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US-DemokratinFür den Ruhestand ist Kamala Harris noch zu jung – was dann?

Der US-Kongress zertifiziert den Wahlsieg von Donald Trump. Ausgerechnet seine unterlegene Gegenkandidatin muss die Sitzung leiten. Doch was wird aus der Vizepräsidentin?Julian Heißler 06.01.2025 - 06:26 Uhr
Foto: imago images

Es dürften harte Stunden werden, die da am Montag vor Kamala Harris liegen. Am frühen Nachmittag Washingtoner Zeit kommen im Kapitol die Mitglieder des Senats und des Repräsentantenhauses zusammen, um offiziell das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl abzusegnen. Eine Routineangelegenheit, eigentlich. Ein lang eingeübtes Ritual, das den letzten Schritt zwischen Stimmabgabe und Amtsantritt des nächsten Staatsoberhaupts markiert.

Vor vier Jahren wurde diese Tradition der friedlichen Machtübergabe jäh unterbrochen, als ein von dem damals frisch abgewählten Präsidenten Donald Trump aufgeputschter Mob das Gebäude stürmte, um den Sieg von Joe Biden doch noch abzuwenden. Solche Szenen werden sich in diesem Jahr nicht wiederholen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch. Und die Demokraten halten sich an die Gepflogenheiten und zweifeln das Wahlergebnis nicht an. Die Sitzung selbst dürfte aller Voraussicht nach erneut eine Routineveranstaltung werden. Doch für Harris wird sie dennoch schwer.

Denn als Vizepräsidentin, die qua Amt auch die Präsidentin des Senats ist, ist es die Aufgabe der 60-Jährigen, das Prozedere zu leiten. Harris wird die Umschläge mit den Stimmen der Wahlleute aus allen 50 Bundesstaaten und dem District of Columbia öffnen und zählen müssen – und so Trumps Wahlsieg offiziell machen. Es dürfte einer ihrer letzten offiziellen Amtsakte sein, bevor sie in gut zwei Wochen ausscheidet. Nach einem kurzen, aber intensiven Wahlkampf ein schwieriger Moment. Und einer, der die Frage aufwerfen wird: Was kommt als Nächstes?

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Harris‘ Zukunft ist derzeit eines der heißesten Spekulationsthemen in der amerikanischen Hauptstadt. Für den Ruhestand ist sie zu jung. Doch als bald ehemalige Vizepräsidentin gibt es nicht viele Ämter, die sie noch anstreben könnte. Natürlich könnte sie in den Privatsektor gehen. Dan Quayle, Vizepräsident unter George H. W. Bush, entschied sich nach der Niederlage 1992 zu diesem Schritt, machte bei dem Private Equity Fonds Cerberus Karriere. Doch üblich ist ein solcher Schritt nicht. Zumal Harris als Vollblutpolitikerin gilt, als jemand, der den Traum vom Weißen Haus noch nicht aufgegeben hat.

Will Kamala Harris 2028 nochmal US-Präsidentin werden?

Längst gibt es deshalb Spekulationen, ob sie womöglich 2028 noch einmal antreten könnte. Dafür spricht, dass sie in der Partei nach wie vor gut gelitten ist. Die Schuld für ihre Niederlage wird – noch – vor allem Biden gegeben. Dieser hätte früher verzichten sollen, heißt es. Als Kandidatin habe Harris Schlimmeres verhindert, eine noch deutlichere Niederlage abgewendet.

Auch sehen Umfragen sie derzeit deutlich vor ihren potenziellen Mitbewerbern für die Nominierung der Demokraten. Wie belastbar solche Erhebungen mehr als drei Jahre vor dem Start des nächsten Vorwahlkampfs sind, ist eine andere Frage. Aber sie zeigen, dass sich die Stimmung an der Basis nicht gegen sie gewendet hat.

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Allerdings: Kampflos werden ihr die anderen ambitionierten Politiker in der Partei die Nominierung nicht überlassen. Die Demokraten strotzen derzeit nur so vor jungen Gouverneuren und Senatoren, die das Weiße Haus fest im Blick haben: Gavin Newsom aus Kalifornien, Gretchen Whitmer aus Michigan, Wes Moore aus Maryland. Sie alle gelten als potenzielle Anwärter auf die Nominierung. Und sie sind nicht allein: Pete Buttigieg, derzeit Verkehrsminister, erzielte bereits im Vorwahlkampf 2020 Achtungserfolge. Senatoren wie Cory Booker aus New Jersey und Amy Klobuchar aus Minnesota dürften ebenfalls weiterhin von einem Umzug ans andere Ende der Pennsylvania Avenue träumen. Tritt sie erneut an, wird Harris sich also behaupten müssen.

Aber wird sie das wirklich tun?

Kehrt Harris zurück nach Kalifornien?

Es gibt noch eine andere Theorie, was die bald ehemalige Vizepräsidentin als Nächstes vorhaben könnte: eine Rückkehr in die Heimat. 2026 wählt Kalifornien einen neuen Gouverneur – ein Job, der Macht und Prestige mit sich bringt. Und den Harris wohl ohne größere Probleme gewinnen könnte.

Denn der Golden State ist fest in der Hand der Demokraten. Innerparteiliche Opposition müsste sie kaum fürchten, ein Sieg wäre also in greifbarer Nähe. Und als Regierungschefin des bevölkerungsreichsten Bundesstaats wäre Harris innerhalb kürzester Zeit wieder eine prominente und einflussreiche Stimme im Widerstand gegen die Trump-Administration. Allerdings: Eine erneute Präsidentschaftskandidatur 2028 wäre mit einem Wahlsieg in Kalifornien 2026 wohl ausgeschlossen. Harris müsste warten, ob sich 2032 eine neue Chance für sie ergibt. Und dann wäre sie auch schon 68 Jahre alt.

Doch zunächst muss die Kandidatin ihre Niederlage verarbeiten. Wie weit sie damit ist, lässt sich kaum abschätzen. Seit dem Wahltag hat sie sich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, tritt nur selten auf, meldet sich so gut wie gar nicht mehr zu Wort. Gut möglich, dass es nach der Zertifizierung von Trumps Wahlsieg zunächst noch stiller um sie wird. Ein dauerhafter Abschied dürfte es allerdings kaum werden.

Al Gore, der wie Harris im Jahr 2001 seine Niederlage gegen George W. Bush im Kongress überstehen musste, stürzte sich nach seiner Amtszeit in den Aktivismus, gewann einen Friedensnobelpreis. Und nicht nur dieses Beispiel dürfte Harris Hoffnung machen. Schließlich musste auch Richard Nixon im Januar 1961 als Vizepräsident den Triumph seines Gegners John F. Kennedy absegnen.

Acht Jahre später war Nixon Präsident.

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