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New Work Wie man wirklich selbstbestimmt arbeitet

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Wer nur für sich arbeitet, braucht klare Ziele

2. Minimalismus macht frei
Magnussen hat für sich selbst einen noch radikaleren Ansatz gewählt. Er hat keinen eigenen Laptop, nutzt nur bei Bedarf einen aus der Firma. Dafür gönnt er sich ungefähr einmal pro Jahr das leistungsstärkste Smartphone, das es gibt – und nutzt das Gerät dann bis an die Grenzen von dessen Leistungsfähigkeit. „Ich habe von meinem Smartphone aus Zugriff auf 14 Terabyte Daten, das bedeutet für mich maximale Freiheit. Um Sachen zu organisieren, habe ich dort alle Daten, meine Kontakte und gesamte Kommunikation. Wenn ich dieses Tool effektiv einsetze, einen Artikel zum Beispiel nicht mehr tippe, sondern speech-to-text diktiere – was am Anfang sehr ungewohnt ist –, Filme schneide und Fotos mache, brauche ich keine große Tasche herumschleppen."

3. Ablenkung gnadenlos ausschalten
Ist einmal das richtig Setup gefunden, steht die Grundlage für das selbstbestimmte Arbeiten. Bleibt die Frage nach der Selbstorganisation. Die besten Tools kommen nicht gegen fragile Konzentration und den inneren Schweinehund an. „Wichtig ist, sich die Funktionsweise unseres Gehirns klarzumachen“, sagt Magnussen. Es giert nach neuen Nachrichten, jedes Ping auf dem Smartphone löst einen Dopamin-Kick aus. Sich das abzutrainieren, hält der Gründer für essentiell, um fokussiert arbeiten zu können. Gleichzeitig ist es eine der schwierigsten Übungen überhaupt.

Hilfreich: Bei allen Apps die Benachrichtigungen ausschalten. „Wenn ich mein Smartphone sowieso nutze, kann ich nichts verpassen. Aber ich bestimme, wann ich es tue“, sagt der Hamburger. „Ich habe kein Verständnis für die, die sich über die Macht ihres Smartphones über sie beklagen, es aber nicht hinkriegen, die Notifications auszuschalten“, schimpft er. Man müsse die Technik bis zum Limit ausreizen, dann werde man auch nicht zu ihrem Opfer, ist er überzeugt.

4. Tagesziele setzen
Der New-Work-Anhänger hält seine Mitarbeiter vom ersten Tag an zum selbstbestimmten Arbeiten an. Die kürzeste Lernkurve hätten die jüngsten Mitarbeiter, hat er beobachtet. 20-Jährige müssten sich zum Beispiel das mit den Ordnern gar nicht erst abgewöhnen - sie haben es nie betrieben. Was aber alle erst einmal lernen müssen: Die eigene Arbeitszeit sinnvoll und realistisch einteilen, Prioritäten ermitteln, festlegen, abarbeiten - und das Ganze in einem Teamkontext umsetzen, wo auch noch auf andere Rücksicht genommen werden muss. "In einem Team ist das entscheidende, Regeln einzuhalten: Ich habe jede Form von Freiheit, solange ich die Freiheit der anderen nicht beschränke. So wie in der Demokratie. Und das geht", ist Magnussen überzeugt.

Für den Anfänger kann die "Top-fünf-Methode" hilfreich sein: Dabei werden gleich fünf Ziele für den Tag festgelegt und nach Wichtigkeit sortiert. Entscheidend ist aber nur, dass die Nummer eins unter diesen fünf Zielen erledigt wird. Magnussen: "Es gibt keine Ausrede dafür, wenn das am Ende des Tages nicht erledigt ist." Die Punkte zwei bis fünf sind zwar wünschenswert, aber kein Muss. Das nimmt Druck heraus. Nebeneffekt: Die Methode schult darin, sich auf ein Ziel zu konzentrieren, zwingt aber nicht zum Weglassen weiterer Prioritäten.

5. Langfristige Ziele setzen, Jahresmotto definieren
Was aber tut jemand, der ganz auf sich gestellt ist? Wie nicht die Ziele aus den Augen verlieren, wie nicht in eine Endlosschleife von Projekten geraten, die die erstrebte bessere Work-Life-Balance zerschießen? Hier ist das härteste Training gefragt, als Korrektiv kann hier nur die eigene Prioritätenliste herhalten. Mit der fängt es an, ist Christoph Magnussen überzeugt und empfiehlt, sich ein Jahresmotto zu überlegen mit den fünf wichtigsten Zielen, dieses einzurahmen und aufzuhängen oder als Bildschirmschoner zu installieren. Das gleiche steht am Anfang jedes Arbeitstages. "Dieses tägliche Priorisieren ist wie eine tägliche Kraftübung oder das Üben von Elfmeterschüssen. Das bringt nicht nur bei einem Freelancer etwas, sondern auch in Teams bringt es extrem viel Autonomie", sagt Magnussen.

6. Nicht wahllos neue Aufträge annehmen
Besonders wichtig für Freelancer: Nein sagen und einschätzen lernen, wie viele Aufträge in angemessener Zeit zu schaffen sind. "Wenn ich ein Freelancer bin, passiert oft das folgende: Die ersten Wochen fühlen sich wunderbar frei an, wie Urlaub. Dann geht es los, dann hängst du an dem Projekt und das Projekt hängt an dir und irgendwann rennst du allen Projekten nur noch hinterher. Das ist keine Befreiung, sondern eine neue Abhängigkeit, die eine große Gefahr darstellt für viele Leute, die das vorher nicht für sich durchdacht haben", erklärt der Unternehmer. Das einzige, was dagegen hilft: "Wer Prioritäten setzen kann, kann auch entscheiden, was er weglässt."

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