Toxische Maskulinität: Für Unternehmenserfolg braucht es weit mehr als Aggressivität

Mark Zuckerberg bei einem gemeinsamen Training mit Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Israel Adesanya (links) im Juli 2023. Bild: instagram/@zuck
Foto: WirtschaftsWocheVor kurzem erzählte mir ein Bekannter, dass sich sein Chef bei ihm ausgeheult hat: Woher solle er denn wissen, was heutzutage überhaupt noch erlaubt ist? Der Manager hatte es bereits ziemlich weit gebracht – aber in diesem Moment wirkte er hilflos. Er schlug manchmal einen ruppigen Ton an, bügelte Bedenken ab, ließ gern mal einen politisch unkorrekten Spruch fallen. Und zuletzt gab es mehr und mehr Leute im Unternehmen, die sich daran nicht nur störten, sondern dieses Unbehagen auch noch äußerten.
Daran musste ich denken, als sich Meta-Chef Mark Zuckerberg nun in einem Podcast für etwas mehr maskuline Energie in unserer Wirtschaftswelt aussprach. Vielleicht sollte der US-Unternehmer mal in der einen oder anderen deutschen Firma vorbeischauen: Da ist noch eine Menge maskuliner Energie zu spüren.
Manche Männer verschwenden sogar einen Großteil dieser Energie darauf herumzujammern, wie anstrengend es auf einmal wird, wenn auch andere, zum Beispiel Frauen, ihren Platz im Unternehmen einfordern.
Wir sollten, sagte Zuckerberg noch, Aggressivität wieder ein bisschen mehr feiern. Und ja, klar, wer immer nur nett ist, dem wird es wohl kaum gelingen, aus einer... sagen wir mal: Website zur optischen Bewertung seiner Kommilitoninnen einen milliardenschweren Techkonzern zu machen. Aber damit ein Unternehmen wirklich erfolgreich ist, braucht es weit mehr als Aggressivität. Es braucht unterschiedliche Perspektiven. Gewissenhaftigkeit. Mut. Fantasie. Die Fähigkeit, Menschen zu begeistern. Aber auch die, Risiken rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Und – Surprise! – darüber verfügen Frauen ganz genauso wie Männer.
Aggressivität ist weder männlich, noch weiblich. Sie wird nur Männern häufiger zugeschrieben als Frauen – was für Frauen, die eher zurückhaltend sind, genauso ein Problem ist wie für Frauen, die auf einmal den Macker geben. Und übrigens ein Problem sogar für Männer, die nicht gerade vor Testosteron strotzen.
Das Ärgerliche an Zuckerbergs Äußerung wie am Gejammere des aus der Zeit gefallenen Chefs ist, dass beide so tun, als dürfe Mann heute irgendwas nicht mehr tun, was früher nicht nur erlaubt, sondern auch noch der garantierte Weg zum Erfolg war. Welch eine Selbstüberhöhung! Dabei galt schon immer: Jeder und jede sollte sein oder ihr Gegenüber so behandeln, wie er oder sie auch selbst behandelt werden will. Und die wenigsten, die gern mal austeilen, können auch einstecken.
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