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Prost!Deutscher Sekt statt Champagner!

Beim traditionellen Anstoßen zum Jahreswechsel hat Champagner zwar das größte Renommee. Doch aus Deutschland kommen immer mehr herausragende Sekte. Was die deutschen Schaumweine edel macht.Thorsten Firlus 29.12.2017 - 10:55 Uhr

Deutscher Sekt kann ein edles Getränk sein.

Foto: PR

Mit Versailles endete die Ära des „Deutschen-Champagners“. Bei der Pariser Friedensverhandlung von 1919 bis 1920 wurde unter anderem beschlossen, dass Schaumweine aus Deutschland diese Bezeichnung fortan nicht mehr tragen dürfen.

Champagner ist als Marke bestens geschützt, darauf achtet das Comité Champagne genau. Das mussten in mehreren Gerichtsurteilen in Deutschland etwa die lernen, die „Champagnerbratbirne“ als Schaumwein vermarkten oder ihren Imbiss „Currywurst & Schampus“ nennen wollten.

Der Nimbus als edelster Schaumwein der Welt soll nicht verwässert werden. Der Ruf des Champagners wird befördert durch aufwändige Werbekampagnen der Marken, die wie Moet & Chandon, Ruinart oder Dom Pérignon zu großen Luxuskonzernen gehören. Der Begriff „Deutscher Sekt“ klingt dagegen nach Amtsstube. Verdient hat das der heimische Schaumwein nicht. Aus der Bundesrepublik kommen immer häufiger herausragende Sekte.

"Revolution White"

Weingut Johannes Zillinger, Niederösterreich, 13 Euro, unter anderem erhältlich bei Fräulein Brösels Weinerwachen

Das ist ja kein kleines Versprechen, dass der Name da gibt - Revolution. Es ist ein Wein, der heute als "Naturwein" oder "Natural" bezeichnet wird. Zillinger produziert ihn im sogenannten Solera-System, das ursprünglich aus der Bereitung von Sherry, Malaga oder Brandy eingesetzt wurde. Es bezeichnet die unterste Riege der Weinfässer im Keller. Die Fässer werden nach der Reife teils entleert und wieder aufgefüllt mit jungem Wein. Die Traubensorte des Revolution ist zum einen Teil Chardonnay. Die Trauben werden in 500 Liter fassenden Amphoren vergoren. Dazu kommen 25 Prozent Scheurebe und 25 Prozent Riesling. Der Wein sollte nicht zu kalt getrunken werden und behält auch nach Öffnung einige Tage im Kühlschrank lang seine Eigenschaften. Es bietet eine Spektrum an Gewürzen und zitrischen Aromen.

empfohlen von Manu Rosier, Head Sommelier im Schwein Restaurant-Bar in Berlin und Teilnehmer der Endrunde der Sommelier-Trophy 2017.

Foto: PR

2016 Chardonnay “S”

Weingut Spiess, Rheinhessen, Deutschland 11,30 € direkt ab Weingut Dort finden sich auch weitere Bezugsquellen.

Das im rheinhessischen Bechtheim ansässige Weingut Spiess deckt mit Rivaner, Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller und Chardonnay eine Vielfalt an Weißweinen ab. Dieser Chardonnay trägt den Zusatz "S", das für "Selektion" steht. Empfohlen wird, diesen Wein etwas atmen zu lassen und nicht allzu kalt zu servieren, damit er mehr von seiner Fülle zeigen kann.

empfohlen von Maximilian Wilm, Restaurantmanager & Head Sommelier im Gourmetrestaurant Seven Seas - Hotel Süllberg in Hamburg und Finalist der Sommelier-Trophy 2017.

(Foto © Michael Zellmer)

Foto: PR

2014 Schelinger Spätburgunder Orstwein

Weingut Schätzle, Baden 12,50 €, Bezugsquellen über www.weingutschaetzle.de

Am Kaiserstuhl liegen die Weinberge des Weingut Schätzle. Es umschreibt seine Tätigkeit so: "Wir sind keine Weinmacher, sondern Naturassistenten. Geschmeidige Lössböden, steinige Vulkanfelsen, brennende Sonnenstrahlen und leichte Regenfälle machen jeden unserer Weinberge zu einer eigenen Persönlichkeit." Dieser Ortswein hat seinen Ursprung in einer Höhenlage rund um den Ort Vogtsburg-Schelingen.

empfohlen von Natalie Lumpp, Sommeliere, Autorin, Moderatorin und Inhaberin der Agentur "Wein erleben!"

Foto: PR

2014 Constable House Shiraz & Cabernet Sauvignon

Beaumont Family Wines, Walker Bay, Südafrika 12,80€, Bezugsquellen über beaumont.hamburg

Als Begleitung für den Weihnachtsbraten, gern mit reichlich Gewürzen, empfiehlt das Weingut diesen Wein. Es ist eine Cuvée aus den Sorten Shiraz und Cabernet Sauvignon. Benannt nach einem alten Weinberg direkt am Weingut.

empfohlen von Maximilian Wilm, Restaurantmanager & Head Sommelier im Gourmetrestaurant Seven Seas - Hotel Süllberg in Hamburg und Finalist der Sommelier-Trophy 2017.

Foto: PR

2015 "Brouilly Reverdon"

Château Thivin, Beaujolais, 14,90 Euro, unter anderem erhältlich bei depasquale fine wines

Die Rebsorte Gamay hat die Eigenschaften, früh auszutreiben und entsprechend früher geerntet werden zu können. Es ist eine Kreuzung aus Pinot und Gouasi blanc, die bereits im 14. Jahrhundert im Burgund angebaut wurde. Das Château Thivin, dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, baut den Brouilly auf sieben Hektar an. Es wird von Hand geerntet und der Wein in Stahltanks ausgebaut. Das Weingut empfiehlt, ihn zwischen 15 und 18 Grad Celsius zu trinken und verweist darauf, dass er die ersten vier bis sechs Jahre nach Abfüllung seine Fruchtigkeit bewahrt.

empfohlen von Manu Rosier, Head Sommelier im Schwein Restaurant-Bar in Berlin und Teilnehmer der Endrunde der Sommelier-Trophy 2017.

Foto: PR

"2015 Les Obriers de La Pèira"

Weingut La Pèira im Languedoc, 11,80€ unter anderem erhältlich bei Kierdorfwein.

Cinsault und Carignan - beim Weinquiz im Freundeskreis lässt sich aus diesen beiden Sorten aus Südfrankreich eine knifflige Frage basteln. Die einst vernachlässigten Sorten sind heute wieder beliebter. Das Weinquiz wird umso spannender, sobald man sich nach den Hintergründen des Weinguts erkundigt. Es gehört dem Komponisten Rob Dougan, der die Musik zu welchem Film geschrieben hat? Richtig: Matrix. Die Weine macht die Straßburger Kellermeisterin Audrey Bonnet-Koenig, die mit dem 2015er Les Obriers ihren ersten Jahrgang dort verantwortete.

empfohlen von Frank Kämmer, Master-Sommelier und Berater.

Foto: PR

2015 "vom bunten Mergel" Riesling, trocken

Weingut Bernhard Ellwanger, Württemberg, 9,40 Euro, Bezugsquellen über www.weingut-ellwanger.com

"Wir ELLWANGERS" - so begrüßt das Weingut die Besucher der Homepage. Und erläutert: "Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht." Und das mit Erfolg. Seit 1975 werden die Trauben selbst verarbeitet - anbauen tut sie die Familie bereits seit 1514. Inzwischen sind neben Bernhard und Ingrid auch die Kinder Sven und Yvonne nach abgeschlossenen Weinbaustudien im Weingut tätig. Das Weingut liegt 20 Kilometer östlich von Stuttgart in Großheppach im Remstal.

empfohlen von Natalie Lumpp, Sommeliere, Autorin, Moderatorin und Inhaberin der Agentur "Wein erleben!"

Foto: PR

2015 "30.000 Maravedies"

Bodega Marañones, Madrid, Spanien, 14,90 € unter anderem bei Wein am Limit

Auf 650-850 Metern Höhe liegen die sechs Weingärten, aus denen dieser Wein gemacht wird. Die Reben sind zwischen 30 und 70 Jahren alt. Der Name leitet sich ab von dem Preis, den ein gewisser Don Alvaro de Luna den Mönchen von Santa Maria für ein Stück Land zahlte. Es wird empfohlen, den Wein zu dekantieren, um sein intensives, dichtes Aroma zur Geltung kommen zu lassen.

empfohlen von Peer F. Holm, Präsident der Sommelierunion Deutschland und Inhaber der Beratung Wein & Wissen.

Foto: PR

"2014 Bourgogne Chardonnay"

Weingut Nicolas Potel, Burgund, 12,90 unter anderem bei Hawesko.

Im Zentrum Frankreichs gelegen, gehört die Bourgogne zu den wichtigen Anbaugebieten Frankreichs. Das Weingut wurde 1996 von Nicolas Potel gegründet. Diesen Chardonnay ließ er zu 90 Prozent im Holzfass vergären und noch 10 Monate auf der Hefe reifen. Lebendig und aromatisch soll er sein. Die Kondenswasserperlen im Foto deuten darauf hin: Gut gekühlt servieren.

empfohlen von Jo Wessels, Commis Sommelier im Restaurant ENTE in Wiesbaden und Teilnehmer der Endrunde der Sommelier-Trophy 2017

Foto: PR

2016 "Alvarinho Granit"

Quinta de Soalheiro, Minho, Portugal, 12,90 Euro, unter anderem erhältlich bei Wein am Limit

Das Foto trügt - der Granit aus Portugal ist ein Weißwein aus der Rebsorte Alvarinho. Granit, das klingt nach Stein und Kühle. Als "trocken, steinig, pur und klar" wird er entsprechend beschrieben.

empfohlen von Peer F. Holm, Präsident der Sommelierunion Deutschland und Inhaber der Beratung Wein & Wissen.

Foto: PR

"2016 Riesling trocken"

Schloss Reinhartshausen, Rheingau, 11,20 Euro, unter anderem erhältlich bei Vicampo.

Das Weingut, betrieben von Karin und Stefan Lergenmüller, liegt in Eltville im Rheingau. Der Riesling hat 12 % Alkohol und ist damit ein leichter Vertreter. Es ist eine Cuvée aus verschiedenen Lagen des Weinguts. Ziel sind Finesse und Eleganz.

empfohlen von Frank Kämmer, Master-Sommelier und Berater.

Foto: PR

"2015 KabiNett" Riesling

Weingut Schätzel, Rheinhessen, 13,50 Euro unter anderem bei Hawesko.

Das "Nett", das auf dem Etikett typographisch aus dem Wort Kabinett herausgearbeitet wurde, steht sicher auch für die freundliche Art, die der Wein hat - das beginnt bei den gerade mal 8,5 % Alkohol, die es erlauben, vielleicht auch ein zweites Glas zu trinken. Sein Weinstil wird als fruchtig und aromatisch beschrieben und spricht damit sicher eine Vielzahl ein Weintrinkern an.

empfohlen von Jo Wessels, Commis Sommelier im Restaurant ENTE in Wiesbaden und Teilnehmer der Endrunde der Sommelier-Trophy 2017

Foto: PR

"2015 Rosso di Montalcino DOC"

Fattoria La Gerla, Toskana, 14,90 Euro, unter anderem bei Superiore.

Das ist ein Wein aus der Rebsorte Sangiovese, der acht Monate lang im Holzfass reifte. Er wird von der internationalen Weinkritik für seine Mischung aus Kirsche, Erdbeere und würzigen Noten gelobt, ebenso für seine lebendige Säure.

empfohlen von Marc Almert, Sommelier im Restaurant Pavillon im Hotel Baur Au Lac in Zürich und Sieger der Sommelier-Trophy 2017.

Foto: PR

"2016 Gelber Muskateller, Steirische Klassik"

Erich & Walter Polz, Südsteiermark, 13,20 Euro, erhältlich unter anderem bei Weingrube.

Steirische Klassik ist eine Qualitätsbezeichnung der Winzervereinigung STK Weingüter. Mit der Bezeichnung werden ausschließlich die Sorten Weißburgunder, Morillon, Grauburgunder, Gelber Muskateller und Sauvignon Blanc versehen. Vorwiegend im Stahltank ausgebaut. Höchstens 12,5% Alkohol und frühestens erhältlich vom 1. März des Folgejahres an erhältlich. Der Gelbe Muskateller von Polz macht da keine Ausnahme.

empfohlen von Marc Almert, Sommelier im Restaurant Pavillon im Hotel Baur Au Lac in Zürich und Sieger der Sommelier-Trophy 2017.

Foto: PR

Geht es nach Markt-Dominanz, ist Rotkäppchen die erfolgreichste deutsche Marke. Der Mutterkonzern Eckes als Mehrheitseigner vertreibt die weiteren Sektmarken Mumm und MM. Mit den Marken Blanchet, Mariacron und Eckes mischt der Konzern auch bei Stillweinen und Spirituosen mit.

Geht es nach dem Urteil der Tester, ist die Marke Raumland, benannt nach Volker Raumland, die erfolgreichste deutsche Marke. In den vergangenen zehn Jahren holte sich das Sekthaus aus dem rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim mit verschiedenen Jahrgängen acht Mal den Titel „Bester Winzersekt Brut“ im Weinguide Gault Millau 2018. In der aktuellen Ausgabe siegt Raumlands „Pinot Noir Prestige Brut“ des Jahrgangs 2010. Als besten Sekt unter 10 Euro empfiehlt das Testerteam um Britta Wiegelmann.

Im erstmals erschienenen Vinum Weinguide 2018 unter den ehemaligen Cheftestern des Gaul Millau, Joel Payne und Carsten Henn, die Raumland sahen für die vor kurzem erschienenen Ausgabe den Pinot Crémant Brut Nature 2010 vom Weingut Aldinger aus Württemberg vorne - unter den Vinum-Top-Ten befinden sich allerdings fünf Schaumweine von Volker Raumland.

Doch Raumland ist nicht das einzige Unternehmen, das das Segment des hochwertigen Schaumweins nicht den Winzern und Weinbauern im 34.000 Hektar großen Anbaugebiet in der Champagne überlässt. Laut des Deutschen Wein Instituts (DWI) gibt es mehr als 4600 amtlich geprüfte Winzersekte. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass in aller Regel Weintrauben aus eigenen Weinbergen verwendet werden. Und das ist in Deutschland sehr oft Riesling, der in der Champagne grundsätzlich nicht angebaut wird.

Weinbau

"Alte Reben" - Marketing oder Mythos?

von Thorsten Firlus


Die hochwertigen deutschen Sekte werden nach dem gleichen Verfahren hergestellt wie Champagner. Das ist keine Überraschung. Zum einen haben renommierte Champagnerhäuser wie Krug oder Mumm eines gemeinsam: Einen deutschen Namen. Krug wurde von 1843 von Johann-Joseph Krug aus Mainz gegründet und Mumm 1827 durch die drei deutschen Brüder Gottlieb, Jacobus und Philipp Mumm und dem Brühler Friedrich Giesler.

Und zum anderen brachte schon 1836 der französische Kellermeister Joseph Mouzon die Flaschengärung zum Beispiel nach Radebeul in Sachsen. Dort feiert man 2016 den 180. Geburtstag der Sektproduktion in Sachsen. Im Staatsweingut Schloss Wackerbarth werden auch heute noch täglich hunderte Flaschen per Hand in sogenannten Rüttelpulten gedreht. Das dient dazu, dass die Hefe, die in der Flasche die Gärung betreibt, nach unten in den Flaschenhals absinkt.

In Wackerbarth ruhen die Sekte mindestens neun Monate „auf der Hefe“. Das ist die sogenannte zweite Gärung, die Flaschengärung, wie sie für hochwertige Schaumweine üblich ist. Danach werden die mit einem Kronkorken verschlossenen Flaschen in einem Kältebad vereist und der nun feste Hefepfropfen kommt aus der Flasche. Die fehlende Menge wird aufgefüllt und die Flasche bekommt nun erst ihren Korken und klassischen Käfig.

Fakten zu Sekt & Co.
Riesig sind die Schwankungen nicht und eine Tendenz gibt es - im Gegensatz zum sinkenden Bierabsatz auch nicht. Dennoch ist 2014 das schwächste Jahr für den Verkauf von Schaumwein. 3.174.195 Hektoliter wurden verkauft, gut 56.000 Hektoliter weniger als im Vorjahr. Und gar 270.000 Hektoliter weniger als im Rekordjahr 2006 - durch Zufall dem Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland.
Welches Land könnte wohl den größten Durst haben auf Sekt aus Deutschland? Mit Abstand das meiste geht nach Österreich, dort wurden 2014 mehr 19 Millionen Euro für deutschen Schaumwein ausgegeben. Platz Zwei geht an Norwegen mit 7,6 Millionen Euro und Belgien 7,5 Millionen. Auf Platz vier schiebt sich keine Nation, sondern eine Branche: Die Schiffs- und Fluglinien kauften Schaumwein im Wert von 4,7 Millionen Euro.
Die Wiedervereinigung oder der Sieg der Fußballweltmeisterschaft unter Trainer Franz Beckenbauer scheint 1990 viele Menschen zum Anstoßen verleitet zu haben: In dem Jahr erreichte die Sektsteuer mit 490 Millionen Euro ihren absoluten Rekord. 2014 waren es nur noch 410 Millionen Euro.
Ein Auf und Ab ist es auch für die Champagnerhersteller in Deutschland. 2011 mehr als 14,2 Millionen Flaschen, 2014 nur noch 12,6 Millionen. Wenig zu lachen hatten die Franzosen 2009 nach der Lehmankrise als mit gerade mal 10,9 Millionen Flaschen der niedrigste Wert seit 2000 erreicht wurde.
Im Jahr 2013 erreichte Rotkäppchen einen Marktanteil von 35,9 Prozent. Danach kommt erstmal lange gar nichts. Auf Platz zwei mit 9,5 Prozent Freixenet und mit 5,9 Prozent schafft es Mumm auf den dritten Platz. Wenn man dann noch die 5,1 Prozent von MM Extra dazuzählt, dann erreicht das Unternehmen Rotkäppchen-Mumm mit den drei Marken Rotkäppchen, Mumm und MM Extra einen Markanteil von mehr als 50 Prozent.

Bis 1994 wurde die Flaschengärung deswegen auch für Schaumweine aus Deutschland oft „Méthode champenoise“ genannt, bevor diese Bezeichnung untersagt wurde.

Für viele Weingüter übernehmen Sektproduzenten wie das Sekthaus Solter in Rheingau diese Arbeit neben der Abfüllung eigener Schaumweine. Mit ihrem „Solter Rheingau Riesling Sekt 2009“ gewann der Betrieb 2015 bei der „Champagne & Sparkling Wine World Championship“ in London gleich zwei Preise.

Die Russen sind für ihren Wodka bekannt. Doch sie stellen auch Weine und Champagner her. Im südrussischen Abrau-Durso, in der Krasnodar-Region nahe der Schwarzmeerküste, liegen die Weinberge des russischen Oligarchen Boris Titow.

Foto: Bloomberg

Abrau-Durso wurde vor 145 Jahren vom russischen Zaren Alexander II. gegründet, nachdem er in Frankreich einen Champagner gekostet hatte.

Foto: Bloomberg

Nach Angaben der Tageszeitung „Die Welt“ sind in Abrau-Durso im vergangenen Jahr 27 Millionen Flaschen abgefüllt worden. Der auf dem Weingut produzierte Schampus wurde zuletzt unter anderem bei den Olympischen Spielen in Sotschi ausgeschenkt. Die Weine werden in den feinsten Moskauer Hotels angeboten.

Foto: Bloomberg

Exekutivdirektor Petr Sleptschenko versichert, dass das Gut nicht unter den wirtschaftlichen Sanktionen des Westens gegen Russland leidet: „Wein und Sekt sind Nischenprodukte, die nicht auf der Liste der verbotenen Güter stehen.“

Foto: Bloomberg

Mit einer Lampe inspiziert eine Mitarbeiterin die Inhalte der Sektflaschen. 16 Länder nehmen laut „Die Welt“ derzeit die Weine und Schaumweine ab.

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Die Ware soll perfekt sein. Deswegen inspizieren zwei Mitarbeiterinnen fertige Flaschen des russischen Champagners auf dem Produktionsband.

Foto: Bloomberg

Die fertigen Weine stehen auf den Speisekarten von mehr als 85 Restaurants in Moskau. Eine Flasche kostet bis zu 10.000 Rubel, umgerechnet 200 Dollar.

Foto: Bloomberg

Ein Mitarbeiter wickelt eine Rolle der russischen Sektflaschen-Etiketten ab, die die Flaschen kennzeichnen.

Foto: Bloomberg

500 Mitarbeiter bereiten Kästen vor, in denen der russische Sekt ausgeliefert wird. Das an der Moskauer Börse notierte Unternehmen hat 2014 seine Einnahmen um fast 20 Prozent auf 5,3 Milliarden Rubel (85 Millionen Euro) gesteigert. Da der Rubel jedoch massiv an Wert verlor, blieben netto gerade einmal elf Millionen Rubel (176.000 Euro) übrig.

Foto: Bloomberg

Eine Auswahl der beliebtesten Sorten ist in diesem Verkaufsregal systematisch und fein säuberlich aufgereiht.

Foto: Bloomberg

Im vergangenen Jahr schauten sich mehr als 160.000 Touristen das Weingut in dem Kurort an der Schwarzmeerküste an.

Foto: Bloomberg

Doch eine Reise nach Berlin genügt, um zu sehen, dass deutscher Sekt Boden gewinnt. Die Weinbar Cordobar, für deren Weinauswahl die beiden gebürtigen Österreicher Willy Schlögel und Gerhard Retter verantwortlich zeichnen, führt selbstverständlich mehrere deutsche Schaumweine.

Den führt auch das jüngst mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant Nobelhart & Schmutzig, das neben seinem kulinarischen Motto „Brutal lokal“, vor allem für die außergewöhnliche Weinauswahl seines Sommeliers und Spiritus Rector, Billy Wagner, bekannt ist. Wer in Berlin kulinarisch hip ist, stößt auf deutschen Sekt.

Doch während die einfachste Flasche Bollinger etwa 45 Euro kostet, ist guter Rieslingsekt mit Preisen ab zehn Euro geradezu preiswert. Noch sind die besten deutschen Sekte mit Preisen von selten mehr als 50 Euro zu bekommen und wer in Köln in einen Supermarkt mitten in der Innenstadt geht, hat die Auswahl zwischen mehreren Sekten von Volker Raumland, darunter seine Cuvée Marie-Louise für rund 15 Euro.

Für den Winzersekt des Jahres des Gault Millau von Raumland sind 23,50 Euro nötig, der Vinum-Sieger von Aldinger kostet 50 Euro.

Trotzdem: Die Mehrheit der deutschen Schaumweinkäufer scheint sich vor allem für einen möglichst niedrigen Preis zu interessieren. Im Durchschnitt liegt der bei 2,86 Euro pro Flasche. Davon gehen noch 1,02 Euro Sektsteuer ab. Der Staat erhält 136 Euro Steuer pro Hektoliter. Egal, zu welchem Preis die Flasche später verkauft wird. Die Sektsteuer ist mit knapp 400 Millionen Euro im Jahr ein wichtiger Posten im Bundeshaushalt.

Kein Wunder, dass sie seit 1902 als sie zur  Finanzierung der kaiserlichen Flotte eingeführt wurde, zwei Weltkriege, die deutsche Wiedervereinigung und seit 1949 gleich acht Kanzlern überstanden hat. Wer perlend anstößt, stützt den Staat. Ob es schmeckt, ist dabei unerheblich.

Denn die besten Qualitäten machen einen verschwindend geringen Prozentsatz aus. Selbst die gesammelten Winzersekte Deutschlands haben lediglich einen Marktanteil von weniger als drei Prozent. Wer sich jedoch umschaut, findet unter den drei Prozent einige Schaumweine, mit denen das neue Jahr stilvoll und kulinarisch hochwertig begrüßt werden kann.

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