Gast-„Löwin“ Sarna Röser „Wir brauchen mehr Austausch zwischen Familienunternehmen und Start-ups“

Gründergeist in der Politik:

Die Bundesvorsitzende der „Jungen Unternehmer“ gastiert als Investorin in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“. Sie wirbt für ein Miteinander von Traditionsfirmen und Techgründern – und Durchhaltevermögen.

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Ein Platz im grauen Sessel – und ein Auftritt in der großen Öffentlichkeit: In der aktuellen Folge (Ausstrahlung am 25. April 2022) von „Die Höhle der Löwen“ sitzt Sarna Röser neben Stamm-Investoren wie Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl oder Judith Williams. Die 34-Jährige ist Bundesvorsitzende des Verbands „Die jungen Unternehmer“, der Familien- und Eigentumsunternehmer bis 40 Jahre auf politischer Ebene vertritt. Sie ist die vierte Generation des Zementrohrwerkes Karl Röser & Sohn aus Mundelsheim, sitzt unter anderem im Beirat der Deutschen Bank, im Aufsichtsrat der Optikerkette Fielmann und ist in verschiedenen Rollen an Digitalunternehmen beteiligt. Die Fernsehsendung mit meist mehr als zwei Millionen Zuschauern will Röser nicht nur nutzen, um Investments für die familiäre Beteiligungsgesellschaft abzuschließen, wie sie im Interview berichtet – sondern auch, um für mehr Unternehmergeist im Land zu werben.

WirtschaftsWoche: Sie sind in einem Familienunternehmen aufgewachsen, bewegen sich aber auch in der Welt der Start-ups – gibt es da überhaupt Gemeinsamkeiten?
Sarna Röser: Egal, ob Familienunternehmer, Nachfolger oder Gründer – jedes Mal sind es Menschen, die ins Risiko gehen und die Verantwortung übernehmen. Sei es für eine bestehende Belegschaft oder für das Team, das man aufbaut. So oder so muss man andere Menschen so für sich und sein Produkt begeistern, dass sie auf Dauer am Unternehmen teilhaben wollen. Und auch andere Eigenschaften sind vergleichbar: Man braucht Durchhaltevermögen, Biss, Haltung und die Beharrlichkeit, kein Nein zu akzeptieren, wenn man von einer Idee überzeugt ist.

Aber widersprechen sich die Philosophien nicht? Auf der einen Seite gibt es Traditionsfirmen, auf der anderen Seite die Suche nach dem schnellen Exit.
Das finde ich nicht. Ich bin aufgewachsen mit der DNA eines Familienunternehmens – das prägt mein Denken und Handeln. Start-up-Gründer sind Unternehmer der ersten Generation. Viele von ihnen wollen ein langfristiges Geschäft aufbauen, das sie auch weitergeben können. Natürlich ist eine digitale Plattform schnelllebiger als ein Stahlbetonwerk, was mehrere Generationen alt ist. Aber mir kommt es auf die Einstellung der Gründerinnen und Gründer an: Wollen sie nachhaltig etwas aufbauen? Dann können Familienunternehmen auch dabei helfen, eine langfristige Strategie zu entwickeln.

Und können Start-ups auch den Traditionsfirmen irgendetwas mitgeben?
Die Start-ups bringen oft eine Geschwindigkeit und eine „Ich probiere es mal aus“-Mentalität mit, die wir in Familienunternehmen häufig noch stärker gebrauchen könnten. Es gibt gerade im Moment viele Herausforderungen für bestehende Unternehmen. Da kann ein frischer Blick, eine andere Perspektive helfen, um die Transformation zu meistern.

Finden die Welten schon häufig genug zueinander?
Wir brauchen mehr Austausch zwischen Familienunternehmen und Start-ups. Die Generation der Nachfolgerinnen und Nachfolger bringt das manchmal schon mit, manche von ihnen sind ja selbst zum Gründer geworden oder beginnen Projekte gemeinsam mit Start-ups. Aber am Ende muss jede einzelne und jeder einzelne mehr raus und mehr in den Austausch zum Beispiel über Treffen und gemeinsame Veranstaltungen in Verbänden.

Wie passt Ihr Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ dazu?
Die „Höhle der Löwen“ hat sicher dazu beigetragen, dass Start-ups und Investments stärker in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Ich würde mir wünschen, dass das Unternehmertum noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Und ich wollte auch zeigen, dass ein Investor nicht unbedingt ein alter Herr im Anzug sein muss. Sondern es kann auch eine junge Frau sein, die die Gründerinnen und Gründer mit Netzwerk und Kapital versorgt.

Warum sind diese Botschaften wichtig?
Die Zahl der Gründungen ist rückläufig, auch die Suche nach Unternehmensnachfolgern wird immer schwieriger. Es ist wichtig, dass wir früh ansetzen und junge Menschen, die nicht aus einem Unternehmerhaushalt kommen, für diese Aufgabe begeistern. Dafür müsste man schon in der Schule ansetzen: Auch wenn der Papa Beamter ist, sollte ein Kind den Werkzeugkasten bekommen, mit dem es ein Unternehmen gründen kann.

Es gab also keine Zweifel für Sie, sich der Öffentlichkeit der TV-Sendung auszusetzen?
Natürlich musste ich ein paar Nächte darüber schlafen. Aber einige der „Löwen“, wie etwa Carsten Maschmeyer oder Dagmar Wöhrl, kannte ich schon – und wusste, wer mich im Studio erwartet. Am Ende war es aber eine Familienentscheidung. Wir investieren schließlich mit der Beteiligungsgesellschaft der Familie. Und da ist es schon etwas anderes, wenn man auf so eine Plattform geht, als wenn man die Investments im Stillen und ohne Öffentlichkeit macht. Aber dann habe ich gesagt: Ich mache es.

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Wie war die Erfahrung als „Löwin“?
Es hat sehr viel Spaß gemacht. Die Dreharbeiten gingen einen ganzen Tag lang, die einzelnen Pitches dauern je circa zwei Stunden. Da decken sich die Erfahrungen mit denen von anderen Pitches: Man weiß zunächst nicht, was für Gründer, was für eine Idee, reinkommt. Und dann wurde den Gründerinnen und Gründern auch wirklich die Zeit gegeben, auf jede Frage zu antworten.

Und was vom Gründeralltag kann das TV-Format nicht abbilden?
Man muss bei den Pitches vertrauen können. Die eigentliche Arbeit fängt im Nachgang der Aufzeichnung an. Da braucht man Zeit, um sich intensiv kennenzulernen, um die Idee zu verstehen, um eine Due Diligence zu machen. Da geht es dann erst richtig los.

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