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Beiräte Wie Mittelständler von externen Beratern profitieren

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Sparringspartner auf Augenhöhe

Inhaber von Interlübke: Leo Lübke, Beirat: Heribert Meffert - Möbel mit

Diese Beiräte sind längst mehr als bloß trinkfreudige Rotweinrunden, die in erster Linie dazu dienten, dem Steuerberater oder dem Golffreund ein Ehrenpöstchen in einer Runde zuzuschanzen, die sich einmal im Jahr unverbindlich zu Schönwetterthemen äußerte.

Heute gelten Beiräte als Sparringspartner auf Augenhöhe, die vom Unternehmenschef bewusst dazu aufgefordert werden, unverhohlen ihre Meinung zu äußern und mitzuwirken, wenn entscheidende Weichen für die künftige strategische Ausrichtung ihres Unternehmens zu stellen sind – nicht selten ausgestattet mit Befugnissen, die denen ordentlicher Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen immer näher kommen.

Einspruch erwünscht

„Die Überzeugung, dass ein Beirat überflüssiges Schmuckwerk ist, gilt bei vielen Mittelständlern als überholt“, sagt Tom Rüsen, geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen. „Wer wegweisende strategische Entscheidungen auf professioneller Grundlage treffen will, umgibt sich heute zunehmend mit einer Gruppe qualifizierter externer Berater, die dem Inhaber auch Paroli bieten können.“

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Standort erkennen

    Eine Erkenntnis, die jüngst auch beim Duisburger Mischkonzern Haniel angekommen ist, zu dem unter anderem die Handelsketten Metro, Kaufhof und Media Markt sowie der Pharmagroßhändler Celesio gehören.

    Vor Kurzem hatte das traditionell so verschwiegene Familienunternehmen angekündigt, erstmals in seiner über 255-jährigen Geschichte zusätzlich zum Aufsichtsrat externe Experten in seine Führungsgremien zu holen. Neben dem Aufsichtsrat ist bei Haniel der „Kleine Kreis“ aus der Gesellschafterversammlung das zentrale Entscheidungsgremium, das etwa den Vorstandschef bestimmt. Wenn deren 650 stimmberechtigte Familienmitglieder im April zustimmen, sollen ab 2013 auch Familienfremde über die Geschicke der Firma mitbefinden.

    Und beim Dübelhersteller Fischer wacht nach dem Generationenwechsel nicht nur Firmengründer und Ex-Chef Klaus Fischer über seinen Sohn und Nachfolger Jörg Klaus sowie die künftige Entwicklung des Unternehmens. Im vergangenen Juni stieß Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in den Beirat.

    Nach diesen Kriterien suchen Mittelständer ihre Beiräte aus.

    Dass sich Interlübke, Fischer und Haniel mit ihren Überlegungen in bester Gesellschaft befinden, bestätigen zwei Studien, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegen und die erstmals Licht in dieses wissenschaftlich bislang kaum erforschte Feld dringen lassen.

    Nach einer Untersuchung der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach (FHDW) im Auftrag der Personalberatung Gemini Executive Search leisten sich 56 Prozent der knapp 1.500 befragten Mittelständler mit 50 bis 500 Millionen Euro Umsatz aus freien Stücken solch einen Beirat, obwohl sie dazu keineswegs verpflichtet sind. 57 Prozent dieser Beiräte haben vier bis neun Mitglieder, 18 Prozent sogar zehn und mehr.

    Am liebsten umgeben sich die Chefs dieser Unternehmen mit ihresgleichen, suchen Rat bei anderen Unternehmern (74 Prozent) oder Profis aus der gleichen Branche (69 Prozent). Nur jeder vierte sucht explizit nach einem Juristen.

    Wer es in eine solche Ratgeberrunde geschafft hat, muss es nicht bei Sonntagsreden belassen: 58 Prozent der Beiräte können bei der Berufung und Abberufung des Geschäftsführers ebenso mitbestimmen wie bei größeren Investitionen oder haben Vetorechte in Strategiefragen.

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