Mode von Managern: Was der Stil einer Person im Berufsleben aussagt
Zum Sakko greift Adidas-CEO Björn Gulden (links) seltener als sein Vorgänger Kasper Rorsted (rechts).
Foto: DPA/Picture-AllianceKleider machen Leute, sagt ein bekanntes Sprichwort. Und auch heute noch wird viel über die Outfits und das Auftreten von Menschen in der Öffentlichkeit diskutiert.
So auch über den Stilwechsel des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg. Lange Zeit war der Meta-CEO für die unauffällige Kombi aus Turnschuhen, Jeans und grauen T-Shirts bekannt. Für wichtigere Termine griff er auch schon mal zum schwarzen Anzug. Sein Motto: Understatement statt großer Markennamen. Er wolle morgens nicht über seine Kleiderwahl nachdenken müssen, sagte Zuckerberg über seinen Modestil.
Doch nun tritt Zuckerberg anders auf – modisch mutiger. Seine Haare trägt er nicht mehr kurz geschnitten, sondern er präsentiert die längeren Locken. Mal zeigt er sich im coolen Oversize-Shirt mit großem Schriftzug, mal sogar mit Goldkette.
Meta-CEO Mark Zuckerberg hat seinen praktischen Look gegen etwas weniger Understatement eingetauscht.
Foto: DPA„Erst wenn wir unabhängig von der Meinung anderer sind, sind wir auch stilistisch frei. Wenn man den Zenit seiner Karriere erreicht oder überschritten hat, kann man sich Dinge erlauben, die vorher nicht möglich waren“, ordnet Stilberaterin Katharina Starlay die Veränderung des Meta-CEOs ein.
Die „New York Times“ schreibt, dass Zuckerbergs neue Vorliebe für Print-Shirts ein Zeichen für sein Streben nach Macht sei. So steht auf einem seiner T-Shirts der lateinische Aufdruck „Aut Zuck, aut nihil“, was so viel bedeutet wie „Entweder Zuck oder nichts“.
Dresscode je nach Anlass
Das liege vor allem daran, dass der Körper heute zu einer Art Statussymbol geworden sei. Genauso wie teure Autos und Uhren spielt heutzutage auch das eigene Aussehen und Auftreten eine größere Rolle. Der Grund dafür: die sozialen Medien. „Mit seinem neuen Stil versucht Zuckerberg vor allem eine junge Zielgruppe zu erreichen“, erklärt die Beraterin für Unternehmen.
Auffällig ist auch die Kleidungswahl des ehemaligen Adidas-Chefs Kaspar Rorsted. Anders als Zuckerberg gab es keine einmalige, grundlegende Stil-Veränderung, sondern je nach Terminart kleidet er sich verschieden. Bei formellen Anlässen erscheint Rorsted im Anzug, bei lockeren PR-Events in sportlicher Kleidung. Ähnlich verhält sich auch sein Nachfolger Björn Gulden.
Die Topmanager Björn Gulden und Kaspar Rorstedt ziehen den Trainingsanzug vor – aber sie können auch anders.
Foto: DPA/Picture-AllianceGulden trägt häufiger Trainingsanzug oder Trainingsjacke. Zum Sakko greift er seltener. Das hat vor allem mit Identifikation zu tun. Wenn Markenchefs in der Kleidung ihres Unternehmens auftreten, verkörpern sie damit die Marke selbst.
Der Apple-Mitgründer Steve Jobs war für seinen schwarzen Rollkragenpullover bekannt.
Foto: dpaMicrosoft-Gründer Bill Gates ist ebenfalls für seine Pullover bekannt. Oft trägt er einen schlichten Wollpullover mit Hemd darunter. Inzwischen sieht man den 69-Jährigen häufiger im Anzug – mal mit, mal ohne Krawatte. „Bei Gates hat sich in den letzten Jahrzehnten und mit zunehmendem Wohlstand ein Stil durchgesetzt, der zu ihm passt. Wahrscheinlich ist er gar nicht so der junge Hippie, sondern legt eher Wert auf Konventionen und Gesellschaft“, vermutet Starlay. Das trage er nun nach außen.
Anders sieht es bei Frauen in der Wirtschaft und Politik aus. Hier lässt sich über die Zeit nur selten ein Wandel erkennen. Tina Müller, Chefin des Kosmetikherstellers Weleda, oder Claudia Nemat, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom, setzen seit Jahren auf ein gleichbleibendes Styling. Ein Beispiel aus der Politik ist Sahra Wagenknecht. Sie tritt in farbigen Kostümen auf. Die wenige Variation hat auch einen Hintergrund, erklärt Starlay: „Die meisten Frauen in der Politik und Wirtschaft haben einen Stilberater an ihrer Seite, wenn sie in größere Aufgaben hineinwachsen.“
„Kleidung bekommt dann etwas Regulierendes“
Allerdings glaubt Starlay, dass durch die gleichbleibende, oft monochrome Kleiderwahl immer etwas von der Persönlichkeit zurückbleibe. „Kleidung bekommt dann etwas Regulierendes.“ Das lässt sich auch bei Annalena Baerbock erkennen. Bevor die heutige Außenministerin in ihr Amt kam, kleidete sie sich verspielter. Anfang der 2010er Jahre trug sie noch bunte Muster und Lederjacke. Heute sieht man sie mit uni- und feminin-klassischen Schnitten.
Ob sich die Politikerin auch privat so kleiden würde, zweifelt die Expertin an. „In politischen Ämtern kommt immer der Dresscode ins Spiel. Er ist eine Form des Schutzes, so wie Kleidung überhaupt schützen kann und die Rolle in den Vordergrund stellt“, erklärt Starlay.
Der Kleidungsstil von Annalena Baerbock ist über die Jahre formeller geworden.
Foto: DPA/Picture-AllianceVon der Kleiderwahl bekannter Persönlichkeiten können auch Angestellte und das mittlere Management etwas für ihre Karriere lernen. Zum einen kann der Kleidungsstil der Führungskraft viel über das Team und das Unternehmen aussagen. „Über die Sprache der Kleidung können Bewerber auch die kulturelle Ausrichtung eines Unternehmens kennenlernen“, erklärt Starlay. Passt das Erscheinungsbild des Unternehmens zu meinen Vorstellungen? Erscheint beispielsweise die Führungskraft im Anzug zum Vorstellungsgespräch, während alle anderen Mitarbeiter im Büro leger gekleidet sind, kann das auf eine höhere Hierarchie hindeuten. Möchte sich der Bewerber lieber auf Augenhöhe präsentieren, sollte er weitersuchen.
So kleiden Sie sich für Ihre Karriere
Das Outfit der Führungskraft kann aber auch dabei helfen, den richtigen Style für sich selbst bei der Arbeit zu finden. Dafür sind laut Starlay drei Fragen entscheidend:
- Welche Dresscodes sind für welche beruflichen Anlässe richtig?
- Wie formell muss und wie lässig darf es sein? Was erwarten unsere Kunden von mir – und was meine Mitarbeitenden?
- Und: Was steht mir, zeigt so viel Persönlichkeit wie nötig und schenkt mir Wohlbefinden?
Mithilfe des Dresscodes können sich Arbeitnehmer an bekannten Managern oder Politikerinnen ein Beispiel nehmen. Arbeiten sie beispielsweise für ein jüngeres Unternehmen mit flachen Hierarchien können sie sich Mark Zuckerberg als Vorbild nehmen.
Bei der zweiten Frage können sich Manager gut an Kaspar Rorsted und Björn Gulden orientieren. Sie zeigen, dass es möglich ist, sowohl sehr formell aufzutreten – beispielsweise bei Kundenterminen – oder auch mal mit Hoodie und T-Shirt im Büro rumzulaufen.
„Den eigenen Stil zu entwickeln, verlangt einen klaren Blick auf das Umfeld, die eigenen Ziele und sich selbst“, fasst die Stilberaterin zusammen. Denn die Diskussionen um Zuckerbergs verändertes Aussehen zeigen auch heute noch, dass Kleidung eben Leute macht.
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