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Personalberater Robert Harich „Wer mehr kann, als er zeigen darf, muss gehen“

Robert Harich ist Geschäftsführer bei der Personalberatung Büro Rickert GmbH. Das Büro Rickert zählt zu den führenden Executive Search Boutiquen und steht an der Spitze der wichtigsten Personalberatungen in Deutschland. Vor seinem Eintritt in das Büro Rickert war Robert Harich bei der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH), wo er als Geschäftsführer mehrere Konzerngesellschaften leitete. Vorherige berufliche Stationen in Deutschland und in USA waren Gemini Consulting, THE CLOROX Company, BBDO Group und ein Unternehmen der Quandt-Gruppe . Quelle: Presse

Berufliche Veränderung will wohl überlegt sein, sagt Robert Harich. Im Interview erklärt der Personalberater, wie man merkt, dass es Zeit ist zu gehen - und warum man den perfekten Job vielleicht trotzdem nicht findet.

Herr Harich, manche Menschen haben einen großen Leidensdruck im Job und wollen aus ihrer aktuellen Position einfach nur weg. Wie stellt man das am besten an?
Zunächst einmal sollte man sich klar darüber werden, worin der Leidensdruck besteht und warum das so ist. Selbstwirksamkeit besteht auch darin zu versuchen, eine schwierige Situation so zu verändern, dass der Weg im eigenen Unternehmen sinnvoll fortgesetzt werden kann. Man sollte deshalb die Flinte nicht zu früh ins Korn werfen.

Wann ist Ihrer Ansicht nach der richtige Zeitpunkt gekommen, den Job zu wechseln?
Wenn die den Leidensdruck verursachenden Ursachen mittelfristig nicht geändert werden können. Oder theoretischer: wenn der Dreiklang aus der Einbringung eigener Kompetenzen, dem Treffen weitgehend autonomer Entscheidungen und einem ausreichend großen Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen dauerhaft aus der Balance gerät.

Was sind legitime Gründe zu gehen?
Wenn man mehr kann, als man im Unternehmen dauerhaft zeigen darf, muss man irgendwann gehen.

Sollte man den Markt ständig sondieren oder erst, wenn man sich wirklich reif zu gehen fühlt?
Ständig über den Zaun zu schauen lässt schnell Unzufriedenheit aufkommen. Und die permanente Schere im Kopf „gehen oder bleiben“ verringert die Leistungsfähigkeit. Man sollte seine Kraft dafür einsetzen, einen guten Job zu machen. Kandidaten im Dauer-Sondierungsmodus, die oft auch noch mit vielen Namen um sich werfen, haben oft etwas Zweifelhaftes an sich. Erfolg kommt immer noch von „Können“ und nicht von „Kennen“.

Haben sich die Erwartungen, die Menschen an den Job haben, in den vergangenen Jahren geändert? Sind diese Erwartungen unter Umständen zu groß - und werden selbst nach einem Wechsel nicht zwingend erfüllt?
Eines der schon fast tragischen Attribute des digitalen Zeitalters ist das Streben nach einem Perfektionismus, den es so nicht gibt. Das perfekte Leben, den perfekten Partner, den perfekten Job gibt es nicht. Dieses Phänomen führt inzwischen häufig zu niedrigen Frustrationsschwellen und steigender Ungeduld in allen Beziehungen, auch den beruflichen. Erwartungen müssen gut gemanagt werden, auch die eigenen.

Kann es zum Problem werden, wenn man zu oft wechselt?
Man sollte beweisen, dass man komplexe und schwierige Aufgaben nachhaltig lösen kann. Das dauert insbesondere in größeren Organisationen mit ihren vielstufigen Entscheidungsprozessen oft länger als einem lieb ist. Jemand, der alle zwei Jahre den Job wechselt, läuft Gefahr als ‘Two-year Guy’ etikettiert zu werden: It takes one year to find out about him and one year to get rid of him.

Nichts wie weg? So gelingt’s!
Schon mal darüber nachgedacht, 43,5 Stunden pro Woche Akten zu schreddern? Mit Gepäck durch Bahnhöfe zu laufen? Briefmarken händisch zu schneiden und zu kleben? Oder bei Hitze im Stau zu stehen? Nein? Verständlich, denn einen so großen Teil seiner Lebenszeit möchte man doch gerne mit einer weniger anstrengenden, nervtötenden, stupideren Tätigkeit füllen. 43,5 Wochenstunden verbringen abhängig Vollzeitbeschäftigte in Deutschland durchschnittlich aber auch bei der Arbeit, wie der aktuelle Arbeitszeitreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt. Kein Wunder, dass bei einer Studie der Personalberatung Manpower Group 46 Prozent der im Jahr 2017 Befragten in den folgenden zwölf Monaten einen Jobwechsel planten. 23 Prozent wollten mehr verdienen, 17 Prozent fühlten ihre Leistungen nicht wertgeschätzt, 14 Prozent litten unter einem schlechten Arbeitsklima. Ein Wechsel erscheint vielen als die Lösung aller Jobprobleme. Doch es gilt einige Regeln zu beachten. Wie der berufliche Neustart gelingt, lesen Sie in der WirtschaftsWoche. Quelle: Fotolia
Jemand sitzt an einem Schreibtisch vor einer Uhr Quelle: Fotolia
Jemand ist an einer Kugel festgekettet Illustration Quelle: Fotolia
Jemand schiebt eine große Faust weg Quelle: Fotolia
Jemand springt über einen Abgrund Illustration Quelle: Fotolia
Mann auf Fragezeichen Quelle: Fotolia
Jemand liegt auf einem Sofa Quelle: Fotolia

Welche Probleme gibt es beim Jobwechsel, mit denen man nicht rechnet?
Sie können schnell an den falschen Personalberater geraten. Ihre Frau könnte Sie überraschen, indem sie am Ende des Entscheidungsprozesses mitteilt, dass sie und die Kinder doch nicht mit nach Bochum gehen und in München bleibt. Sie könnten ihre bestehenden vertraglichen Regelungen oder eine Wettbewerbsklausel falsch interpretieren. Ihre Referenzgeber könnten sich unklar oder sogar nachteilig über Sie äußern, weil sie ihre eigene Agenda verfolgen. Ihre neue Firma könnte die über Sie abgegebenen Referenzen nicht richtig interpretieren. Vor Überraschungen ist man nicht gefeit.

Wie geht man den Wechsel konkret an?
Rechtzeitig und systematisch. Und mit gutem Rat von jemandem, dem Sie menschlich vertrauen und der sich die Zeit nimmt, Sie wirklich kennen zu lernen. Nur dann kann man gemeinsam beurteilen, was ein nächster sinnvoller Schritt sein könnte.

Was muss man über mögliche Zielfirmen wissen?
Handelt es sich um ein erfolgreiches, aufstrebendes Unternehmen oder um ein veraltetes Geschäftsmodell? Wer will schon ein totes Pferd reiten? Es ist in der Regel nicht so schwer, sich umfassend zu informieren. Es empfiehlt sich außerdem mit Menschen zu sprechen, die das Unternehmen und vor allem die dort verantwortlich handelnden Personen gut kennen. Die wissen fast immer, wie es hinter den Kulissen aussieht.

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