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Frauen in der Start-up-Szene „Wir sollten stärker auf die schauen, die das große Geld bereitstellen“

Quelle: BAND e.V.

Von der Gründerin zur Netzwerkerin zur Investorin: Simone Brummelhuis engagiert sich, um Frauen in der Start-up-Szene zu fördern. Ein Gespräch über nachhaltige Mode, alte Vorurteile und die Frage, ob Frauen anders investieren als Männer.

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Der große Sprung gelang 2014: Da verkaufte Simone Brummelhuis ihre digitale Restaurantplattform für die Niederlande an den US-Marktführer Tripadvisor. Schon einige Jahre zuvor hatte die studierte Juristin begonnen, sich für andere Gründerinnen und Investorinnen zu engagieren. Sie sagt: „Zuerst ging es darum, bei den Frauen etwas zu verändern. Dann ging es darum, bei den Investoren etwas zu verändern. Jetzt geht es um einen ganzheitlichen Ansatz, um wirklich etwas in der Szene zu bewegen.“ Für ihre Arbeit wurde sie kürzlich mit der „Goldenen Aurora“ ausgezeichnet. Der Preis für die beste europäische Frühphasen-Investorin wird vom Business Angel Netzwerk Deutschland (BAND e.V.) sowie den Business Angels Europe verliehen. Im Interview berichtet Brummelhuis, was sie mit ihrem Engagement erreichen will – und gegen welche Widerstände sie und ihre Kolleginnen arbeiten.

WirtschaftsWoche: Sie haben zwei Start-ups verkauft, eines davon sogar an Tripadvisor. Warum hatten Sie dann noch Lust auf ein neues Leben als Investorin?
Simone Brummelhuis: Es waren für mich keine Exits, um mich komplett zur Ruhe zu setzen. Es war ein guter Zeitpunkt, um darüber nachzudenken, was als nächstes passieren sollte. Ich habe zuvor schon mit Bekannten viele Gründerinnen unterstützt und ihnen geholfen. Wir haben uns gesagt: Lass uns nun auch unser eigenes Geld ins Ökosystem stecken. Aus meiner Erfahrung geht es vielen Frauen so: Wenn sie mit ihrer eigenen Firma beschäftigt sind, dann investieren sie nicht gleichzeitig – weil sie sich auf das Start-up konzentrieren.

Ihr erster Schritt war ein Verbund von 75 Unternehmerinnen, die sich als Business Angels engagieren sollten. Welche Erwartungen haben sie daran geknüpft?
Am Anfang ging es uns mit „The Next Woman“ darum zu zeigen, dass es überhaupt genügend Gelegenheiten gibt, um in von Frauen gegründete Start-ups zu investieren. Da waren erstens Managerinnen aus Konzernen dabei. Zweitens Gründerinnen, die einen Schritt weiter gehen wollten. Drittens waren es Frauen, die sich wohltätig engagiert haben. Und viertens waren es erfahrene Investorinnen, die neugierig auf die Start-up-Welt waren. Sie alle wollten etwas mehr für Gründerinnen machen, aber wussten nicht genau, wie. Das war eine Zeit, in der ich jeden Tag zahlreiche Kaffeeverabredungen hatte – manche bezahlt, manche nicht.



Mittlerweile führen Sie den 40-Millionen-Euro schweren „Borski Fonds“, der nach eigener Aussage in Firmen investiert, die den Gender Gap, also das Ungleichgewicht zwischen Gründerinnen und Gründern, reduzieren. Warum dieser Schritt?
Wir haben viel Ausbildung geleistet. Wenn man etwas Neues startet, ist man zwar der Pionier – aber das ist nicht unbedingt ein gutes Geschäftsmodell. Außerdem wollte ich mich wieder stärker fokussieren. Und das fällt als Geschäftsführerin eines Fonds leichter. Jetzt bin ich wieder Unternehmerin, aber mit einem etwas anderen Ansatz.

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    Investieren Frauen denn überhaupt anders als Männer?
    Manchmal mag es ihnen leichter fallen, sich als Geldgeberin in die Situation einer Gründerin hineinzuversetzen – wie man es etwa zusammenbringt, sowohl ein Start-up als auch ein Baby zu haben. Früher hieß es, Frauen würden vorsichtiger investieren. Doch wenn es um Kapital für Wachstumsunternehmen geht, sehe ich da überhaupt keinen Unterschied. Viele Frauen wollen jedoch gerne in Unternehmen investieren, die nicht nur Rendite bringen, sondern einen „Impact“ auf die Welt haben. Auch hier geht es also um den ganzheitlichen Blick auf ein Start-up.

    Was können solche Initiativen denn wirklich bewirken? Noch ist der Anteil von Frauen in der Gründerszene ziemlich klein.
    Früher war es so, dass Frauen häufig gute und solide Familienunternehmen und Mittelständler aufgebaut haben, aber nicht unbedingt schnell wachsende Start-ups. Auch diese Unternehmerinnen hatten es übrigens oft schwerer, an Geld zu kommen – es ist also nicht unbedingt nur ein Thema der Risikokapitalgeber, sondern auch der Banken. Aber natürlich ist es auch so: Männer tendieren dazu, in ihren eigenen Netzwerken zu investieren. Und wenn da wiederum nur Männer zu finden sind, schließt sich der Kreis.

    Und ist da irgendwo ein Silberstreif am Horizont?

    Es ändert sich einiges. Heute gibt es viel mehr Frauen mit einem unternehmerischen Geist, mit einem hilfreichen Hintergrund durch ihr Studium oder den Berufseinstieg in Konzernen oder Beratungen. Zudem entdecken Investoren auch andere Themen als nur Unternehmenssoftware. Lange Zeit gab es etwa kaum einen Fokus auf Frauengesundheit, da passiert viel. Und auch in anderen populären Bereichen – etwa Biomedizin oder nachhaltiger Mode – sind viele Frauen unterwegs.

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    Also wird alles besser?
    Wenn man hinterherhinkt, muss man dringend aufholen. Und das ist anspruchsvoll: Männer sind heute bereits viel häufiger Seriengründer. Und die kriegen in der Regel leichter Geld von Investoren. Dazu kommt, dass viele Fonds sich zunehmend in späteren Phasen beteiligen – da müssen wir viele Gründerinnen aber erst einmal hinbringen.

    Und kann es noch gelingen, diesen Abstand aufzuholen?
    Wir sollten stärker auf die schauen, die das große Geld bereitstellen. In den Niederlanden gibt es beispielsweise große Pensionsfonds für den Gesundheitssektor. Dessen Geld kommt zu einem großen Teil von Krankenpflegerinnen – aber es wird überwiegend in Start-ups investiert, die von Männern geführt werden. Da verpasst man enorme Gelegenheiten. Große Geldgeber beginnen, dieses Problem zu verstehen. Aber es muss sich noch viel ändern.

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