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Schlafstörungen?Bei Prüfungsangst sind Bier und Kaffee kein Problem

Während der Prüfungsphasen leiden viele Studenten an Schlafstörungen. Doch das liegt keineswegs an zu viel Kaffee oder Alkohol. Das haben Forscher der Uni Regensburg herausgefunden. Viel entscheidender ist etwas anderes.Angelika Ivanov 23.11.2018 - 17:14 Uhr

Der wohl wichtigste Faktor für unruhige Nächte ist psychischer Stress - und nicht Kaffee.

Foto: dpa

Nachts lehnt sie am Fenster und raucht. „Alles andere macht mich nur verrückt“, sagt Katrin Winter. Die 26-Jährige ist gerade in den letzten Zügen ihres Medizinstudiums. Sie weiß theoretisch alles über Entspannungstechniken und Schlafhygiene. Doch vor Prüfungen ist sie nervös und raucht. Andere beruhigen sich mit Alkohol und putschen sich tagsüber mit Kaffee hoch.

Kein Problem, zeigt nun eine Studie der Universität Regensburg. Denn Alkohol und Kaffee haben keinen wesentlichen Einfluss auf unruhige Nächte. Das haben die Forscher der Fakultät für experimentelle Psychologie herausgefunden.

„Alkohol erleichtert das Einschlafen und verbessert die Tiefe des Schlafes in der ersten Hälfte der Nacht – solange man noch betrunken ist,“ erklärt Studienautor Matthias Zunhammer. „Sinkt im Schlaf der Alkoholspiegel in der zweiten Hälfte, zeigt der Körper jedoch Entzugserscheinungen und die Effekte schlagen ins Gegenteil um: Die Tiefe der Schlafstadien nimmt ab und die Schlafeffizienz sinkt. Das Ergebnis könnte die beschriebene zweischneidige Wirkung von Alkohol widerspiegeln.“

Um das herauszufinden haben 142 Studenten in einem Zeitraum von einem Jahr, also zwei Prüfungsphasen, Fragebögen zu ihrer Schlafdauer- und Qualität ausgefüllt und angegeben, wie viele Tassen Kaffee und Alkohol sie trinken und wie viele Zigaretten sie pro Woche rauchen.  

Dabei stellten die Forscher fest, dass Studenten während der Prüfungsphasen seltener zum Glas greifen, dafür aber mehr Kaffee trinken. In Zahlen: In der stressigsten Zeit haben die Studenten größtenteils zwischen zehn und 20 Tassen Kaffee pro Woche getrunken – also maximal drei Tassen pro Tag. Nur einige Ausreißer schaffen zwischen 40 und 60 Tassen, was sechs bis acht Tassen pro Tag entspricht. In ruhigen Phasen trank die Mehrheit zwei Tassen täglich. Also nur etwas weniger als während der Prüfungsphasen.

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Raucher durchleben beim Schlafen einen Mini-Entzug

Beim Alkohol zeigt sich ein entgegengesetztes Bild: Während vor und nach der Prüfungsphase gefeiert wird (zwischen fünf und 20 Gläsern Bier oder Wein die Woche, vereinzelt 30 bis 50), sind Studenten in der Prüfungsphase weitaus zurückhaltender. Dann trinken sie maximal zehn Bier pro Woche. Überraschenderweise blieb das Rauchverhalten während der Prüfungsphase unverändert.

Doch egal, wie viel Kaffee oder Alkohol sie zu sich genommen haben: die unruhigen Nächte ließen sich fast ausschließlich auf Angst vor der Prüfung und damit verbundenen Stress zurückführen. Dabei legen die Forscher die Vermutung nahe, dass Studenten während der Prüfungsphasen ständig über ein Thema grübelten oder an sich selbst zweifeln – was keine große Überraschung wäre. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer war davon betroffen. In anderen Phasen des Studiums schliefen dreiviertel der Studenten gut.

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Daher rät Zunhammer, vor allem in stressigen Zeiten auf die Schlafhygiene zu achten. Sprich: zur gleichen Zeit aufzustehen und ins Bett zu gehen, Nickerchen auf maximal 30 Minuten zu beschränken, regelmäßigen Sport, aber am besten nicht vier Stunden vor dem Schlafen gehen, und sich eine Stunde vor dem Einschlafen Ruhe zu gönnen und auf helles Licht von Displays zu verzichten.

Neben den trüben Gedanken hatte nur ein zusätzlicher Faktor Einfluss auf die Schlafqualität: das Rauchen. Studenten, die 20 Zigaretten pro Woche rauchten, litten viel eher an Schlafstörungen. Eine Studie der medizinischen Fakultät der Uni Freiburg zeigt, warum. Das Nikotin wirkt aufputschend und setzt die Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin frei, die das vegetative Nervensystem anregen. Da es aber nur zwei bis vier Stunden im Körper bleibt, durchlebt der Raucher im Schlaf eine Art Mini-Entzug. Diese Wechselwirkung führt dazu, dass sie unruhiger schlafen und doppelt so häufig an Schlafstörungen leiden wie Nicht-Raucher.

Medizinstudentin Katrin Winter kennt die Folgen ihrer Gute-Nacht-Zigarette. Sie sind ihr jedoch egal. „Mich beruhigt es. Auch wenn die Biologie was anderes sagt.“ Sie hat sich damit abgefunden, dass sie in den Prüfungsphasen schlechter schläft, als sonst. Aber sie überlegt, in Zukunft autogenes Training auszuprobieren.

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