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Angst um die Daten Lidl-Mutter will mit eigener Cloud Amazon Konkurrenz machen

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Ein Gegenmodell zu anonymen Plattformen und Clouds

„Es hat sich gezeigt, dass es mit den bisherigen Kapazitäten nicht funktioniert“, urteilt Burkert. Das heiße zwar nicht, dass die Sicherheitsanforderungen gesunken seien, „aber die Nutzungschancen werden nun höher bewertet“. Und dadurch zeigt sich auch das Dilemma, in dem viele vor allem inhabergeführte große Konzerne und auch kleinere Mittelständler stecken. Sie brauchen Cloud-Lösungen, aber, wie Burkert sagt, „dann am liebsten eine deutsche“.

Die will die Schwarz-Gruppe jetzt liefern. Wenn sie selbst eine Cloud-Lösung gut beherrsche, spreche nichts dagegen, diese auch anderen Unternehmen anzubieten, erläutert Schwarz-Manager Wolf: „Wir haben die Akquise auch schon begonnen. Kunden können sowohl aus dem Handel als auch aus anderen Branchen kommen.“ Gespräche mit anderen Unternehmen würden helfen, damit nichts am Markt vorbeientwickelt werde.

Bei der Entwicklung einer europäischen Cloud-Alternative zu den US-Riesen arbeitet Schwarz auch mit dem Energieversorger EnBW und der Würth AG zusammen. Dem von der Politik forcierten Projekt einer europäischen Cloud „Gaia X“ steht das Unternehmen ebenfalls offen gegenüber.

„Diese Initiativen sind wichtig und richtig, aber sie dauern erfahrungsgemäß lange“, sagt Müller. Deshalb will der Handelskonzern nicht warten, bis auf politischer Ebene Entscheidungen gefallen sind. „Wir müssen aus eigenem Interesse die Entwicklung der Cloud vorantreiben und freuen uns, wenn der Gesetzgeber uns dabei unterstützt“, sagt er. „Diese Entwicklung ist für uns so zentral, dass wir jetzt selbst ganz stark vorangehen.“

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    „Wir haben den Vorteil, dass wir mit Lidl und Kaufland schon ein großes Volumen haben, für das sich die Entwicklung einer Cloud-Infrastruktur lohnt“, sagt Schwarz-Manager Wolf. „Dank der Cloud können wir Entwicklungen sehr rasch und einfach skalieren“, sagt er.

    Verschiedene Anwendungen laufen schon auf der neuen Plattform, darunter die von der SAP übernommene Two-Go-App, über die Konzerne für Mitarbeiter Mitfahrgelegenheiten organisieren können. In der Coronakrise ist das durchaus relevant, weil viele Mitarbeiter öffentliche Verkehrsmittel meiden wollen.

    Als wichtigen weiteren Schritt hat Schwarz jetzt 90 Prozent an der Camao IDC übernommen. Mit solchen strategischen Partnern sichere sich das Unternehmen wichtige Ressourcen für die Zukunft, so Wolf. Camao IDC ist ein Spezialist für Softwareentwicklung und Domain-Management.

    Die größten Digitalisierungshemmnisse in Deutschland

    Die Coronakrise hat auch bei der Schwarz-Gruppe die Digitalisierung beschleunigt. „Wir sehen uns als Dienstleister für die Schwarz-Gruppe, der schnell und flexibel auf alle Anforderungen reagieren kann. Das hat sich jetzt auch in der Coronakrise wieder bewährt“, erklärt IT-Vorstand Müller. So wurde beispielsweise in kürzester Zeit die Zahl der mobilen Arbeitsplätze verzehnfacht, um mehr Mitarbeitern Homeoffice zu ermöglichen.

    Beziehungsstrukturen sind wichtiger als Maschinen

    Die Schwarz-Gruppe baut zurzeit einen neuen Campus in Bad Friedrichshall, an dem die komplette IT der Gruppe zusammengezogen werden soll. Bis 2025 soll dort in einem ersten Schritt Platz für 3500 Mitarbeiter entstehen. Zugleich weitet das Unternehmen seine Rechenzentrenkapazität deutlich aus.

    Und nach Ansicht des LBBW-Chefvolkswirts Burkert finanzieren alle Banken „auch in der Coronakrise die Digitalisierungsprojekte“. Die LBBW vernetze sich derzeit auch enger mit den Unternehmen als in der Vor-Corona-Zeit, jede Woche gebe es Calls und Webinare zur Krise, zur Digitalisierung und auch zu den Förderungen und den internationalen Wirtschaftsaussichten.

    Die Bank kommt damit dem Bedürfnis vor allem der Familienunternehmen nach einem vertrauensvollen Gedankenaustausch nach. Dass gerade in der Krise eine dauerhafte Vernetzung der Unternehmen wichtig ist, bestätigt auch Tom Rüsen, geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen.

    Eine wichtige Kompetenz deutscher Familienunternehmen bestehe darin, alles wiederaufzubauen, das hätten sie in den vergangenen 100 Jahren gezeigt. Dazu habe die deutsche Gesellschafts- und Wirtschaftsstruktur beigetragen. „Die Unternehmer betreiben Wirtschaft auf Beziehungsebene.“ Es gehe um langfristige Beziehungen auf persönlicher Ebene. „Alles ist auf Enkelfähigkeit ausgerichtet. Diese Beziehungsstrukturen überdauern Krisen.“

    Rüsen zieht da eine Parallele zu vielen alten Familienunternehmen in Japan. Diese wüssten, dass Erdbeben und Tsunamis jederzeit ihre Unternehmen bedrohen. „Dort wie hier sind Strukturen wichtiger als Maschinen, das Prinzip des stabilen Netzwerks ist ein großer Vorteil der Familienunternehmen.“

    Und, so fügt er an, „es ist ein Gegenmodell zu anonymen Plattformen und Clouds“. Wenn die Firmen es hierzulande schafften, digitale Innovationen mit dem Netzwerk der Familienunternehmen zu verbinden, können sie gestärkt aus der Krise hervorgehen.

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