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Management-Moment der WocheMusk gesteht Überforderung – sollte ein Chef sowas sagen?

Elon Musk gesteht Schwierigkeiten ein, seine Aufgaben als Firmenchef mit seiner neuen politischen Rolle zu vereinen. Wie wirkt das auf Mitarbeiter?Leonard Knollenborg 16.03.2025 - 11:27 Uhr aktualisiert
Elon Musk bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus. Foto: AP

Das ist passiert

Ein Tag im Leben von Elon Musk hat auch nur 24 Stunden. Das hat der Tech-Milliardär und Chef der von US-Präsident Donald Trump eingerichteten Abteilung für Regierungseffizienz (DOGE) nun eingestanden. Auf die Frage, wie es ihm gelinge, neben den politischen Aufgaben noch seine Unternehmen zu führen, antwortete Musk in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender Fox Business überraschend ehrlich: „Mit großen Schwierigkeiten“. Dann lachte er unsicher.

Tatsächlich läuft es vor allem bei Tesla alles andere als rund. Die Aktie des Autobauers hat seit ihrem Hoch im Dezember mehr als die Hälfte des Wertes verloren. Auch die Absatzzahlen schwächeln: Im Januar hat Tesla in Europa 45 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Sollte ein Chef in so einer Phase Schwächen zugeben?

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Den Ansatz von Musk findet Magdalena Bathen-Gabriel grundsätzlich richtig. „Es ist immer besser, Probleme offen anzusprechen“, sagt die Professorin, die an der IU Internationalen Hochschule in Bad Honnef zur Personalentwicklung forscht. „Das bloße Gefühl, dass etwas nicht stimmt, verunsichert Beschäftigte viel mehr.“

Führungskräfte sollten die Angestellten nicht mit der Problembeschreibung allein lassen
Magdalena Bathen-Gabriel
Wirtschaftspsychologin

Zudem strahlt die Offenheit von Chefs aufs Unternehmen ab. Denn dass ihr Verhalten ihre Mitarbeiter stark beeinflusst, hat die Forschung vielfach belegt – so zeigt zum Beispiel eine Studie der Universität Leipzig: Wenn Führungskräfte trotz Erkrankung arbeiten, tun das auch ihre Angestellten häufiger. Auch deshalb sei es gut, wenn Chefs über ihre eigenen Grenzen sprechen, meint Bathen-Gabriel. „Das fördert die Fehlerkultur und Transparenz im Unternehmen.“ Mitarbeiter sind dann ebenfalls eher bereit, Probleme frühzeitig anzusprechen – wodurch Schaden vom Unternehmen abgewendet werden kann. Allerdings sollten Chefs dabei zwei wesentliche Punkte beachten:

1. Probleme mit konstruktiver Botschaft verbinden

Schwierigkeiten zu erkennen und zu benennen, ist nur der erste Schritt. Wenn daraus nichts folgt, kann das die Belegschaft verunsichern. „Führungskräfte sollten die Angestellten nicht mit der Problembeschreibung allein lassen“, warnt Bathen-Gabriel. Es gehört auch eine konstruktive Botschaft dazu: Was tue ich, um die Probleme zu lösen? Das fehlte bei Musk. Das Eingeständnis einer Überforderung hätte er mit der positiven Nachricht verknüpfen können, dass er Aufgaben künftig stärker delegieren wird. Und dass er seinem Team zutraut, seine Lücke zu füllen – was zugegebenermaßen eine eher untypische Musk-Aussage wäre.

So wurde Elon Musk zum Multimilliardär
Elon Musk wurde 1971 im Südafrikanischen Pretoria als Sohn seiner kanadischen Mutter Maye Musk und seines südafrikanischen Vaters Errol Musk geboren. Bereits in seiner Kindheit entwickelte er ein großes Interesse fürs Programmieren, sodass er mit zwölf Jahren sein erstes Computerspiel entwickelte und für 500 Dollar verkaufte. Kurz vor seinem 18. Geburtstag wandert er nach Kanada aus, um der südafrikanischen Wehrpflicht zu entgehen. Nach zwei Jahren an der Queens University im kanadischen Kingston wechselt er an die University of Pennsylvania, wo er seinen Bachelor in Physik und Wirtschaft abschließt. Sein anschließendes Studium an der Stanford University in Kalifornien brach er nach nur zwei Tagen ab und widmete sich seinem ersten Start-up Zip2.
Das Internet-Medienunternehmen Zip2 wurde von Musk, seinem Bruder Kimbal und Greg Kouri gegründet. Sie entwickelten eine Online-Stadtführer-Software, die sie an Zeitungen lizenzierten. 1999 wurde es für 305 Millionen Dollar von Compaq Computer übernommen. Musk erhielt für seine Anteile 22 Millionen Dollar.
Musk startete den Online-Bezahldienst X.com, aus dem später PayPal wurde. 2002 kaufte eBay die Firma für 1,5 Milliarden Dollar. Musk kassierte für seine Anteile knapp 175 Millionen Dollar.
Mit 100 Millionen Dollar aus seinem eigenen Vermögen gründete er das Raumfahrtunternehmen SpaceX. Mehrere Fehlstarts führten dazu, dass Musk und seinem Unternehmen fast das Geld ausging. Doch nach dem erfolgreichen Start der Falcon 1 erhielt SpaceX 1,6 Milliarden Dollar für 12 Flüge von der NASA. In den folgenden Jahren arbeitete das Unternehmen an wiederverwendbaren Raketen. Im Jahr 2020 brachte SpaceX als erstes Privatunternehmen Astronauten zur ISS.
Musk beteiligt sich zuerst als Investor am Elektroautohersteller und wird später Mitgründer und CEO. Teslas erstes E-Auto war der Tesla Roadster aus dem Jahr 2008. 2012 begann Tesla dann mit der Auslieferung ihrer Model S Limousine. In den folgenden Jahren stieg Tesla zum wertvollsten Autohersteller der Welt auf. Durch den stark steigenden Kurs der Teslaaktie vervielfachte sich auch das Vermögen von Großaktionär und CEO Elon Musk.
2006: Musk kofinanzierte das Solar-Start-Up SolarCity seiner beiden Cousins. Der Anbieter für Solaranlagen wurde 2016 von Tesla übernommen. 2015: OpenAI wurde gegründet, um an künstlichen Intelligenzen zu forschen. Musk finanzierte das Projekt zusammen mit anderen Investoren. 2016: Musk gründete Neuralink, welches die Vernetzung des menschlichen Gehirns mit Maschinen vorantreibt. 2016: Das von Musk gegründete Unternehmen The Boring Company hat sich zum Ziel gesetzt, unterirdische "Hyperloop"-Tunnelsysteme zum schnellen Transport zwischen Städten wie New York und Washington zu errichten.
Im Oktober 2022 übernahm Elon Musk den Kurznachrichtendienst Twitter für knapp 44 Milliarden US-Dollar. Infolge seiner Übernahme entließ er einen großen Teil der Belegschaft und baute die in X umbenannte Plattform seitdem nach seinen Vorstellungen um. Seitdem geht es stetig bergab: Die Nutzerzahlen sanken rapide, Werbekunden brachen weg und Musk hat Milliarden an Schulden aufgeladen.(Stand: März 2024)

2. Die eigenen Gefühle regulieren

Nicht nur das Verhalten von Chefs, auch ihre Emotionen färben ab. Dieses Phänomen der „Stimmungsansteckung“ beschreibt der US-amerikanische Psychologe Daniel Goleman in seinen Büchern: Wenn Chefs launisch, gestresst oder niedergeschlagen wirken, überträgt sich das auf ihre Mitarbeiter – größtenteils unbewusst, durch neurologische Prozesse.

Die eigene Überforderung zu thematisieren ist zwar gut, überfordert zu wirken dagegen eher nicht. „Es gibt einen Unterschied zwischen Offenheit und ungefilterten emotionalen Ausbrüchen“, stellt Wirtschaftspsychologin Bathen-Gabriel fest. Führungskräfte sollten ihre eigenen Emotionen also erkennen und regulieren, bevor sie sich an ihre Mitarbeiter wenden. Oder bevor sie ein Fernsehinterview geben.

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