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Studium Jura-Repetitorien sind extrem teuer – aber lohnen sie sich auch?

Umfallender Bücherstapel Quelle: Getty Images

Die meisten Jura-Studenten bezahlen viel Geld für die Examensvorbereitung. Warum sie auf kommerzielle Repetitorien setzen und was Unis tun könnten, um attraktiver zu werden.

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Repetitorien sind wie Bootcamps – vorne steht der Trainer, hinter ihm büffeln die Studenten bis zum Umfallen. Sophia von Bültzingslöwen, Jura-Absolventin der Humboldt-Universität Berlin, erinnert sich noch gut an die Zeit vor dem Jura-Examen. „Am Anfang war ich ziemlich faul, aber in der heißen Phase vor den Prüfungen waren 50 bis 60 Stunden Lernzeit pro Woche ganz normal.“ Sie hat sich unter anderem bei „Jura Intensiv“ vorbereitet, einem kommerziellen Anbieter von Jura-Repetitorien. Gut 1800 Euro hat sie das gekostet.

Wie Bültzingslöwen halten es viele Studierende. Das letzte Jahr an der Uni ist für sie nicht nur besonders anstrengend, sondern auch teuer. Generationen von Juristen gehen zum Repetitor, um für das Staatsexamen zu lernen. Sie sind Dienstleister, die Studenten auf die Prüfungen vorbereiten, Lernmaterial anbieten oder sie bei Seminararbeiten betreuen. Bereits Goethe und Bismarck bereiteten sich in Repetitorien auf ihr Staatsexamen vor.

Die Vorstellung, den Stoff des gesamten Studiums jemals vollständig zu beherrschen, beunruhigt viele Studenten schon im ersten Semester. Der Lernaufwand ist groß, die Vorbereitung dauert lange. Denn die Kandidaten müssen sämtliche Rechtsbereiche in der Staatsprüfung beherrschen.

Repetitoren sollen diese Lernleistung erleichtern und die Kandidaten im Eiltempo prüfungsreif machen. Die Unterrichtsform ist verschult. In einem Klassenzimmer sitzen rund 30 Personen, die Lehrer kennen die Studenten beim Namen, stellen Fragen, verteilen Arbeitsblätter und Hausaufgaben. Studentische Freiheit Fehlanzeige. Doch gerade der äußere Druck ist die Motivation vieler, an den Kursen teilzunehmen. Knapp 2000 Euro kostet der einjährige Kurs beim Anbieter Alpmann Schmidt. Ob die teuren Kurse aber auch notwendig sind, darüber streiten sich immer mehr Fachleute. 

Georgios Gounalakis etwa, Zivilrechtsprofessor an der Universität Marburg, erklärt: „Die Studenten beruhigen sich damit, dass sie zu einem teuren Repetitor gehen. Denn nur was Geld kostet, kann gut sein, denken viele. Die Repetitoren leben vom Geschäft mit der Angst.“ Sophia von Bültzingslöwen beobachtet ähnliche Tendenzen. „Die Reps versuchen oft, die Examens-Themen vorherzusagen und mit Intensiv-Trainings für mehrere hundert Euro kurz vor dem Examen Kasse zu machen.“

Die Rechnung geht in einigen Fällen auf: „Über 75 Prozent meiner Schüler bestehen das Examen mit der Note Vollbefriedigend“, sagt der Privatrepetitor Harald Langels. Die Marke Vollbefriedigend ist die Eintrittskarte in viele Großkanzleien. Auch Richter brauchen je nach Bundesland zumindest in einem Examen dieses Niveau. Das setzt unter Druck – und motiviert zugleich.

Großrepetitorien wie Alpmann Schmidt und Hemmer haben etwa 40 Standorte in ganz Deutschland verteilt. In vielen Städten, in denen man Jura studieren kann, gibt es auch einen Alpmann Schmidt Niederlassung, erklärt Thomas Kuglin, Rechtsanwalt und Repetitor bei Alpmann Schmidt. Schon im ersten Semester verteilen die Repetitoren kostenfreies Lernmaterial und machen so auf sich aufmerksam. Wer am Ende des Studiums teilnimmt, geht ein Jahr lang drei Tage pro Woche zu den Kursen. Darüber hinaus gibt es einmal wöchentlich eine fünfstündige Probeklausur auf Examensniveau. Pro Jahr kostet das Gesamtpaket 1920 Euro – Rabatte bekommt, wer den Jahresbetrag zu Beginn des Kurses in voller Höhe zahlt. „Das ist eine Stange Geld, das aber gut investiert ist“, erklärt Kuglin. Denn mit dem Examen lege man den Grundstein für die künftige Karriere. Wenn man erstmal im Berufsleben angekommen sei, habe man die 2000 Euro schnell wieder eingenommen. Er untermauert seine These mit verlockenden Gehältern für Absolventen. „Bis zu 140.000 Euro Einstiegsgehalt wurden in einer renommierten Großkanzlei gezahlt.“

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