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Kamala Harris' Ehemann„Nicht viele können das mit ihrem Bild von Männlichkeit vereinbaren“

Kamala Harris' Ehemann erhält derzeit viel Lob für die Unterstützung seiner Frau. Denn selbstverständlich ist diese Rollenverteilung immer noch nicht. Woran das liegt und was Frauen bei der Partnerwahl beachten sollten.Kristin Rau 28.08.2024 - 12:35 Uhr

Die amerikanische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris küsst ihren Ehemann Douglas Emhoff bei einer Wahlkampfveranstaltung in Philadelphia.

Foto: imago images

WirtschaftsWoche: Frau Gather, Douglas Emhoff, der Ehemann von Kamala Harris' wurde in den letzten Tagen sehr für sein Engagement im Wahlkampf gelobt. Wie wichtig ist die Partnerwahl für die Karriere?
Claudia Gather: Sie ist ziemlich entscheidend. Gerade Frauen mit Karriereambitionen sollten sich dessen bewusst sein.

Warum?
Unsere Heiratsmuster sind immer noch asymmetrisch. Die Männer sind im Durchschnitt etwa drei Jahre älter als ihre Frauen, sie sind größer und haben ein höheres Einkommen. Diese Muster sind unterbewusst in uns verankert und spätestens wenn Kinder ins Spiel kommen, treffen Paare die Entscheidung, dass derjenige mit dem niedrigeren Gehalt in der Karriere zurückstecken muss und das ist meistens die Frau. An diesem Punkt fallen viel Paare in traditionelle Rollenmuster zurück. 

Also gilt der Satz „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“ umgekehrt nicht für Frauen?
Leider ist das noch sehr selten der Fall. Wir haben vor einiger Zeit eine Befragung unter Selbstständigen durchgeführt: Bei den Männern haben die Frauen oft mitgearbeitet oder den Haushalt gemacht. Bei den selbstständigen Frauen haben die Partner sehr viel seltener unterstützt. Sie hatten selbst eine Karriere. Es waren Doppelkarrierepaare.

Zur Person
Claudia Gather ist emeritierte Professorin für Soziologie und Geschlechterforschung und unterrichtete zuletzt an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, wo sie außerdem stellvertretende Direktorin des Harriet Taylor Mill-Instituts für Ökonomie und Geschlechterforschung war.

Haben Sie dafür eine Erklärung?
Für Männer ist es ein Problem zu sagen: Ich kümmere mich um den Haushalt. Das passt nicht zu ihrem Bild von Männlichkeit.       

Aber sind das nicht Vorstellungen aus dem letzten Jahrhundert?
Unsere Geschlechtervorstellungen ändern sich nur sehr langsam. Sehen Sie, die meisten Paare wollen heutzutage eine egalitäre Beziehung.

... eine, in der beide die gleichen Möglichkeiten und Pflichten haben.
Ja. Sie handeln dann aus, wer in der Partnerschaft für was zuständig ist. Das Ergebnis dieser Verhandlung ist aber meist alles andere als egalitär, obwohl die Frauen es mitverhandeln. Denn wenn ein Paar Aufgaben verteilt, dann spielen die alten Rollenmuster im Hintergrund, ob bewusst oder unbewusst, immer noch eine große Rolle. Die Frau macht die Wäsche, der Mann bringt das Auto in die Werkstatt. 

Wenn die Aufgaben gleichmäßig verteilt werden, ist das doch nicht schlimm.
Werden sie aber leider oft nicht, weil Frauen in der Vergangenheit viel mehr dieser Gemeinschaftsaufgaben übernommen haben. Und die Ernährerrolle ist latent immer noch sehr virulent und tatsächlich verdienen die Männer oft ja auch mehr. Da wären wir wieder am Anfang des Gesprächs: Frauen suchen sich Männer aus, die älter sind und mehr verdienen als sie. 

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Worauf sollten Frauen mit Karriereambitionen bei der Partnerwahl achten?
Es ist definitiv leichter, als Frau Karriere zu machen, wenn man sich einen gleichaltrigen oder jüngeren Partner sucht, der eine Ausbildung auf gleichem Niveau besitzt. Er ist dann in seiner Karriere noch nicht einige Stufen voraus und hat auch noch kein höheres Einkommen. Letztlich gibt es für Frauen mit Karriereambitionen zwei Paarkonstellationen. Erstens: Beide machen eine Top-Karriere. Diese Paare bleiben meist kinderlos. Oder die Frauen finden einen Partner, der berufliche Abstriche macht. Doch das im Vorfeld herauszufinden, ist nicht so leicht.     

Wie kann man es dennoch anstellen?
Die Paare müssen von Beginn an sehr klar kommunizieren: Wie willst du es, wie will ich es? Und man sollte sich anschauen, welchen Beruf der andere gewählt hat. Heiraten eine Chirurgin und ein Chirurg, ist das ein Problem. Beide können nicht mitten in der OP das Skalpell fallen lassen, wenn das Kind krank aus der Kita abgeholt werden muss. Jemand mit einem solchen Beruf sollte sich einen Partner suchen, der zeitlich flexibel ist.  

Wie wichtig sind Absprachen zwischen den Partnern?
Extrem wichtig. Natürlich gibt es auch Männer, die ihre Karriere der ihrer Frau unterordnen. Aber diese Männer sind selten. Frauen müssen für ihre Karriere kämpfen. Sie müssen im Zweifel jede Aufgabe zwischen sich und ihrem Partner verteilen und aushandeln, wer was übernimmt. Das ist anstrengend, aber unbedingt notwendig. 

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Passiert das noch zu wenig?
Nein, viele Paare verhandeln. Das ist nicht das Problem. Nur die Frauen verschließen die Augen vor den Ergebnissen. Sie verhandeln zwar gleichberechtigt, aber das Ergebnis kommt trotzdem oft der Karriere des Mannes zu Gute.

Warum?
Weil er, aus den anfangs genannten Gründen, der Haupternährer ist und sie aus rationalen Gründen zustimmt, ihre Karriere hinten anzustellen. Es ist also ihre gemeinsame Entscheidung.       

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Bei Kamala Harris und ihrem Ehemann ist das anders. Er hat, als sie Vizepräsidentin wurde, seine Tätigkeit als Anwalt in Washington wegen möglicher Interessenkonflikte aufgegeben. Ist das der ultimative Liebesbeweis?
Ich finde das ganz großartig und ja: Das ist ein Liebesbeweis. Nicht viele Männer können das mit ihrem Bild von Männlichkeit vereinbaren.  

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