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Werner knallhartKI im Job: Welche Branche als erste stirbt

Langsam zeigt sich, für welche Jobs sich eine Berufsausbildung nicht mehr lohnt. Weil KI übernimmt. In ersten Branchen werden sie hibbelig. Die Erfahrung zeigt: Der verzweifelte Appell wird nicht helfen. Eine Kolumne.KOMMENTAR von Marcus Werner 13.05.2025 - 08:35 Uhr
Foto: IMAGO/Westend61

Hat mein Job eine Zukunft?

Über diese Frage reden wir hierzulande doch genauso ungern wie darüber, welche Farbe einmal unser Sarg haben soll. Weil es so schön ist, wenn alles so bleibt, wie es ist. Und weil wir wittern, dass daraus nichts wird.

Dabei muss diese Frage ja nicht jeden um den Schlaf bringen.

Auf den Punkt gebracht lautet der Knaller: Die mit der Berufsausbildung werden triumphieren, die mit dem Studium, die werden womöglich bald blöd gucken.

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Denn KI kann auf absehbare Zeit am ehesten Denkleistungen ersetzen, weniger körperliche Arbeit. Kurz gesagt: Eine KI, die bald die Aufnahme eines Magnetresonanztomografen auf erste Anzeichen eines Krebsgeschwürs prüfen kann, kann noch lange nicht eine Windel wechseln, eine Dorade punktgenau garen und servieren oder Fenster in einen Rohbau einsetzen.

Die Soziologin mit den Schwerpunkten Technik, Arbeit und Gesellschaft an der Uni Erlangen-Nürnberg, Sabine Pfeiffer, hat dem Tagesspiegel jüngst gesagt: „Die Arzthelferin wird auch in 20 Jahren noch gebraucht. Aber für sie ist die Frage, ob es dann noch einen Arzt oder eine Ärztin gibt, die die Praxis betreibt.“

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Und noch etwas zeichnet sich offenbar ab:

Kreative Spezialisten müssen bangen

Ich habe mich vor einiger Zeit mit einem Freund unterhalten, der als Marketing-Manager in einer Bank arbeitet. Der war schlecht drauf, die Stimmung des ganzen Abends litt unter seiner Laune. Denn er sah sich mit wehenden Haaren auf den Abgrund seiner Karrieren zureiten: „Ja, weil bald, dann kommt die KI und reißt mir meine Projekte aus den Händen.“

Für ihn hat die Soziologin Pfeiffer eine gute Nachricht: Neu orientieren müssen sich wohl vor allem diejenigen, die kreativ UND arbeitsteilig arbeiten.

Das dürfte vor allem die Kreativen in Werbeagenturen treffen, wo der eine den Claim entwickelt, der andere das Grafikdesign, der dritte das Fotoshooting organisiert und noch einer eine App programmiert. Denn jeder einzelne Beitrag lässt sich auf absehbare Zeit durch KI erledigen, sogar ohne Models. Erste TV-Sender fahren schon Image-Kampagnen ohne den Einsatz von Kameras. Mit KI-generierten Menschen. Leute, es geht los.

Der Projektmanager allerdings, der in der Bank die Fäden zusammenhält, Budgets verwaltet, Vorgesetzte und Kunden emotional mitreißen muss und Produktentwickler anspornen, der kann heimlich kichernd, künftig mithilfe von KI die Grafiken sogar selber entwickeln, sich die Models selbst designen und sich das sechsstellige Budget für die Werbeagentur so mal eben sparen.

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Und deshalb trifft es die Filmsynchron-Branche als Erste:

1. Die Synchronsprecher liefern etwas, was KI als erstes gelernt hat: Imitation. Die Stimme und der Tonfall sollen annähernd klingen wie beim Original.

2. Synchronsprecher richten sich nach vorgegebenen Texten. Spontanes, emphatisches Reagieren, Schlagfertigkeit, eigene Haltung, was KI noch schwerfällt, ist beim Synchronsprechen gerade nicht erforderlich.

3. Die Auftraggeber sitzen oftmals gerade nicht hier im Land der langen Synchron-Tradition, sondern etwa in den USA. Dass in Deutschland eine Kunstform eingeht, wenn in zwei, drei Jahren direkt in Hollywood auf den Synchron-KI-Knopf gedrückt wird, ist Amazon, Apple, Netflix, HBO, Disney und Universal erst dann nicht einerlei, wenn die deutschsprachigen Konsumenten KI-übersetzte Filme schmähen. Nur das werden sie …

4. … nicht tun. So wie wir bei Amazon, Otto und Zalando bestellen und der kleine Einzelhändler um die Ecke dichtmachen muss. Mitleid ist kein Geschäftsmodell.

5. Es kommt noch dramatischer: KI-Synchro wird die Synchronisation durch menschliche Sprecherinnen und Sprecher qualitativ bald um Längen schlagen. Wenn nämlich auch noch die Lippenbewegung an die neu darüber gelegten Worte angeglichen werden. Sodass es aussieht, als würden die Schauspieler selber muttersprachlich Deutsch können. Das geht heute schon mit Apps erstaunlich gut. Das wird ganz bald auch in Hollywood-Qualität kommen.

Ja, heute klingen KI-Synchronisationen immer noch recht gefühlskalt, charakterlos und wenig pointiert. Andererseits: Menschliche Synchronsprache klingt immer auch etwas exaltiert. Das wird wegfallen.

Meine Cousine aus Schweden (einem Land ohne Synchron- dafür mit Untertitel-Kultur) hat beim Anhören einer deutschen Synchronfassung einmal ganz erschüttert gesagt: „So redet doch kein Mensch. Wie haltet ihr das aus?“

Gewöhnungssache. So wie wir uns ganz schnell auch an KI gewöhnen werden. Was bleibt den Synchron-Sprechern? Antwort: Ihre wunderbaren Stimmen. Und so wie es Theater heute trotz Kino und Netflix noch gibt, so könnte es ja vielleicht künftig Live-Shows, also Lesungen mit Profistimmen geben. Auf der Bühne, mit Sekt und Snacks und Meet-and -greet. Ich würde sofort hingehen. Und ich würde den Kolleginnen und Kollegen am Mikro diesen neuen Erfolg gönnen.

Und bitte lesen Sie künftig fleißig weiter meine Kolumnen. Sonst macht das hier auch bald eine KI. Und daran sollen Sie sich niemals gewöhnen.

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