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CEO-Studie Die Zukunft erfordert Unternehmer – nicht Manager

Exklusiv
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Der Wechsel muss jetzt kommen, nicht in 20 Jahren

Das wiederum liege auch daran, dass die Eintrittsbarrieren in diesen Markt vergleichsweise gering sind. „Für die Umsetzung einer originären Idee ist zunächst nur wenig Kapital notwendig“, sagt Wink. „Sie brauchen vor allem helle Köpfe, keine Maschinenparks oder teure Prototypen. Firmen wie Amazon, Facebook und Google, aber auch Autodesk und Activision Blizzard zeigen, dass Erfolgsgeschichten noch immer im Wohnzimmer starten können.“ Etwas ganz ähnliches berichtete vor Kurzem auch Tijen Onaran, Gründerin und Initiatorin des Netzwerks Women in Digital, im Interview mit der WirtschaftsWoche.

"Tatsächlich mache ich die Erfahrung, dass der Beginn in der Onlinewelt etwas leichter ist, als in der sonstigen Welt, weil man mit relativ geringem Aufwand starten kann. Wer eine gute Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung hat, die man online vertreiben kann, kann sich selbst schnell eine Website zusammen basteln. Dafür braucht man auch nicht wahnsinnig viele IT-Kenntnisse und kann auch mit wenig Man- oder Womanpower relativ schnell etwas hochziehen", sagte sie. "Gerade am Anfang ist es sehr einfach, mit geringen Mitteln von Zuhause aus den Laptop aufzumachen und zu sagen: „Ich hab ne coole Idee und ich stell das jetzt einfach mal ins Netz und probiere es aus.“ Fehler zu machen und dann aufzustehen und weiterzumachen ist in der digitalen Welt viel einfacher als woanders."

"Mädels, traut euch"

Doch genau das ist es, was den jungen Tech-Gründer in seinem Ein-Zimmer-Appartement im Silicon Valley für das deutsche Traditionsunternehmen mit seinem fleißigen Juristen oder Betriebswirt an der Spitze so gefährlich machen kann. Mit ganz wenig Aufwand und noch weniger Kosten weckt er Wünsche bei den Kunden, die diese letztlich auch vom Dax-Konzern oder dem Mittelstand erfüllt haben wollen. Dass der Global Player etwas nicht kann - immer überall auf dem Smartphone für den Kunden da sein - was ein Harvard-Student im dritten Semester IT mit links macht, ist aus Kundensicht nur schwer nachzuvollziehen. Deshalb würde auch Deutschland mehr Mut zum Risiko gut tun, also mehr Gründer und weniger Fokussierung auf schnurgerade Lebensläufe.

So ist es weltweit um den Gründergeist bestellt

Douglas ist überzeugt, dass es in 20 Jahren einen signifikanten Anteil an ehemaligen Gründern in Vorständen großer Konzerne geben wird. „Und damit eine Generation an Chefs, die über eine immens hohe Lernagilität verfügt und am eigenen Leib erfahren hat, was es heißt, Risiken einzugehen und mit ihnen umzugehen.“ Aber 20 Jahre lang darauf zu warten, dass die junge Generation die Chefreife erreicht hat und ein Wandel stattfinden kann, dauert einfach zu lange. Es muss schon heute etwas passieren. "Gerade in einer Zeit, in der viele Firmen sich den ‚Unternehmer im Unternehmen‘ wünschen, ist es geboten, sich von den geraden Lebensläufen der Vergangenheit abzuwenden. Und auf diejenigen zu schauen, die das größte Potenzial haben. Um die Probleme von morgen zu lösen", sagt Douglas. Das kann auch jemand sein, der schon einmal mit einem Unternehmen gescheitert ist. Denn auch aus einer Pleite – in Deutschland immer noch ein Tabu - kann man lernen.

Und diese Erfahrung bringen im Unternehmensalltag viel, wie Wink glaubt. „Chefs mit unternehmerischer Erfahrung würden auch heute schon vielen Konzern gut tun“, sagt er. "Nicht umsonst schauen viele Unternehmen auf die Digitalwirtschaft in Berlin und gründen dort eigene Einheiten, die überwiegend von Persönlichkeiten geführt werden, die keine Konzernkarriere gemacht haben."

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