WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Karriere Karrierefaktor Sex

Seite 3/5

Testosteron ist der Botenstoff für die Libido, er gilt als Sexual- und Dominanz-hormon – und sei zugleich dafür verantwortlich, dass hohe Positionen für Männer erstrebenswerter sind als für Frauen, so Häusel.

Aus der kognitiven Forschung lasse sich aber auch ein ganz anderer Aspekt ableiten: Ein gemischter Führungskreis, in dem Männer und Frauen zusammenarbeiten, sei im Top-Management wichtig, um von den Vorteilen des weiblichen und des männlichen Denkens zu profitieren: „Testosteron setzt Scheuklappen auf, es reduziert die Welt. Frauen bringen mehr Aspekte ein.“ In einem sich schnell verändernden Markt müssten Unternehmen sowohl auf eine „Fokussierung wie eine Verbreiterung des Denkens“ setzen.

Unsere Sexualität entwickelt sich allerdings im Lauf der Zeit. Vor allem das Alter spielt dabei eine große Rolle. Sobald der Hormonspiegel sinkt, regiert die Unlust.

Aus der Burnout-Forschung etwa ist bekannt, dass ein Karriereknick oder das Gefühl, das Ende der Wegstrecke erreicht zu haben, gerade bei Männern in den Fünfzigern massive sexuelle Versagensängste auslöst. Das Ganze funktioniert aber auch umgekehrt: Versagt der Körper, stürzt mancher Mann in eine tiefe Krise. Bei diesen Männern müsse der Körper „im Beruf genauso funktionieren wie in der Sexualität und im Sport. Tut er es nicht, haben viele Männer das Gefühl, sie würden von ihrem Körper im Stich gelassen wie von einer unzuverlässigen Maschine“, sagt der Dresdner Psychologe und Männerforscher Holger Brandes. Solche Männer, denen bisher alles gelang, identifizieren sich mit ihrer Potenz – und sind entsprechend verzweifelt, wenn es im Bett und im Büro nicht mehr so klappt wie früher. Nicht von ungefähr sind Potenzmittel wie Viagra, Levitra und Cialis für die Pharmakonzerne ein solches Milliardengeschäft geworden.

Testosteron für die Angriffslust

Aber auch Frauen nehmen die abflauende Sexualität als Problem wahr, wenn sie in die Wechseljahre kommen. Die Hormonexpertin Anneliese Schwenkhagen kennt aus ihrer Praxis viele Patientinnen, die über klimakterische Beschwerden klagen. Fehlt die Lust am Sex, wird der Beruf oft mit einem Mal viel negativer empfunden. Hinzu kommen Hitzewallungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Eine Spirale nach unten entsteht.

Das Klimakterium kann allerdings auch den gegenteiligen Effekt auslösen. Die Wechseljahreexpertin Brigitte Hieronimus kennt Frauen, die mit Ende 40 eine neue Karriere begonnen haben oder sich „ab Mitte 40 selbstständig machen“. Der Grund: Durch die Abnahme des Östrogens wird das Testosteron spürbarer und verleiht den Frauen eine „positive Angriffslust“.

Im Gegensatz zu den Frauen sind die Auswirkungen von Testosteron bei Männern deutlich besser erforscht. Das Hormon steuert nicht nur ihre sexuelle Lust, wie der Bonner Männerarzt André Reitz sagt, sondern hat auch entscheidenden Einfluss auf Motivation und Leistungsvermögen.

Ein Befund, den eine neue Studie aus Großbritannien stützt. In einer Untersuchung von 17 Händlern der Londoner Börse konnte der Psychologe John Coates von der Universität Cambridge, den Zusammenhang zwischen finanziellem Erfolg und einem hohen Testosteronspiegel nachweisen. Die Männer mussten jeweils morgens um elf Uhr und nachmittags um 16 Uhr Speichelproben abgeben. Coates fand heraus, dass erfolgreiche Geschäfte den Testosteronspiegel der Händler in die Höhe trieben. Noch erstaunlicher aber war, dass die besten Händler schon morgens eine hohe Testosteronkonzentration im Blut hatten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%