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Macht - anders!
Sammelt Sympathiepunkte, aber gilt den Leuten als weniger als männliche Politiker: Annalena Baerbock. Quelle: Getty Images

Tschüss, Vorurteile!

Warum wählen Frauen einen Sexisten wie Donald Trump und wünschen Annalena Baerbock an den Herd? Weil auch Frauen durchaus frauenfeindlich sein können. Doch das muss nicht so sein.

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Der „Gender Social Norms Index“ der United Nations kam 2020 kam zu dem Ergebnis, dass 90 Prozent der Weltbevölkerung Vorurteile gegenüber Frauen haben. Auch Frauen selbst sind nicht davor gefeit, anderen Frauen negative Eigenschaften zuzuschreiben. Sie denken und handeln oft ebenso sexistisch wie Männer.

Der Sozialphilosophin Kate Manne zufolge unterscheiden Frauen ebenso wie Männer zwischen den „guten“ Frauen, die sich um andere kümmern – etwa als Ehefrau, Mutter oder Freundin – und den „schlechten“ Frauen, die für sich selbst Ambitionen haben, und die für andere unerreichbar scheinen. Zu beobachten war dieses Phänomen etwa bei der US-Wahl 2016: 39 Prozent der wählenden Frauen votierten für Trump, einen Mann, der für seinen Sexismus bekannt ist – statt die weibliche Gegenkandidatin zu wählen. Hier haben offenbar auch Frauen in die Klischeekiste gegriffen und die Kandidatin entsprechend etikettiert.

Warum ist das so?

Bettina Kleiner, die an der Goethe-Universität Frankfurt forscht, spricht von „Lateral Violence“. Sie hat beobachtet, dass benachteiligte Menschen sich gegenseitig abwerten, um sich selbst aufzuwerten. Die Ursachen seien nicht auf individueller Ebene zu suchen – also etwa bei Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton  –, sondern in den materiellen Verhältnissen und gesellschaftlichen Normalitätsvorstellungen.

Schön und auch noch klug? Geht nicht!

Wenn eine Frau gut aussieht und sich auffällig kleidet, zweifeln andere an ihrer Intelligenz. Auch Frauen haften ihr schnell das Prädikat „oberflächlich“ an. Künstlerinnen oder Speakerinnen wiederum kassieren häufig eine Event-Absage mit der Begründung: „Wir haben schon eine Frau im Line-up.“ Konkurrenzdenken ist dann programmiert. Ich erlebe häufig, dass Frauen, die sich nicht weniger der Karriere widmen als der Familie, von anderen massiv verurteilt werden. Ein prominentes Beispiel ist hier die Grünen-Politikerin Annalena Baerbock: Viele fragten, ob eine zweifache Mutter Kanzlerin sein kann. Spätestens dann, wenn eine Frau Anspruch auf einen hohen Posten erhebt, scheint etwas aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Laut „Gender Social Norms Index“ glaubt weltweit die Hälfte aller Männer und Frauen, dass Männer bessere Politiker sind. Mehr als 40 Prozent glauben, dass Männer die besseren Geschäftsleute sind. Auch in Deutschland hegt etwa die Hälfte aller befragten Frauen zumindest ein Vorurteil gegenüber Frauen.



Beim zweiten Triell argumentierte die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock besonders faktensicher und detailgenau – und schnitt dennoch in der ARD-Blitzumfrage unter Zuschauern nach der Sendung in der Kategorie Kompetenz deutlich schlechter ab als ihre Konkurrenten. Dafür konnte sie in der Kategorie Sympathie punkten.
 

Auch Frauen sollten sich deshalb mit überkommenen Denkmustern auseinandersetzen und sich ihrer Vorurteile bewusst werden – aber auch mehr Support durch andere suchen und erfahren. Ob Mentorship, Sponsoring, hierarchieübergreifendes Netzwerken oder gegenseitige Empfehlungen: Das beste Mittel gegen Frauenfeindlichkeit ist es, Frauensolidarität am eigenen Leib zu erfahren.

Mehr zum Thema: Per Ledermann hat das Familienunternehmen Edding neuerfunden und wieder erfolgreich gemacht. Doch das reicht ihm nicht. Der Gründersohn und Edding-Chef erklärt, welche Aufgaben Kapitäne beim Stiftehersteller übernehmen, was er selbst aus Afrika mitgebracht hat – und wie er zukünftig für mehr Diversität in seinen Teams sorgen will.

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