Summer School ☀️: Wie groß ist Ihr Stressrisiko?
Die Abgabefrist rückt immer näher, der Stapel an unbeantworteten Mails wächst – und dann stellt der Vorgesetzte auch noch ständig neue Forderungen. Der Stresspegel ist hoch in den deutschen Büros. Und gerade einmal jeder Fünfte schafft es, einen gesunden Umgang mit den stetig steigenden Anforderungen zu finden. Das geht aus dem aktuellen Report der DKV, einem der größten Krankenversicherer Deutschlands, hervor, für den 2800 Menschen befragt wurden. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung vor 15 Jahren.
Wer über einen ausgedehnten Zeitraum starkem Leistungs- und Zeitdruck ausgesetzt ist, dem drohen zahlreiche gesundheitliche Folgen. Denn in stressigen Situationen schüttet der Körper das Hormon Cortisol aus. Erst einmal fühlt man sich dadurch wie unter Strom gesetzt. Puls und Atemfrequenz gehen nach oben und die Leistungsfähigkeit steigt kurzfristig.
Hält dieser Zustand jedoch für längere Zeit an, entsteht negativer Stress: Die Konzentration sinkt, Informationen sind schlechter abrufbar, die Fehlerquote steigt. Auf lange Sicht kann ein erhöhter Cortisolspiegel zu Schlafstörungen, Stoffwechselproblemen und Stimmungsschwankungen führen. Viele geraten in eine Abwärtsspirale: Einerseits versuchen sie, immer mehr zu leisten, andererseits schwinden die körperlichen und psychischen Kräfte. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Burn-out kommen. „Milliarden gehen jedes Jahr verloren, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausbrennen“, sagt Claas Lahmann, der ärztliche Direktor der Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg.
Zu Stress am Arbeitsplatz hat die Sozialpsychologin Anja Chevalier, die an der Deutschen Sporthochschule zu Köln lehrt, schon 2015 eine Untersuchung durchgeführt. Rund 500 Erwerbstätige wurden darin befragt, wie flexibel ihre Arbeitszeiten geregelt sind und ob sie in ihrem Job große Handlungsspielräume haben. Außerdem wurde gemessen, wie gut die Kommunikation von Zielen und Anforderungen zwischen den Vorgesetzten und ihren Angestellten funktioniert. Daraus ergibt sich das Risiko für den erlebten Stress und die Gesundheit.
Der folgende Test orientiert sich daran:
Stress, betont Chevalier, erlebe jeder Mensch unterschiedlich. Grundsätzlich aber gebe es drei verschiedene Ebenen, auf denen sich Stress bewältigen lasse. Zunächst einmal die instrumentelle Ebene, die die objektiven Aspekte des Arbeitsumfelds umfasst: Habe ich zum Beispiel viele Termine und Unterbrechungen? Oder eine Kollegin, die nie Kritik annehmen möchte? Einen Kollegen womöglich, der ständig von den Vorgesetzten bevorzugt wird?
Dazu kommt die mentale Ebene, die Chevalier am Beispiel eines Nachbarn erläutert, der einen Gruß im Treppenhaus nicht erwidert. Manchen Menschen fällt das gar nicht auf. Anderen zwar schon, aber sie sagen sich: Der war in Gedanken versunken. Und bei wieder anderen kommt es zu einem „unnötigen Übertreiben der Stresserfahrung“, wie Chevalier es ausdrückt. Sie steigern sich in die Situation hinein, werden emotional. An dieser Stelle setzen meist auch Stressmanagement-Trainings an, die die mentale Stärke fördern.
Zuletzt die Erholungsebene: Wie kann ich mich von der Belastung besonders effektiv erholen? Jeder und jede muss dafür eine eigene Methode finden. Chevalier betont: „Ein Bauarbeiter braucht etwas anderes als jemand, der den ganzen Tag am Rechner sitzt.“ Während für die einen körperliche Entspannung am wirkungsvollsten ist, hilft anderen eher Bewegung.
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