nur gut befüllt zum Einsatz kommen und die Wäsche sollte so gut wie möglich vorgetrocknet, also zuvor in der Waschmaschine oder Wäscheschleuder mit möglichst hoher Schleuderdrehzahl entwässert worden sein. Als Kompromiss kann man auch die Wäsche im Trockner leicht vortrocknen und dann auf der Leine zu Ende trocknen lassen.
Auch ein kleiner Ventilator, der vor dem Wäscheständer aufgestellt wird, leistet gute Dienste: Er verbraucht wesentlich weniger Strom, macht die Wäsche aber ebenfalls weich und beschleunigt den Abtransport der Feuchtigkeit durch die permanente Bewegung der vorbeistreichenden Luft.
Beim Trocknen der Wäsche im Raum gilt: Der Raum muss unbeheizt und gut gelüftet sein - sonst droht Schimmelbefall. Wäsche im beheizten Wohnraum zu trocknen, ist nicht sinnvoll, denn durch das zusätzliche Stoßlüften um die Feuchtigkeit abzutransportieren geht viel wertvolle Heizenergie verloren.

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Alte Haushaltsgeräte durch neue ersetzen

Diverse elektrische Hausgeräte, darunter zum Beispiel Staubsauger, machen im Durchschnitt 7,7 Prozent des Haushalt-Stromverbrauchs aus und landen sie auf Platz sieben der größten Stromfresser. Bei Staubsaugern gilt: Eine hohe Leistungsaufnahme entspricht nicht einer hohen Saugleistung. Bei der Wahl sollte man also nicht den Sauger mit der höchsten Watt-Zahl auf dem Typenschild wählen, sondern sich über Testergebnisse der tatsächlichen Saugleistung schlau machen. Ab 2014 kommen auch Energieeffizienzklassen-Kennzeichnungen für Staubsauger.
Bei diversen Elektro-Kleingeräten, wie elektrischen Dosenöffnern oder Messern, kann man den Einsatz durchaus hinterfragen. In anderen Fällen kann ihr Einsatz aber auch Energie einsparen, denn ein Brötchen lässt sich auf dem Toaster stromsparender aufbacken als im Backofen, ein Liter Wasser für Tee oder zum Nudeln kochen ist im Wasserkocher schneller und effizienter aufbereitet, als auf dem Elektroherd.

In der Regel gilt die Devise: Setzen Sie die Verschwender vor die Tür. Gerade bei Haushaltsgeräten macht es sich in Sachen Strombilanz bezahlt, alte Geräte gegen neue Technologien einzutauschen.

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Keine überdimensionierten Kochplatten verwenden

Mit durchschnittlich 9,0 Prozent des Stromverbrauchs schlägt das Kochen zu Buche und landet so auf Rang sechs. Je nach eingesetzter Technologie kann der Anteil natürlich auch hier erheblich schwanken, so verbrauchen Omas gute alte Massekochplatten erheblich mehr Strom, als ein modernes Cerankochfeld oder gar ein Induktionskochfeld. Übrigens: Der Topf sollte, im Gegensatz zur Abbildung, immer möglichst genau auf die Herdplatte passen, um Energieverschwendung zu vermeiden. Und ohne Deckel auf dem Topf verbraucht man gleich das Dreifache an Energie. Damit man den Deckel während des Kochvorgangs nicht häufig abheben muss, um den Kochvorgang zu beurteilen, ist ein Glasdeckel praktisch. Kleine Mengen Wasser können Sie auch mit Hilfe eines Wasserkochers erhitzen. Das geht schneller und verbraucht deshalb auch weniger Strom. Mit ein wenig Übung kann die Energiezufuhr auch schon vor dem Ende der Garzeit erheblich reduziert oder ganz abgeschaltet werden. Nudeln müssen nicht bis zum Erreichen des Garpunkts in kochendem Wasser schwimmen, Reis kann auch auf der abgeschalteten Herdplatte oder in eine dicke Decke gewickelt ausquellen. Grundsätzlich sollte immer so wenig Wasser wie möglich erhitzt werden. Nutzen Sie einen Schnellkochtopf, wenn Sie Gerichte mit langen Garzeiten zubereiten.

Viele heizen den Backofen vor Benutzung vor. Darauf sollten Sie in Zukunft verzichten. Statt die Einstellung Ober- und Unterhitze lieber die effizientere Umluft-Lösung wählen. Hier kann die Betriebstemperatur im Schnitt 20 bis 30 Grad Celsius niedriger sein. Prüfen Sie auch, ob Sie mehrere Gerichte gleichzeitig in die Röhre schieben können. Und unterschätzen Sie die Restwärme nicht. Stellen Sie den Backofen ungefähr 15 Minuten vor Ende der Garzeit aus, denn allein die Nachwärme genügt für viele Gerichte wie etwa Aufläufe zum fertiggaren.

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Die Glühlampe als Relikt vergangener Zeiten

Ein immer seltener werdender Anblick: Die Glühlampe. Nicht ohne Grund werden sie in der EU per Gesetz verbannt, denn sie wandeln gerade einmal fünf Prozent des eingesetzten Stroms in Licht um - der Rest geht als Wärme verloren. Effizienter sind Energiesparlampen und Licht emittierende Dioden, die sogenannten LEDs. Durchschnittlich 9,7 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Haushalt auf den Posten Beleuchtung (Rang fünf). Hier lautet die Devise: Abschalten, wenn man nicht im Raum ist, und die verschwenderischen Glühlampen durch neue Technologien ersetzen. Diese sind zwar in der Anschaffung teurer, sie halten aber auch wesentlich länger und rechnen sich so durch den geringeren Stromverbrauch. Das Umweltbundesamt hat ausgerechnet, dass 60-Watt-Glühlampen für 8000 Stunden Licht (dies entspricht der durchschnittlichen Haltbarkeit einer Energiesparlampe) Stromkosten in Höhe von 139 Euro verursacht. Zum Vergleich wurde eine 15-Watt-Energiesparlampe herangezogen, die lediglich Stromkosten in Höhe von 34 Euro verursacht. So lassen sich also mit dem Austausch nur einer Lampe über die Lebensdauer gesehen 91 Euro sparen.
Wer noch alte Glühlampen zu Hause herumliegen hat, muss sie nicht wegwerfen - sie können etwa in Abstellkammern oder Kellerräumen eingesetzt werden, wo das Licht nur unregelmäßig und kurz eingeschaltet wird.

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Stromfresser Kühlschrank

Mit 10,4 Prozent Anteil am Stromverbrauch ist der Kühlschrank der viertgrößte Stromfresser im Haushalt. Lebensmittel müssen gekühlt werden, um ihre Haltbarkeit zu verlängern. Die niedrigen Temperaturen bremsen das Wachstum von Bakterien und Pilzen, die Schuld am Verderb sind. Je niedriger die Temperatur eingestellt wird, desto höher wird aber auch der Stromverbrauch. Experten empfehlen eine Temperatur von sieben Grad Celsius im Kühlschrank und -18 Grad Celsius im Gefrierschrank.
Beim Befüllen des Kühlschranks sollte darauf geachtet werden, niemals heiße Speisen einzustellen - das jagt den Stromverbrauch in die Höhe. Lässt man Tiefgefrorenes im Kühlschrank auftauen, senkt das hingegen den Verbrauch. Die Tür sollte natürlich gut schließen (tauschen Sie beschädigte Türdichtungen sofort aus) und so selten und kurz wie möglich geöffnet werden, damit möglichst wenig warme Luft eindringt, die dann energieintensiv heruntergekühlt werden muss. Da hilft es, die Lebensmittel übersichtlich anzuordnen um langem Suchen vorzubeugen.
Der Kühlschrank sollte so kühl wie möglich positioniert werden. Man sollte also darauf achten, den Kühlschrank nicht unnötig Wärmequellen auszusetzen, ihn also wenn möglich nicht neben dem Herd oder der Heizung aufstellen und zudem vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. Schon ein Grad weniger Raumtemperatur hat einen Einfluss von sechs Prozent auf den Stromverbrauch eines Kühlschranks. Bei Gefriergeräten sind es drei Prozent.

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Elektrische Warmwasserbereitung ist teuer

Die elektrische Warmwasserbereitung ist sehr energieintensiv. Da in vielen Haushalten das Wasser durch Gas, Solarenergie oder andere Technologien erwärmt wird, fällt der Posten im Durchschnitt mit 11,9 Prozent "nur" auf Platz drei. Betrachtet man jedoch ausschließlich Haushalte, die ihr Warmwasser elektrisch bereiten, so macht bei ihnen der Anteil am Stromverbrauch mit 27,7 Prozent den weitaus größten Anteil aus. Deutlich effizienter als elektrische Warmwasserspeicher sind elektronisch geregelte Durchlauferhitzer. Der Vorteil: Das Wasser wird nicht ständig warm gehalten. Mit kleinen Durchlauferhitzern können Sie bis zu 60 Prozent Strom sparen. Untertisch-Warmwasserspeicher verursachen erhebliche Leerlaufverluste, wenn sie rund um die Uhr eingeschaltet sind - eine Zeitschaltuhr kann hier Abhilfe bieten. Laut Berechnungen des Umweltbundesamts lassen sich so je nach Fassungsvermögen rund 38 Euro pro Jahr sparen.

Generell gilt logischerweise: Lieber Duschen als Baden und das Wasser nie länger als nötig laufen lassen. Zudem helfen bestimmte Duschköpfe und Strahlregler dabei, den Wasserverbrauch zu halbieren - und wenn weniger Wasser erhitzt werden muss, sinkt damit auch der Energieverbrauch.

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Hintergrundbeleuchtung des Fernsehers anpassen

Mit ebenfalls 11,9 Prozent Anteil steht der Bereich TV und Audio auf Rang zwei. Der Fernseher verbraucht umso mehr Strom, je heller die Hintergrundbeleuchtung eingestellt ist. Geräte mit LED-Hintergrundbeleuchtung sparen laut Umweltbundesamt gegenüber Plasma-Fernsehern etwa die Hälfte des Stroms. Natürlich gilt auch, je größer der Fernseher, desto höher auch der Stromverbrauch. Überdenken Sie also Ihre Einstellung und passen diese an den Bedarf an.
Besonders leicht lassen sich Standby-Verbräuche vermeiden, indem Fernseher, Stereoanlage, Lautsprecherboxen und Co. einfach vom Netz genommen werden, wenn man sie nicht benötigt. Um nicht jedes Mal den Stecker herausziehen zu müssen, kann man abschaltbare Steckdosenleisten einsetzen. Wer nicht auf den Komfort einer Fernbedienung verzichten mag oder kann, der kann sogenannte Vorschaltgeräte einsetzen. Diese unterbrechen unnötige Energieflüsse, indem sie nach dem Ausschalten des Fernsehers per Fernbedienung das Gerät automatisch vom Stromnetz trennen.
Ob bei Ihnen Leerlaufverluste auftreten, können Sie zum Beispiel überprüfen, indem Sie mal an das Netzteil fassen - bleibt es nach Ausschalten des Gerätes warm, fließt Strom. Auch ein Energiemessgerät kann helfen, Verschwender ausfindig zu machen.

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Gönnen Sie sich und Ihrem Rechner eine Pause

An der Spitze der Stromfresser im Haushalt steht der Heimbüro-Bereich mit 12,9 Prozent Anteil am Stromverbrauch. PC, Drucker, Faxgerät, WLAN-Router und alle damit verbundenen Signallämpchen und Netzteile verbrauchen jede Menge Strom und müssen nicht permanent eingeschaltet sein. Auch hier schaffen abschaltbare Steckerleisten Abhilfe. Und ein Laptop verbraucht übrigens bis zu 70 Prozent weniger Energie als ein Desktop-PC. Sie sparen viel Geld durch Energiesparfunktionen, auch Power-Management genannt. In der Systemsteuerung Ihres Betriebssystems können Sie die Einstellungen vornehmen. Einzelne Systemkomponenten werden automatisch abgeschaltet, wenn diese nicht verwendet werden. Bei kleinen Pausen können Sie den Rechner auch manuell in den Sleep-Modus versetzen - eine Alternative zum kompletten Ausschalten, bei der der Rechner schnell wieder hochfährt und einsatzbereit ist.

Multifunktionsgeräte eignen sich gut, um verschiedene Einzelfunktionen wie Faxgerät, Drucker, Kopierer und Scanner in einem Gerät zu vereinen und Strom zu sparen. Behalten Sie beim Kauf eines neuen Computers auch im Hinterkopf, dass sich die technische Ausstattung des Geräts ebenfalls auf den Stromverbrauch auswirkt. Bestimmte IT-Geräte erfüllen bestimmte Standards an den Energieverbrauch. Diese sind in der Regel mit dem Energy Star ausgezeichnet. Doch Achtung: Selbst bei Geräten, die mit dem Energy Star ausgewiesen sind, gibt es noch erhebliche Unterschiede.

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Wäschetrockner und Waschmaschinen sind echte Stromfresser. Wer heutzutage ein Geräte kaufen möchte, sollte darauf achten, dass der Verbrauch sich in Grenzen hält, raten Verbraucherschützer. Immerhin ist der Strompreis in den vergangenen Jahren beachtlich gestiegen. 28 Cent kostete im vergangenen Jahr eine Kilowattstunde im Schnitt. Eine vollbeladene Siemens-Maschine (WM 14 A 163) verbraucht 0,90 Kilowattstunden pro 60-Grad-Waschgang. Wer also drei Mal in der Woche wäscht, kommt bei diesem Gerät auf einen Jahresverbrauch von knapp über 140 Kilowattstunden. Kostenpunkt: 40 Euro im Jahr nur für den Strom der Waschmaschine.

Bei derartigen Preisen lohnt es sich, beim Kauf genau darauf zu achten, wie viel Energie das gewünschte Gerät verbraucht. Die so genannten Energieeffizienzlabel sollen dem Verbraucher hier helfen. „Die Label sind eine echte Bereicherung für den Verbraucher“, sagt Annegret-Claudine Agricola von der Deutschen Energieagentur (Dena). „Schließlich schaffen sie klare Transparenz, wie viel Energie relevante Produkte wirklich verbrauchen.“ Außerdem sei das Label auch für die Hersteller von Vorteil. „Es wird sehr stark im Marketing eingesetzt. Dadurch entsteht ein hoher Anreiz die Geräte auch auf hohe Energieeffizienz zu designen“, sagt Agricola.

Wer schon einmal durch die langen Gänge eines Elektrofachhandels gegangen ist, kennt die Balkendiagramme in rot, gelb und grün , die anzeigen, ob die Effizienz eines Gerätes die Note A, B, C oder D verdient hat. Und tatsächlich finden sich kaum noch Geräte mit dem Label B, C oder D in den Geschäften. Stattdessen leuchtet einem fast immer die positive Bewertung „A“ entgegen. So auch bei der oben genannten Siemens-Maschine. Doch obwohl das „A“ positiv klingt, ist es nur die viertbeste Kategorie. Denn die Bewertungstabelle geht von A+++ bis D.

Bei dieser Spanne gibt es eigentlich keine B- und D-Bewertungen mehr am Markt. „Sogar unsere 15-Kilogramm fassende Waschmaschine, die für Privat-Haushalte keine große Rolle spielt, verfügt bei uns über die Energieeffizienzklasse A++“, sagt LG-Managerin Sylke Wendt. „Es gibt bei LG keine Geräte mehr, die schlechter als A bewertet werden.“ Und tatsächlich: Die Waschmaschinen der Koreaner verfügen alle über ein A+++, Kühlgeräte haben in der Regel mindestens die Note A++, abgesehen von den großen amerikanischen Modelle, die mit A+ bewertet werden.

Also alles A und besser. „Für Verbraucher, die gelernt haben, dass A das beste Label ist, wird es langsam schwierig“, sagt Elke Dünnhoff von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Sie leitet seit April 2012 das Projekt „Irreführende Werbung im Bereich der Energieverbrauchskennzeichnung“. „Das Label ist mittlerweile oft keine selbsterklärende Hilfe mehr“, so Dünnhoff.

Noch immer sind alte Energieeffizienzlabel mit der Kategorie A bis G im Handel erhältlich.

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Das Vergleichsportal Check 24 zählt aktuell 718 Stromanbieter, die ihre Preise im Januar oder Februar des neuen Jahres erhöhen. Für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 5.000 kWh wird der Strom im Durchschnitt 12,07 Prozent teurer. In den Top-Ten der Grundversorger, die ihre Preise am stärksten erhöhen, befinden sich auf dem zehnten Platz die Stadtwerke Zeil a. Main. Die Kunden müssen hier 17,97 Prozent mehr für ihren Strom bezahlen. Das entspricht bei einem Verbrauch von 5.000 kWh pro Jahr rund 226 Euro mehr als zuvor.

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Auf dem neunten Platz liegen die Licht-, Kraft- und Wasserwerke Kitzingen GmbH mit einer Differenz von 18,09 Prozent zum alten Preis. Damit verlangt der Versorger 232 Euro mehr für seinen Strom.

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Die städtischen Werke Borna GmbH befinden sich auf dem achten Platz der Strompreiserhöhungen im neuen Jahr. 18,35 Prozent müssen die Verbraucher mehr bezahlen - das sind 260 Euro mehr als im Vorjahr.

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Auch in Fürth wird es für Stromkunden teurer: Die infra fürth GmbH verlangt 18,92 Prozent mehr - was 257,50 Euro entspricht. So liegt der Versorger auf Platz sieben.

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Auf dem sechsten Platz befindet sich die EMB Energieversorgung Miltenberg-Bürgstadt GmbH & Co. KG mit einer Preiserhöhung von 19,05 Prozent. Hier müssen Verbraucher 236 Euro auf den alten Preis draufzahlen.

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Den fünften Platz erreichen die Stadtwerke Borken/Westf. GmbH. Der Grundversorger hat seine Preise um 19,12 Prozent erhöht, was für den Verbraucher bedeutet, dass er 232 Euro mehr zahlen muss als zuvor.

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Mit einer Erhöhung um 19,13 Prozent liegen die Stadtwerke Straubing Strom und Gas GmbH auf Platz vier. Hier muss der Verbraucher bei einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh 230,50 Euro zusätzlich zahlen.

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Nun die Top drei der Versorger mit den höchsten Preissteigerungen. Die Elektrizitätsvereinigung Böbing in Bayern verlangt rund 19,26 Prozent mehr Geld, womit sie auf dem dritten Platz liegt. Die Verbraucher müssen demnach 250 Euro auf den alten Preis draufzahlen.

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Den zweiten Platz belegen die Gemeindewerke Bayerisch Gmain mit einer Erhöhung von 19,39 Prozent. Das ist eine Differenz von 242,80 Euro zum alten Preis.

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Auf dem ersten Platz der Strompreiserhöhungen liegt der Grundversorger Stadtwerke Plattling. Hier müssen die Verbraucher für ihren Strom 20,42 Prozent mehr zahlen, was bei einem jährlichen Verbrauch von 5.000 kWh 233 Euro entspricht.

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Es gibt jedoch auch Versorger, bei denen die Preiserhöhungen vergleichsweise gering ausfallen. Hier die zehn Grundversorger, die ihre Preise am geringsten angehoben haben. Den zehnten Platz nehmen die Stadtwerke Düren GmbH ein. Die Dürener müssen nur 6,86 Prozent mehr zahlen, was 90,66 Euro entspricht.

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Noch geringer fällt die Preiserhöhung der Stadtwerke Heiligenstadt aus. Damit erreicht der Grundversorger mit einem Preisanstieg von 6,54 Prozent Platz neun der geringsten Strompreiserhöhungen - was einem Anstieg von 89,50 Euro entspricht.

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Den achten Platz belegt das E-Werk Stengle GmbH & Co. KG. Seine Kunden zahlen nur 6,21 Prozent mehr als zuvor. Damit verlangt der Grundversorger zusätzliche 78,50 Euro.

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Den siebten Platz belegen die Stadtwerke Eisenberg GmbH mit einer Preiserhöhung von 5,76 Prozent. Das macht eine Differenz von 78,00 Euro aus.

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Die Stadtwerke Neustadt a. Rbge. GmbH & Co. KG heben ihre Preise um 5,57 Prozent an, womit sie Platz sechs der geringsten Strompreiserhöhungen erreichen. 74 Euro müssen Kunden hier mehr zahlen.

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Der fünfte Platz geht an die Elektra Genossenschaft Pinzberg e.G., die 4,69 Prozent mehr für den Strom verlangt. In Euro ist das eine Erhöhung von 62 Euro.

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Auf dem vierten Platz befinden sich die Stadtwerke Rostock AG mit einem Preisanstieg von 4,12 Prozent. Der Grundversorger verlangt also 56,00 Euro mehr Geld.

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Auf Platz drei der Versorger mit der geringsten Preiserhöhung liegen die Vereinigten Wertach-Elektrizitätswerke GmbH. Sie verlangen nur 3,28 Prozent mehr Geld und damit 46,28 Euro zusätzlich.

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Den zweiten Platz belegen die bayerischen Stadtwerke Treuchtlingen. Sie verlangen 3,12 Prozent mehr als vorher. Damit müssen Verbraucher nur 41,98 Euro zusätzlich zahlen.

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Auf dem ersten Platz der geringsten Strompreiserhöhungen liegen die SWN Stadtwerke Neustadt an der Orla GmbH. Sie fordern lediglich 2,55 Prozent mehr für den Strom - bei einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh sind das für die Verbraucher nur 38 Euro zusätzlich.

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Die Europäische Union hat das Energieeffizienzlabel bereits 1998 für Waschmaschinen eingeführt und nach und nach auf Trockner, Kühlschränke, Geschirrspüler und Co. ausgeweitet. Anfangs ging das Spektrum der Tabelle von A bis G. Weil sich die Waren in der Konsequenz aber immer weiter verbessert haben, war mehr Spielraum gefragt. So hat die Kommission Ende November 2011 die Skala um die Klassen A+++, A++ und A+ erweitert. Da das grün-gelb-rote Balkendiagramm nur sieben Klassen vorsieht, wurden die Kategorien G, E und F einfach weggelassen.  

Zur Verwirrung der Verbraucher dürfen die Händler jedoch alle Geräte, die vor dem 30. November 2011 schon im Großhandel waren, immer noch unter dem alten Label verkaufen. Dadurch gibt es zum Beispiel immer noch Spülmaschinen im Handel, die eine Effizienzklassentabelle von A bis G, statt von A+++ bis D aufweisen.

„Vor allem in Küchenstudios und Möbelhäusern haben wir bei unserer Marktüberwachung noch jede Menge alte Küchengeräte mit dem alten Label entdeckt“, sagt Elke Dünnhoff. Die Ergebnisse vom Dezember 2012 haben ergeben, dass der Anteil immerhin noch bei durchschnittlich 29 Prozent liegt. Grund dafür ist die große Marge, die die Küchenverkäufer aus dem Verkauf der Elektronik ziehen.

Noch absurder wird das System beim Blick auf TV-Geräte. Seit 2011 müssen diese aufgrund der energiefressenden Großbildschirme ebenfalls das Label tragen. Weil die EU die Anforderungen an die Geräte jedoch sehr hoch ansetzte, bekamen diese keine Skalierung von A+++ bis D, sondern wie gehabt von A bis G. Allerdings legten sich die Hersteller ins Zeug und konnten bald Geräte mit A+ und A++-Werten auf den Markt bringen. Für die Mühe wurde ihnen von der EU eine Sonderregelung gestattet, nach der sie ihre Label selbst gestalten können – zum Beispiel von A++ bis E.

Worauf Verbraucher achten sollten

„Eigentlich müssten die Übergangsfristen auf sechs bis zwölf Monate begrenzt werden", sagt Elke Dünnhoff. Um durch dieses Chaos noch durchblicken zu können, hat die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz für alle Produkte am Markt Informationsblätter erstellt:

„Allgemein empfehlen wir den Verbrauchern, nicht nur auf die Effizienzklasse, sondern auch auf den absoluten Stromverbrauch der Geräte zu achten, der ebenfalls auf dem Label steht“, sagt Dünnhoff. Denn die Hersteller bedienen sich eines Tricks: Sie bringen größere Geräte auf den Markt. „Wenn die Hersteller zum Beispiel Waschmaschinen so gestalten, dass sie mehr Kilo fassen, können sie über die Menge eine gute Effizienzklasse erreichen“, erklärt Dünnhoff. Dahinter liegt ein kompliziertes Berechnungsschema, das sich vereinfacht auf die Frage herunterbrechen lässt: Wie viel Energieaufwand brauche ich pro Kilogramm?

Garrelt Duin

"Den Stromkonzernen steht das Wasser bis zum Hals"

von Konrad Fischer und Bert Losse

Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz.

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Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von Windparks

Der Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden.

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China – bessere Nutzung von Abwärme

Abwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie.

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Shanghai – bessere Transformatoren

Jetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren.

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Schweden – mehr Wärmepumpen

Eine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen.

Foto: "Tourismusverband Westschweden

Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gms

USA – Stromnachfrage besser steuern

Die Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken.

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Los Angeles – LED-Straßenbeleuchtung

International hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden.

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Österreich – mehr öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), mehr Elektrobusse

Im Jahr 2009 lag der ÖPNV-Anteil in Berlin bei 29 Prozent, in München bei 26 Prozent. In Wien dagegen liegt der Anteil bei 35 Prozent. Würde man den ÖPNV-Anteil in Berlin, Hamburg, München und Köln analog zu Wien auf 35 Prozent steigern, würde parallel dazu der Pkw-Verkehr zurückgehen. Da der öffentliche Nahverkehr geringere CO2-Emissionen erzeugt als Pkw, würde dies zu einem Rückgang der CO2-Emissionen führen.

Wien pilotiert aktuell außerdem den Einsatz von Elektrobussen. In Deutschland werden die Busflotten momentan nahezu komplett mit Diesel betrieben. Bei einer Erneuerungsrate von 8 Prozent pro Jahr würden bis 2020 mehr als 2.000 Elektrobusse auf deutschen Straßen fahren. Nach dem für 2020 erwarteten Strommix aus grünen und konventionellen Kraftwerken, würde dies zu weniger CO2-Emissionen führen, denn dann würden E-Busse deutlich sauberer fahren als Dieselbusse.

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China – Fahrerassistenzsysteme in U-Bahnen

In Deutschland gibt es in vier Städten U-Bahnen, insgesamt sind 1.500 Züge im Einsatz. Sie verbrauchen 0,7 TWh Strom. Fahrerassistenzsysteme können den Verbrauch senken. Sie optimieren den Energieverbrauch von U-Bahn-Zügen durch Steuerung der Türen, der Stopps sowie der Fahrten zwischen den U-Bahnhöfen. In China werden alle neuen U-Bahnen mit Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. Gegenüber einer konventionellen U-Bahn-Steuerung verbrauchen die U-Bahnen so 15 % weniger Strom.

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Mexiko – Abwrackprämie für Haushaltsgeräte

Ein neuer Kühlschrank der aktuell höchsten Effizienzklasse verbraucht 150 kWh pro Jahr und damit circa 30 % weniger als ein durchschnittlicher, zehn Jahre alter Kühlschrank. Mexiko hat 2009 ein Anreizsystem für den Austausch von "Weißer Ware" aufgelegt . Ziel war es, Kühlschränke, die älter als zehn Jahre waren, durch neue Geräte zu ersetzen. Bedingung war, dass die Neugeräte den mexikanischen Effizienzstandard um mindestens 5 % überbieten mussten. Das Anreizsystem bot Barauszahlungen und Subventionen von Finanzierungslösungen sowie zusätzliche Leistungen für den Abtransport und das Recycling der Altgeräte. Im Rahmen des Programms haben seit 2009 1,5 Millionen Haushalte ihre alten Kühlschränke ersetzt. Dadurch konnte die durchschnittliche Stromnachfrage pro Haushalt um 7 % reduziert werden.

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Spanien – höhere Energieeffizienz

Elektrische Antriebe verbrauchten in der deutschen Industrie im Jahr 2010 etwa 85 TWh Strom. Die Energieeffizienz der derzeit eingesetzten Antriebssysteme könnte verbessert werden. Madrid setzt etwa für die Wasserversorgung drehzahlvariable Pumpen ein, nach zwei Jahren amortisierten sich die Kosten. Im Jahr 2020 könnte der industrielle Stromverbrauch in Deutschland um circa 6 TWh reduziert werden, wenn alle Antriebe ausgetauscht würden, deren Anschaffung sich nach maximal drei Jahren rechnet.

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In Deutschland wird das Potenzial neuer Antriebe in Industrieanlagen noch nicht ausgeschöpft, so die Studie. Das Umrüsten im laufenden Betrieb sei zum Teil schwierig, in manchen Betrieben gebe es nur wenig Transparenz bezüglich realisierbarer Einsparungen und bei längeren Amortisationszeiten fehlt häufig die Bereitschaft der Entscheider, Kapital zu binden. Hier könnten Ansätze wie das Energiespar-Contracting helfen: Die Investitionen werden von einem Dienstleister finanziert und über die erfolgten Einsparungen beglichen, die zwischen Dienstleister und Besitzer aufgeteilt werden. Ähnliche Ansätze sind auch bei energetischen Gebäudesanierungen möglich und erleichtern dort die Überwindung der Investitionsschwelle.

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Das hat konkrete Folgen auf die Produktpalette der Hersteller. Vor etwa zehn Jahren hatten Waschmaschinen und Wäschetrockner in der Regel noch ein Fassungsvolumen von fünf Kilogramm Wäsche. Heute liegt es bei sieben Kilogramm. Für einen Ein- bis Zwei-Personen-Haushalt ist das deutlich zu groß. In der Konsequenz laufen in einem Großteil der deutschen Haushalte ständig halbleere Waschgänge, immerhin sind 40 Prozent der deutschen Haushalte sind Ein-Personenhaushalte. Und wer die Volumenkapazität der Waschmaschine nicht ausnutzt, kann den angegebenen Effizienzwert auch nicht erreichen. Der geht nämlich von einer Vollauslastung aus.

Die automatische Beladungserkennung der Geräte führt bei halber Beladung im Schnitt nur zu 20 Prozent Stromeinsparung. „Daher fordern wir, dass die Berechnungsformel so angepasst wird, dass die Hersteller keinen Anreiz bekommen, größere Maschinen zu entwickeln“, sagt Dünnhoff.

So lange es diese Begrenzung nicht gibt, ist es bei jedem Gerätekauf aufs Neue wichtig zu wissen, wie das eigene Nutzerverhalten eigentlich ist. Wie viel Wäsche wasche ich im Monat, wie lange läuft der Fernseher und wie viel Platz brauche ich im Kühlschrank? Und beim Neukauf: Wie viel verbraucht eigentlich mein altes Gerät und wie viel könnte ich mit dem neuen sparen? Der Verbraucher braucht also viele Informationen, um eine Kaufentscheidung treffen zu können.

Die EU soll es richten

Das hat mittlerweile auch die EU erkannt. Die Kommission stellt die gesetzlichen Grundlagen für die Energieeffizienzlabel. Aktuell werden die gesetzlichen Grundlagen für das Energielabel (wie die Ökodesign-Richtlinie und die Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung) im Rahmen einer Evaluation auf den Prüfstand gestellt. „Da immer mehr Geräte die Top-Klassen belegen, macht das Sinn“, sagt Elke Dünnhoff. Bei den Waschmaschinen belegen inzwischen 65 Prozent der Haushaltshilfen A +++. „Damit Hersteller auch langfristig effizientere Produkte entwickeln, müssen also wieder neue Anreize geschaffen werden.“

Gleichzeitig hat die Ökodesignrichtlinie schlechte Produkte (je nach Warengruppe unterschiedlich) aus dem Verkehr gezogen. Sie dürfen also gar nicht mehr neu in den Handel kommen. Damit werden Kunden fast nur noch A-Waren im Einzelhandel präsentiert. Die unteren Klassen bleiben leer. „Da muss man sich dann fragen, welchen Informationswert das Label überhaupt noch hat“, sagt Dünnhoff. Studien der Verbraucherzentrale haben zudem gezeigt, dass die Käufer den Unterschied zwischen A+ und A+++ kaum noch wahrnehmen. Dabei kann er ebenso beträchtlich sein, wie zwischen den Kategorien A und C.

In der Diskussion um neue Labels setzen sich vor allem die Umweltverbände, aber auch die Verbraucherzentrale, für eine dynamische Skala ein, wie es auch in Japan praktiziert wird. Dabei bekommen immer die besten Geräte am Markt die Note „A“ und die anderen werden daran gemessen.

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Die Hersteller wehren sich gegen diese Idee. „Das Modell aus Japan mag am dortigen markt seine Berechtigung haben, aus unserer Sicht hat das europäische Modell jedoch deutliche Vorteile“, sagt Home-Entertainment-Manager Alexander Krüger bei LG. „Denn nur wenn Verbraucher alle notwendigen Rahmenparameter des Geräteverbrauchs aller am Markt befindlichen Anbieter schnell und unkompliziert identifizieren können, können sie auch for sich entscheiden, welches Gerät das passende für das eigene Verbraucherverhalten ist.“ Und das stelle das EU-Label sicher.

Der Vorteil der dynamischen Skala wäre sicher, dass mit jeder Produktinnovation nicht wieder eine neue Kategorie erfunden werden muss. „Außerdem wäre das für Verbraucher die transparenteste Methode“, sagt Energieexpertin Elke Dünnhoff.

Derzeit scheint die EU eine Variante zu befürworten, die das Balkenmodell beibehält. Statt der Bewertungen könnte dann jedoch eher die Zahl für den Energieverbrauch nach Kilowattstunden in das Diagramm eingetragen werden. Allerdings scheint diese Variante nicht zwingend mehr Transparenz zu schaffen. Denn kaum jemand kennt seinen Stromverbrauch und die damit verbundenen Kosten genau. Laut einer Dena-Befragung aus dem Jahr 2013 wussten 28 Prozent der Deutschen nicht, wie hoch ihre jährlichen Stromkosten sind. Lediglich 37 Prozent wussten es genau, 35 Prozent gaben an, die Summe „in etwa“ zu kennen.

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