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Glassdoor Der Firmen-Durchleuchter kommt nach Deutschland

Wie gut ist mein Arbeitgeber? Wie steht das Unternehmen da? Was verdient mein Kollege und was zahlt der Wettbewerber um die Ecke? Die Internetplattform Glassdoor verrät, was Chefs lieber verschweigen.

Was junge Deutsche von Arbeitgebern erwarten
Talent Economy Quelle: dpa
Selbstbewusste Millennials Quelle: dpa
Geld, Abwechslung und Sicherheit Quelle: Fotolia
Weiterbildungsangebote Quelle: Fotolia
Ein Problem, das gerade mittelständische Unternehmen haben, ist dass die jungen Fachkräfte lieber nach Berlin oder Frankfurt wollen, als auf die schwäbische Alb. Quelle: Fotolia
Urlaubsgeld ist 78,8 Prozent der jungen Fachkräfte bei einem Unternehmen "wichtig" oder "sehr wichtig". Quelle: dpa
Betriebliche Altersvorsorge: 74,4 Prozent finden außerdem eine betriebliche Gesundheitsvorsorge attraktiv. Quelle: Fotolia

SAP-Chef Bill McDermott steht noch gut da: Unter seinen Mitarbeitern hat er eine Zustimmungsrate von 91 Prozent. Doch nur 82 Prozent würden einem Freund empfehlen, sich bei SAP zu bewerben. Und die Unsicherheit im Unternehmen über die Zukunft wächst: Nur 53 Prozent der Unternehmens-Insider auf Glassdoor wollen dem Walldorfer Software-Konzern einen positiven Geschäftsausblick attestieren. Anfang 2013 lag der Wert noch über 80 Prozent. Bei Google sieht es etwas anders aus: 96 Prozent der Mitarbeiter, die sich anonym zu Wort melden, haben volles Vertrauen in ihren Chef Larry Page, 93 Prozent würden ihrem Freund zu Google raten. Die Geschäftsaussichten halten 80 Prozent für rosig. Informationen, die für einen Jobsuchenden wertvoll sein können.

Über den zukünftigen Arbeitgeber wissen Mitarbeiter nichts

Während im Internet alles – von der Versicherung über das Krankenhaus bis zum Hotel – vergleichbar, transparent und bewertbar ist, treffen immer noch Millionen Menschen eine ihrer wichtigsten Entscheidungen praktisch ohne Informationen. Es ist die Wahl des Arbeitgebers. Über dem Arbeitsmarkt ruht das Mäntelchen des Schweigens. Über Gehälter wird nicht gesprochen, Jobanzeigen malen ein rosarotes Bild, Probleme am Arbeitsplatz finden höchstens im engsten Freundeskreis Erwähnung, Kritik am System ist oft intern nicht erwünscht.

Worauf die Deutschen bei einem neuen Job Wert legen

Robert Hohman will das ändern. 2007 gründete er Glassdoor, die Seite für anonyme Firmenbewertungen durch Insider. Das ist wie die Kaffeeküche im Internet, der Flurfunk für alle zum Mithören. Hier gibt es alles zu lesen, die Vorteile und die Nachteile, die Spannbreite der Gehälter, aufgeteilt nach Berufsgruppen. Alles beschrieben aus der persönlichen Sicht von Mitarbeitern, Ex-Mitarbeitern oder Nicht-Mitarbeitern. Denn Tausende stellen auch nur ihre Bewerbungsgespräche auf die Seite und dokumentieren die Fragen, die ihnen da gestellt wurden. Das hilft wiederum Interessenten, sich vorzubereiten.

Heute startet Glassdoor seine deutsche Seite. Wer sich anmeldet, findet zunächst Informationen, Gehaltslisten und Bewertungen zu rund 6.500 deutschen Unternehmen von Siemens über Deutsche Bank bis Adidas und 500.000 offene Stellen im Stellenmarkt, verspricht Mitgründer Hohman im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das sind 30.000 Datensätze, die tausende Mitarbeiter größtenteils auf Deutsch auf der US-Seite eingegeben hatten. „Zum Start 2007“, erinnert sich Hohman, „hatten wir innerhalb von 24 Stunden Beiträge aus 100 Ländern“. Nach seiner Zeit bei Microsoft, wo er Windows 95 mitentwickelte, wechselte d Software-Spezialist ins Internetgeschäft, war einer der ersten Mitarbeiter bei Expedia.com und zuletzt Präsident des Reiseportals Hotwire. Die Übertragung der Transparenz der Hotelbranche auf den Arbeitsmarkt ist die treibende Idee hinter Glassdoor.


Google führt die Bestenliste an

Die Ergebnisse sind dabei schon mal überraschend. So liegt das Gehaltsniveau für einfache Programmierer beim Webgiganten Google zwischen 88.000 Dollar im Jahr und 228.000 Dollar. Das geht aus 4.600 anonym mitgeteilten Gehaltsdetails hervor. Aber nicht nur Zahlen und Fakten finden den Weg ins Internet. Da werden unverhohlen Fähigkeiten von Vorgesetzten angezweifelt, Klagen über völlige Arbeitsüberlastung sind zu hören, chaotische Management-Strukturen werden angeprangert.

Die beliebtesten Arbeitgeber der angehenden Ingenieurswissenschaftler
Shell-Logo Quelle: Reuters
Sony Quelle: dpa
Siemens Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
IBM Quelle: dpa
GE Quelle: dpa
Apple Quelle: dpa

Die Liste der 50 besten Arbeitgeber in den USA laut Glassdoor führt Google an vor Bain & Company, gefolgt von Nestlé Purina PetCare. Apple schafft es zum Beispiel nicht einmal unter die Top 20. Die zahlreichen Bewertungen fügen sich zum Bild eines von seinen Mitarbeitern angebeteten Unternehmens zusammen, das hervorragende Arbeitsbedingungen und Leistungen bietet, aber im Gegenzug völlige Hingabe bis zur faktischen Aufgabe des Privatlebens fordert.

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