Gehalt 2017: Diese Branchen bezahlen am besten
Ihr Alter
Gemäß der Gehaltsbiografie 2016 von Gehalt.de steigen die Gehälter der Deutschen stetig an - bis sie eine gewissen Altersgrenze erreicht haben. Demnach pendeln sich die Bezüge von Fachkräften um die 40 Jahre bei durchschnittlich 45.000 Euro brutto im Jahr ein. Danach steigen die Gehälter nur noch bei Führungskräften - und zwar auf durchschnittlich 105.000 Euro brutto im Jahr.
Trotzdem steigt das Einkommen im Alter, wie eine neue Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Demnach haben die verfügbaren Einkommen der 65- bis 74-jährigen in Westdeutschland seit Mitte der 1980er Jahre um durchschnittlich 52 Prozent zugelegt. Die Einkommen von Menschen unter 45 Jahren stiegen laut der Studie dagegen nur um 21 bis 31 Prozent, wie das Sozio-oekonomische Panel belegt. Dafür werden jährlich Tausende Haushalte in Deutschland befragt. Allein seit der Wende wuchsen die Einkommen der Älteren laut der Studie um 25 Prozent, die der Jüngeren nur um zehn Prozent.
Foto: FotoliaDie Region
Laut dem Gehaltsreport der Online-Jobbörse StepStone spielt der Wohn- beziehungsweise Arbeitsort beim Gehalt eine wichtige Rolle: Zum dritten Mal in Folge rangiert Hessen auf Platz 1 der Bundesländer, in denen Fachkräfte das höchste Bruttogehalt bekommen. 55.509 Euro im Jahr sind Durchschnitt. Auf Platz 2 und 3 folgen Bayern mit 54.590 Euro im Jahr und Baden-Württemberg mit 54.456 Euro brutto. Am wenigsten gibt es mit durchschnittlich 38.309 Euro in Sachsen-Anhalt.
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Ihr Gewicht
Schlanke Frauen und übergewichtige Männer verdienen mehr als andere Geschlechtsgenossen. Das haben die Ökonomen Marco Caliendo von der Uni Potsdam und Markus Gehrsitz von der New York Universität bei einer Auswertung (.pdf) des Sozio-oekonomischen Panels herausgefunden. Anhand der jährlichen Befragung von rund 12.000 deutschen Privathaushalten errechneten sie den Body-Mass-Index (BMI) von Männern und Frauen und verglichen ihn mit dem Einkommen. Und siehe da: Am meisten verdienen Frauen durchschnittlich mit einem BMI von 21,5. Mit zunehmendem BMI sinkt ihr Gehalt. Männer hingegen verdienen am meisten, wenn sich ihr BMI von 23 bis kurz vor der Fettleibigkeit bewegt. Die Autoren schlussfolgern daraus, dass das Gehalt bei Frauen durch ihre Schönheit angetrieben wird und bei Männern durch Gesundheit und Körperkraft. Allerdings ist der Einfluss von Schönheit auf das Einkommen gerade bei Frauen wissenschaftlich umstritten.
Foto: dpaIhre Schönheit
Inwiefern Schönheit das Einkommen beeinflusst, untersuchten US-Forscher anhand einer Auswahl von 737 MBA-Absolventen aus den Jahren von 1973 bis 1982. Dabei verglichen sie die Attraktivität der Gesichter mit den Einstiegsgehältern sowie ihrem späteren Einkommen - und stellten fest: Attraktive Männer erhalten durchschnittlich höhere Einstiegsgehälter als attraktive Frauen. Dafür verdienen schöne Frauen auf ihrem weiteren Karriereweg mehr als andere Frauen. So hat beispielsweise Eva Sierminska vom Luxemburger Institut für Sozialforschung herausgefunden, dass schöne Frauen in Deutschland rund 20 Prozent mehr verdienen als der Durchschnitt.
Foto: dpaIhre Körperpflege
Körperpflege zahlt sich vor allem für Männer aus. Wirtschaftswissenschafter der amerikanischen Elon Universität werteten Daten der American Time Use Survey des US-Amtes für Arbeitsmarktstatistik aus und stellten fest, dass Männer, die mehr Zeit in Körperpflege investieren, auch mehr verdienen. Eine ausgiebige Körperpflege steigert das Gehalt vor allem bei Männern, die einer Minderheit in den USA angehören. Bei Frauen zeigte die Zeit für Körperpflege keinen Effekt auf ihr Gehalt.
Foto: REUTERSIhre Persönlichkeit
Aussehen ist nicht alles: US-Forscher erfassten in einer Umfrage unter 731 Teilnehmern die Persönlichkeit sowie ihren Jobtitel, ihr Gehalt und ihre berufliche Zufriedenheit. Dabei wiesen emotional stabile und gewissenhafte Menschen ein höheres Einkommen und eine höhere Zufriedenheit mit ihrer Arbeit auf. Eine Folgeumfrage zehn Jahre später zeigte außerdem, dass Extraversion das Gehalt über die Jahre stärker steigerte.
Foto: FotoliaIhre Emotionen
Wut sorgt für mehr Geld als Trauer. Dies zeigt eine Studie, über die Simon M. Laham in seinem Buch "The Science of Sin" berichtet. Dabei wurden Probanden Videos von Bewerbungsgesprächen gezeigt, in denen die Bewerber über einem Vorfall in ihrem vorherigen Job erzählen, als sie einen wichtigen Kunden verloren. Mal war der Bewerber wütend, mal traurig. Nach den Videos wurden die Studienteilnehmer befragt, wie viel Gehalt sie den Bewerbern zahlen würden. Das Ergebnis: Wer sich wütend zeigte, bekam ein durchschnittliches Jahresgehalt von 53.700 US-Dollar zugesprochen. Traurige Personen sollten lediglich 41.330 US-Dollar erhalten.
Foto: FotoliaIhre Kindheit
Schon im Kindergarten werden die beruflichen Weichen gestellt. Eine Studie im US-Bundesstaat Tennessee unter 11.571 Kindern und ihren Lehrern zeigte, dass bessere Testergebnisse im Kindergarten im Durchschnitt für ein höheres Gehalt mit 27 sorgen. Auch die Erfahrung der Lehrer wirkt sich aufs spätere Einkommen aus. Wer im Kindergarten erfahrenere Lehrer hatte, durfte sich mit 27 ebenfalls über ein höheres Einkommen freuen.
Foto: dpaIhr Name
Wie sehr das künftige Einkommen vorher bestimmt ist, zeigt eine schwedische Studie zum Einfluss von Namen auf Gehälter. Wissenschaftler der Uni Stockholm fanden heraus, dass afrikanische, asiatische und slawische Einwanderer, die sich einen schwedischen oder neutral klingenden Nachnamen zulegten, im Schnitt 141 Prozent mehr verdienen als Immigranten mit einem ursprünglichen Namen.
Foto: dpaIhr Alkoholkonsum
Wer Alkohol trinkt, verdient zehn bis 14 Prozent mehr als Abstinenzler. Das behauptet zumindest der General Social Survey, eine Langzeitumfrage von US-Haushalten zwischen 1972 und 1994. Der positive Einfluss war noch größer, wenn die Alkoholkonsumenten zudem angaben, mindestens einmal monatlich eine Bar aufzusuchen, berichten die Wissenschaftler Bethany L. Peters und Edward P. Stringham. Zu den zehn Prozent Gehaltsplus kamen dann nochmal sieben Prozent drauf. Die Studienautoren erklären dies mit den Vorzügen gesellschaftlichen Trinkens, wie ein größeres soziales Netzwerk. Eine Lizenz zum Saufen wollen sie damit aber ausdrücklich nicht ausstellen.
Foto: dpaMoralvorstellungen
Eine Langzeitstudie unter US-Masterstudenten kommt zu dem Ergebnis, dass ein ethischer Charakter bei Männern mit einem niedrigen Gehalt zusammenhängt. Bei Frauen ist das umgekehrt: Je höher ihre Moralvorstellungen, desto höher ist ihr späteres Gehalt.
Foto: FotoliaIhr Selbstbewusstsein
Wer in seiner Jugend ein geringes Selbstbewusstsein aufweist, wird als Erwachsener weniger verdienen. Zu diesem Schluss kommt eine Auswertung von Daten aus den Jahren von 1980 bis 1987 der National Longitudinal Survey of Youth des US-Amtes für Arbeitsmarktstatistik. Diese zeigt, dass ein hohes Selbstbewusstsein 1980 mit einem hohen Gehalt 1987 zusammenhängt.
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Ihr Egoismus
Wer bei Gehaltsverhandlungen auf reines Eigeninteresse setzt, holt am meisten für sich raus. Dieses Ergebnis einer Befragung von 149 frisch eingestellten Beschäftigten durch die Forscher Michelle Marks und Crystal Harold ist zunächst wenig überraschend. Allerdings fanden sie heraus, dass es bei Firmen, die wenig Gehalt bieten können, besser ist, kompromissbereit im Sinne beider Seiten zu verhandeln. So lassen sich andere Vorzüge wie mehr Urlaubstage oder Weiterbildungen herausholen.
Foto: dpaFaire Bezahlung?
49 Prozent der Deutschen fühlen sich ungerecht bezahlt, wie eine Studie der Unternehmensberatung Hay Group aus dem Jahr 2016 zeigt. Weltweit wurden mehr als drei Millionen Menschen befragt, von denen ein Großteil die eigene Vergütung als nicht fair wahrnimmt. Ein Drittel stimmt der Aussage zu, dass in anderen Firmen die gleiche Arbeit besser bezahlt wird. In Deutschland glauben sogar 42 Prozent, dass sich eine bessere Leistung nicht in einer höheren Bezahlung niederschlägt. "Fairness spielt eine essenzielle Rolle in der Arbeitswelt. Viele Mitarbeiter verstehen darunter vor allem eine faire Vergütung", sagt Thomas Haussmann, Senior Vice President der Hay Group GmbH. "Die Folgen einer unfairen Behandlung, egal ob real oder wahrgenommen, können eine Minderung des Mitarbeiter-Engagements sein und im schlimmsten Fall sogar zur Kündigung führen."
Theoretisch dürfte dann jedoch kein Unternehmen mehr Angestellte haben. Denn Leistung ist offenbar einer der letzten Faktoren, der das Gehalt beeinflusst.
Foto: dpaIngenieure und Chemiker verdienen nächstes Jahr drei Prozent mehr, der öffentliche Dienst bekommt ab Februar 2,35 Prozent mehr Lohn und im Maschinenbau bekommt jeder das, was er verdient. So lesen sich einige der Vergütungsprognosen für das kommende Jahr. Grund, einmal genauer hinzuschauen, wer im nächsten Jahr wie viel (mehr) verdienen kann.
Soviel sei vorweg verraten: Es lohnt sich, auch im kommenden Jahr in Europa zu bleiben. Gemäß der Gehaltsentwicklungsprognose 2017 der Personalberatung Kienbaum, an der sich 1400 Unternehmen aus 32 Ländern beteiligt haben, steigen 2017 in allen europäischen Ländern die Gehälter. In Griechenland weniger stark als in Norwegen oder Rumänien, aber aufwärts geht es überall. Für Deutschland rechnen die Berater mit Steigerungsraten von durchschnittlich drei Prozent.
Diese Branchen zahlen gut
Hierzulande zahlen vor allem die Chemie- und die Pharmabranche überdurchschnittlich gut. Gemäß einer Analyse der Hamburger Vergütungsberatung Compensation Partner verdienten Beschäftigte in der Pharmaindustrie vergangenes Jahr durchschnittlich 20 Prozent mehr als in anderen Branchen, in der Chemie und dem Halbleitersektor verdienten sie 19 Prozent mehr als der Durchschnitt.
Auch die Automobilindustrie zahlt überdurchschnittlich gut, wie Thomas Gruhle, Vergütungsexperte bei der Personalberatung Korn Ferry Hay Group, sagt. "Die Metall- und Elektroindustrie und die Chemiebranche haben sehr hohe Tarifverträge, entsprechend hoch sind natürlich auch die Gehälter der Mitarbeiter, die außertariflich bezahlt werden."
Der „Compensation & Benefits Report Deutschland“ der Korn Ferry Hay Group geht für die Chemiebranche jedoch nur von einem Gehalt aus, das acht Prozent über dem Gesamtmarkt liegt.
Der Unterschied von immerhin stattlichen elf Prozent mag an der Auswahl der Daten liegen: Compensation Partner griff für seinen Gehaltsatlas auf 32.000 Gehaltsdaten aus 17 Berufen zurück, die in 60 unterschiedlichen Branchen vorkommen. Dazu gehören unter anderem der Personalleiter, der Geschäftsführer, der Vertriebsinnendienst und der System- und Netzwerkadministrator.
Für den Gehaltsreport der Korn Ferry Hay Group haben mehr als 580 Unternehmen rund 370.000 Vergütungsdatensätze geliefert, überwiegend von Fach- und Führungskräften. "Wir liefern ein gutes Abbild der deutschen Wirtschaft, aber wir haben natürlich nicht alles", sagt Gruhle. "Und wir haben vor allem nicht den Malerbetrieb um die Ecke."
Diese selektive Sichtweise sorgt dafür, dass sich nicht jeder in Gehaltsstatistiken wiederfindet. Wenn der Durchschnitt drei Prozent mehr verdient, kann Dieter Zetsche immer noch 15 Prozent mehr verdienen und Otto Normalbürger weiterhin genauso viel wie im vergangenen Jahr. Auch wenn weniger als ein Prozent der von Korn Ferry befragten Unternehmen nächstes Jahr eine Nullrunde einlegen wollen.
Hinzu kommen Faktoren, die ein Gehalt – unabhängig von der Person, die es bekommt – ebenfalls beeinflussen, etwa Standort oder Beliebtheit des Unternehmens. Konzerne mit schillernden Namen müssen nicht zwangsläufig mit Geld locken, weil ihnen die Bewerber ohnehin die Türen einrennen. Diese grundlegenden Faktoren ändern sich auch im kommenden Jahr nicht.
Da die Höhe der Gehälter auch von der Wirtschaftskraft des jeweiligen Bundeslandes abhängt, existiert in Deutschland in punkto Vergütung ein deutliches Ost-West-Gefälle. Ein Chemiker in Leuna verdient zwar mehr, als der dort ansässige Versicherungsmakler, aber immer noch weniger als der Kollege in Hamburg.
Einzige Ausnahme ist Berlin, das zwar geografisch im Osten liegt, aber aufgrund der vor Ort ansässigen Unternehmen und seiner Attraktivität für junge Leute ganz anders dasteht, als andere Städte.
Im Schnitt 2,5 Prozent mehr Geld
Insgesamt rechnen die befragten Unternehmen mit einem um 2,5 Prozent höheren Personalbudget. Die Branchen Energie, Chemie und Pharma legen hier noch mal eine Schippe drauf und zahlen ihrer Belegschaft drei Prozent mehr.
Grundsätzlich lohnt sich das Chef-Sein: In nahezu allen Branchen bekommen Führungskräfte ein größeres Lohnplus als einfache Angestellte; Vorstände bekommen mehr als Abteilungsleiter. Das bestätigt auch die aktuelle Studie zur Pay Ratio der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Demnach verdienten Vorstände im Dax vergangenes Jahr im Mittel 57-mal so viel wie die durchschnittlichen Beschäftigten in ihrer Firma.
Einige Beispiele: Demnach verdiente Beiersdorf-Chef Stefan F. Heidenreich im Jahr 2014 das 17-fache eines durchschnittlichen Mitarbeiters. Ex-Chef Michael Diekmann bekam 33 Mal so viel wie ein durchschnittlicher Allianz-Mitarbeiter und Karl-Ludwig Kley verdiente das 81-fache von dem, was ein normaler Angestellter beim Pharmakonzern Merck bekam. Den Vogel abgeschossen hat übrigens Volkswagen: Laut Hans-Böckler Stiftung verdiente Ex-Chef Martin Winterkorn 141 Mal so viel wie ein durchschnittlicher VW-Mitarbeiter.
Falls es den Merck-Angestellten ein Trost ist: Laut den Branchenprognosen wird in der Chemie- und Pharmabranche die Gehaltserhöhung für einfache Angestellte im nächsten Jahr prozentual höher ausfallen als die der Führungskräfte. Hinzu kommt, dass die Fachkräfte die einzigen im Unternehmen sind, deren Gehalt deutlich über dem Durchschnitt liegt: Das Senior Management in der Chemie- und Pharmabranche bekommt in der Regel das marktübliche Durchschnittsgehalt, das mittlere Management verdient nur leicht überdurchschnittlich.
Die Ausnahmen von der Regel
Branchen, in denen Tarifangestellte die prozentual höhere Gehaltserhöhung als der Vorstand bekommen, gibt es natürlich auch: In der Baubranche beispielsweise steigen die Gehälter der Tarifmitarbeiter nächstes Jahr um 2,5 Prozent. Bei den Mitarbeitern, die außertariflich vergütet werden, steigen die Bezüge schon nur noch um 2,4 Prozent. Und auch leitende Angestellte und Mitglieder der Geschäftsleitung bekommen 2,4 Prozent mehr Geld und damit eine geringeres Plus als die Angestellten, die nach Tarif bezahlt werden.
Und auch in der Energiebranche steigt das Tarifgehalt im kommenden Jahr um 2,4 Prozent, wogegen leitende Angestellte und Mitglieder der Geschäftsleitung sich mit einem Lohnplus von 2,2 Prozent zufrieden geben müssen.
Zum Schluss noch ein kleiner Wermutstropfen: Während Mitarbeiter die letzten zwei Jahre nach Gehaltserhöhungen auch real mehr in der Tasche hatten, wird die Inflation 2017 für ein eher mickriges Plus sorgen. Je nach dem, wessen Prognose eintrifft: Die Europäische Kommission geht von einer Inflationsrate von 1,5 Prozent aus, die Experten von The Economist Intelligence Unit rechnen mit 1,7 Prozent.
Zum Vergleich: 2016 liegt die Inflationsrate in Deutschland bei 0,4 Prozent. 2015 und 2016 sind die Reallöhne also stärker gestiegen, als sie es nächstes Jahr tun werden - so die Prognosen eintreten. Oder, wie Gruhles Kollege Thomas Haussmann sagt: "Die Reallöhne steigen deutlich weniger, aber noch geht die Party weiter."