FES-Studie Kinder auf Privatschulen bringen kaum bessere Leistungen

Privatschüler sind laut Studie beim Zuhören und Hörverstehen in Deutsch und Englisch besser. Quelle: imago

Privatschulen haben den Ruf, teuer und elitär zu sein. Das stimmt nur bedingt – wie auch die Annahme, dass Schüler dort bessere Leistungen erbringen.

Privatschulen sind einer Studie zufolge nicht zwangsläufig besser als öffentliche Schulen. Die Kompetenzen von Schülern beider Schultypen unterscheiden sich kaum, wie aus der Untersuchung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung hervorgeht. Dafür wurden die Leistungen von Schülern der vierten und neunten Klasse in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik verglichen.

Privatschüler waren beim Zuhören und Hörverstehen in Deutsch und Englisch besser. Die Autoren der Studie führen das auch auf außerschulische Auslandsaufenthalte der Kinder und Jugendlichen zurück. Jedoch waren die Schüler öffentlicher Gymnasien beim Leseverstehen auf Englisch besser.

Bei dem Vergleich wurde nach Auskunft der FES die soziale Herkunft der Schüler und deren Auswirkung auf die schulischen Leistungen berücksichtigt. Hintergrund ist, dass es an Privatschulen deutlich weniger Schüler mit Migrationshintergrund gibt. An öffentlichen Grundschulen waren es etwa 38,1 Prozent, an privaten Grundschulen nur 28,3 Prozent. An Privatschulen ist außerdem der Anteil von Schülern geringer, deren Eltern ein niedriges Einkommen oder keinen Hochschulabschluss haben. Bei den Schülern der öffentlichen Schulen setzten die Studienmacher deren Leistungen ins Verhältnis mit den Faktoren sozioökonomischer Status, Familiensprache und Geschlecht. Mit dieser Maßgabe kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Leistungen der Schüler von öffentlichen und privaten Schulen vergleichbar gut sind.

Die Studie entkräftet außerdem das verbreitete Bild, bei Privatschulen handele es sich um elitäre Einrichtungen. Ein Großteil der Privatschulen hat kirchliche Träger: Der Arbeitskreis katholischer Schulen in freier Trägerschaft (AKS) unterhält 689 Schulen mit rund 310.000 Schülerinnen und Schülern, der Arbeitskreis Evangelische Schulen (AKES) 478 Schulen mit 115.000 Schülerinnen und Schülern. Mehr als die Hälfte der 743.500 Privatschüler in Deutschland besucht damit eine Schule in kirchlicher Trägerschaft. Die Zahlen sind zum Teil allerdings einige Jahre alt. Weitere private Schulformen sind die unter dem Verband Deutscher Privatschulverbände zusammengefassten Einrichtungen, Waldorfschulen (221 Schulen mit rund 84.000 Schülern) oder freie Alternativschulen. Letztere besuchten im vergangenen Jahr rund 7500 Schüler.

Die Autoren stellen klar, dass auch private Schulen weit überwiegend vom Staat finanziert werden, weil sie einen grundsätzlichen Anspruch auf Subventionierung haben, was die Länder tragen. Prinzipiell besteht ein Verbot der Sonderung - Privatschulen dürfen eigentlich nicht teuer sein, um eben nicht elitär im finanziellen Sinne zu werden. Die Friedrich-Ebert-Stiftung moniert, diesem Grundsatz werde nicht immer ausreichend Beachtung geschenkt. So soll das durchschnittliche monatliche Schulgeld 160 Euro nicht überschreiten, liegt in der Realität aber zwischen 170 und 300 Euro. "Die Sorge, die Schulen in privater Trägerschaft könnten gegen das Sonderungsverbot verstoßen, ist nicht unbegründet", heißt es in der Studie.

Seit 1992 hat sich der Anteil der Schüler, der Privatschulen besucht, bis 2016 nahezu verdoppelt – auf insgesamt neun Prozent. „Der Zuwachs im Verlauf dieser Jahre ist jedoch in erster Linie auf Entwicklungen in den ostdeutschen Ländern zurückzuführen“, erklärte Klaus Klemm von der Universität Duisburg Essen, einer der Autoren der Studie. Demnach gab es 1992 in Ostdeutschland kaum Privatschulen, die starke Zunahme sei ein „Aufholprozess“. Erwähnt wird auch, dass in Flächenländern mancherorts Privatschulen inzwischen die Schulversorgung aufrecht erhalten. Elterninitiativen etwa gründen dann Schulen, um ihren Kindern kurze Wege zu ermöglichen.

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