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Die Höhle der Löwen „Wir brauchten Unterstützung für den Sprung in die Serienfertigung“

Annette Barth und Julian Meyer-Arnek wollen mit ihrem UV-Bodyguard Menschen davor bewahren, ihre Haut zu lange der Sonne auszusetzen. Quelle: Presse

Der UV-Bodyguard von Ajuma soll Menschen warnen, die zu viel Zeit in der Sonne verbringen. In der Show „Die Höhle der Löwen“ hörten Carsten Maschmeyer und Nils Glagau dem Gründerpaar besonders aufmerksam zu. Wie ging’s hinter den Kulissen weiter?

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Sommer, Sonne – Sonnenbrand: Annette Barth und Julian Meyer-Arnek wollen mit ihrem UV-Bodyguard Menschen davor bewahren, ihre Haut zu lange der Sonne auszusetzen. Dafür wird ein kleiner Sensor mit dem Smartphone gekoppelt. Abhängig vom Hauttyp und dem verwendeten Lichtschutzfaktor soll die Anwendung rechtzeitig Alarm schlagen, wenn eine Gesundheitsgefährdung droht. Bei der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ stieß die Tüftelei des Paares auf großes Interesse. Investor Carsten Maschmeyer, der die Gefahr durch Hautkrebs in der eigenen Familie erlebt hat, und Orthomol-Inhaber Nils Glagau wollten gemeinsam 110.000 Euro investieren, verlangten dafür aber ein Viertel der Start-up-Anteile. Abgeben wollten Barth und Meyer-Arnek zunächst nur 15 Prozent. Doch dann schlugen sie in den Deal ein. Was ist seit der Aufzeichnung der Sendung vor gut einem Jahr passiert?

WirtschaftsWoche: Frau Barth, lange Zeit haben Sie und Ihr Partner im Verborgenen an der Idee gearbeitet. Hat das die Entwicklung nicht gebremst?
Annette Barth: Für uns war es genau der richtige Weg. 2017 haben wir zum ersten Mal über die Idee nachgedacht, 2018 ging es dann los. Zuerst saßen wir mit dem Lötkolben im Keller. Dann haben wir unsere ersten Prototypen mit professionellen Messgeräten verglichen – in der Forschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze. Ich habe mich Vollzeit um unser Start-up gekümmert, mein Partner neben seiner Arbeit als Wissenschaftler. Es war klar, dass unser Konzept funktioniert. Aber: Wir brauchten Unterstützung für den Sprung in die Serienfertigung.

Und haben Nils Glagau und Carsten Maschmeyer da ihr Versprechen aus der Sendung gehalten?
Ja. Die Zusammenarbeit mit den beiden läuft sehr gut, weil jeder ein besonderes Know-how in leicht unterschiedlichen Feldern mitbringt. Nils Glagau kennt den Gesundheitsmarkt sehr gut. Carsten Maschmeyer wiederum hat eine riesige Erfahrung im Techbereich und ein großes Netzwerk.

Und wie hat Ihr Start-up das gemeinsame Jahr genutzt?
Wir haben eine Serienfertigung aufgebaut - und das sehr lokal. Der Entwickler und Produzent der Spritzgussform und auch der Elektronikentwickler und -produzent sind beide in der Nähe von München. Theoretisch könnte man die Teile mit dem Fahrrad transportieren.

In der Sendung war Ihr UV-Bodyguard noch ein Prototyp. War das nicht viel zu früh für eine Auftritt vor Investoren?
Wir waren an einem sehr frühen Zeitpunkt in der Show. Doch wir wussten, dass der Auftritt eine große Chance für uns sein kann. Die ersten Modelle haben wir noch im 3-D-Drucker hergestellt. Damals hatten wir aber schon eine Auszeichnung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt erhalten. In diesem Jahr kam noch ein Award der Fitnessmesse ISPO dazu. Das hat uns gefreut, weil es ein kommerzieller Preis ist. Das zeigt uns: Wir haben den Weg von der Wissenschaft zur breiten Masse geschafft.

Die ersten sonnigen Frühlingstage liegen bereits hinter uns, der Sommer folgt hoffentlich bald. Wie steht es denn um den Vertrieb?
Die ersten UV-Bodyguards sind ausgeliefert. Wir haben uns entschlossen, erst einmal sehr zielgerichtet zu starten. Darum haben wir Partner aus den wichtigsten Bereichen für uns ausgewählt – das sind Handelshäuser für Outdoor- und Kinderprodukte sowie Apotheken. Und natürlich unser eigener Onlineshop.  Das Interesse ist groß. Aber wir wissen auch, dass wir unser Produkt ein wenig erklären müssen. Daher kann es dauern, bis es wirklich überall und von jedem direkt verstanden wird.

Im Netz finden sich einige Sensoren, die ebenfalls vor zu viel Sonne warnen wollen – bis hin zum Bikini, der beim Sonnenbaden irgendwann Alarm schlägt. Wie wollen Sie sich abgrenzen?
Viele der ganz einfachen Tracker auf dem Markt reagieren bereits auf das sichtbare Licht. Das heißt: Die schlagen auch aus, wenn sie die Lichtstrahlen einer Glühbirne registrieren. Wir berücksichtigen den Hauttyp des Nutzers und den Lichtschutzfaktor der Sonnencreme. Und wir nehmen nicht nur die gemessenen Werte des UV-Sensors, sondern kombinieren diese auch mit Satellitendaten zur Ozonschicht, damit auch das gemessen wird, was für die Haut wichtig ist. Die Sensormessung brauchen wir, um die UV-Belastung vor Ort zu bestimmen. UV-Strahlung wird auch von den konkreten Bedingungen etwa des Untergrunds beeinflusst, weil Sand oder Wasser wie Millionen kleiner Spiegelchen wirken und die Strahlung reflektieren und verstärken. Gleichzeitig nutzen wir die Satellitendaten, um auch eine Vorhersage anbieten zu können: So kann man im Urlaub besser planen, wann man mit der Familie auf eine große Wanderung geht.



Ist die Messung der UV-Strahlen nicht eine perfekte Funktion für die nächste oder übernächste Generation der Smartwatches – und könnte Ihnen so das Geschäft wegnehmen?
Unser Wearable ist so konstruiert, dass es an den Rucksack, das T-Shirt oder den Hut geschnallt werden kann. Bei einer Smartwatch am Handgelenk ist der Sensor nicht so gut auf die Sonne ausgerichtet. Und außerdem bräuchte man in der Uhr dann Glaselemente, durch die das UV-Licht eindringen kann. Eigentlich will man aber die meisten Sensoren im Inneren einer Smartwatch eher vor UV-Strahlen schützen. Es hat also seinen Grund, warum das mit einer kontinuierlichen Messung über eine Uhr bisher nicht so gut funktioniert.

Aktuell verpacken Sie Ihr Produkt entweder als grüne Schildkröte oder mit einer blauen oder grauen Schutzhülle. Da muss aber noch was kommen, oder?
An der Optik können und wollen wir viel ändern, da können wir auch kurzfristig neue Farben und Formen anbieten. Spannend ist für uns der Bereich des Arbeitsschutzes, für den es bereits einige Anfragen gibt. Für Vermessungstechniker, Straßenbauer, Dachdecker oder Gärtner kann Hautkrebs sogar eine Berufskrankheit sein. Da könnte unser Sensor natürlich bei der Prävention helfen.

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Sie haben Ajuma gemeinsam mit Ihrem Lebenspartner gegründet. Passen Arbeit und Beziehung zusammen?
Absolut. Der Vorteil ist, dass man sich sehr, sehr gut kennt. Viele Investoren haben da Bauchschmerzen, aber das kann ich nicht nachvollziehen. Als Paar kennt man die Stärken und Schwächen des anderen viel besser und kann darauf eingehen. Und natürlich nehmen wir uns nicht das Wochenende frei, sondern diskutieren zu Hause viel und oft über Details. Dadurch haben wir ein ganz anderes Verständnis füreinander und für das Produkt.

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