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Frauenförderung "Wir dürfen Männer nicht ausgrenzen"

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Zeitalter der Frauenquote

Können Sie sich doch gar nicht leisten im Zeitalter der Frauenquote.

Doch. Zuletzt hat uns das Bundesfamilienministerium zum wiederholten Mal als einen der frauenfreundlichsten Arbeitgeber ausgezeichnet – ganz ohne besondere Förderprogramme. Offenbar haben wir es geschafft, gegen gedankliche und sprachliche Klischees anzugehen.

Klischees, mit denen Sie groß geworden sind.

Und gegen die ich mein Leben lang angegangen bin. Etwas zu tun, weil es alle machen, war für mich nie ein Argument. Weil ich mich etwa immer gern mit Mathematik und Naturwissenschaften beschäftigt habe, ging ich in den Physik-Leistungskurs – als einziges Mädchen.

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Wie fanden Ihre Eltern das?

Okay. Aber ich komme aus kleinbürgerlichen Verhältnissen – nach dem Abitur hätten sie es gerne gesehen, wenn ich eine Lehre gemacht, ein bisschen gearbeitet und Kinder gekriegt hätte. Ich wollte aber studieren.

Und warum ausgerechnet Informatik?

Aus pragmatischen Gründen: Weil mein Lieblingsfach Biologie damals überlaufen war. Weil ich etwas Technisches studieren wollte, auf Maschinenbau, Elektrotechnik oder Mathe-Lehramt aber keine Lust hatte. Weil Informatik neu war und ich an der Fachhochschule schnell fertig werden konnte. Und weil ich nicht machen wollte, was alle machen – neben mir gab es an der FH Darmstadt zwei Kommilitoninnen unter knapp 70 Studenten. Wir galten als die Exoten der FH. Damentoiletten gab’s damals nur auf jedem zweiten Stock, von den Professoren wurden wir gern kollektiv begrüßt mit „Meine Herren“. Da wusste man manchmal nicht, ob man lachen oder weinen sollte.

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Wie haben Sie das ausgehalten?

Es hat mich schon geärgert, aber rückblickend war es eine gute Lehrzeit: Ich wollte nicht den angepassten Weg gehen, habe gelernt, Sprüche und Zweifel auszuhalten, mich gegen Widerstände durchzusetzen, mich aber auch zur rechten Zeit zurückzunehmen. Ich hinterfrage immer wieder, ob das, was ich tue, richtig ist. Gleichzeitig versuche ich, mich von der Meinung anderer unabhängig zu machen und Hürden aus dem Weg zu räumen. Wer nie Widerstände überwinden muss, weiß nicht, was er will.

Sie waren mit Anfang 40 im Vorstand von GFT. Wollten Sie unbedingt Karriere machen?

Nein. Ich wollte studieren, ein paar Jahre arbeiten und eine Familie gründen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass Informatiker gefragt waren. Für Praktika und freie Mitarbeit gab’s mit im Schnitt 40 Mark Stundenlohn drei Mal so viel wie für klassische Studentenjobs, dazu freie Wahl der Arbeitszeit.

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Sie haben das Studium als Jahrgangsbeste abgeschlossen und sich selbstständig gemacht. Hatten Sie keine Angebote?

Doch, ich bekam bei jeder Bewerbung ein Vorstellungsgespräch, unter anderem bei BASF – zur Freude meines Vaters, der dort mehr als 30 Jahre gearbeitet hatte. Der Job klang gut, das Geld hat auch gestimmt – aber als mir der Personaler sagte, dass ich als Frau mit FH-Abschluss maximal Unterabteilungsleiterin werden könne, habe ich abgelehnt.

Weil Sie Größeres vorhatten?

Nein. Weil ich mir nicht schon wieder sagen lassen wollte, wie die Welt funktioniert. Das kam mir alles so bourgeois vor. Also habe ich mit einem Kommilitonen eine GmbH für Bausoftware gegründet, da war ich 23 und wegen der Firmeneinlage hoch verschuldet. Wir hatten aber rasch Aufträge über mehrere Hunderttausend Euro, haben auf der Cebit ausgestellt und mit Hewlett-Packard kooperiert. Nach drei Jahren bin ich ausgestiegen, habe bei einer Beratung angefangen – und bin in der Probezeit wieder gegangen.

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