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Ranking: Wertvolle ArbeitgeberWas Arbeitgeber für ihre Region tun

Was verbindet Airbus, Berentzen und die Hamburger Feuerwehr? In einer exklusiven Umfrage der WirtschaftsWoche haben die Befragten sie zu den wertvollsten Arbeitgebern ihrer Region gekürt. Teil 1: NorddeutschlandWenke Wensing 23.07.2018 - 07:22 Uhr

Mehr als 500 Menschen pro Stadt und 100 pro Landkreis haben die wertvollsten Arbeitgeber für das Gemeinwohl in ihrer Region gekürt. Den Anfang macht die Region Nord. Die Ergebnisse aus West-, Ost-, Mittel- und Süddeutschland folgen.

Foto: Getty Images, Illustration, WirtschaftsWoche

Die Tür fällt zu. Rauch dringt in den Raum. Es ist dunkel bis auf eine kleine Lampe links. Unter ihr ein verbrannter Herd, rechts eine Tür. Ihr Fluchtreflex lässt die Menschen im Raum auf die Tür zu rennen. „Stop!“, ruft ein Mann. „Prüfen Sie zuerst, ob die Tür heiß ist - hinter der Tür könnte es brennen.“ Hände legen sich auf die Tür - und zucken zurück. Der Rauch wird dichter. Die Menschen ducken sich, halten sich die Hände vor den Mund. Plötzlich rollt eine der Raumwände nach oben, der Rauch, zum Glück nur Theaternebel, entweicht nach draußen in die klare Luft eines sonnigen Vormittags in Hamburg.

Das Feuerwehr-Informationszentrum der Hamburger Feuerwehr soll alle vom Kindes- bis zum Rentenalter lehren, wie sie sich im Brandfall zu verhalten haben. „Es ist fester Bestandteil des Lehrplans an Hamburger Grundschulen, dass jeder Schüler einmal hier gewesen sein soll“, sagt einer der Feuerwehrsprecher, Torsten Wesselly. Das Engagement für den präventiven Brandschutz ist nur ein Grund von vielen, weshalb die Teilnehmer einer Service-Value-Umfrage für die WirtschaftsWoche die Hamburger Feuerwehr zu einem der wertvollsten Arbeitgeber Norddeutschlands erkoren haben. Pro Großstadt oder Landkreis haben mindestens 500 Personen an der Umfrage teilgenommen und Arbeitgebern Noten gegeben. Am besten schnitten Unternehmen ab, die aus Sicht der Befragten am meisten zum Gemeinwohl beitragen.

In den meisten Landkreisen und Städten des Nordens haben vor allem Krankenhäuser und soziale Einrichtungen den Ruf als „wertvollste Arbeitgeber fürs Gemeinwohl“. Was nicht auf den ersten Blick logisch erscheint ist, dass die Hamburger Feuerwehr es auf den ersten Platz in Hamburg geschafft hat – und nicht etwa ein Krankenhaus. Und eine weitere Frage drängt sich auf: Wieso sind Konzerne wie Airbus und Berentzen oftmals direkt hinter den lokalen Krankenhäusern platziert? Ein Besuch zeigt: Wertvoll ist ein Arbeitgeber dann, wenn er über das eigene Gelände und das Wohl der eigenen Mitarbeiter hinaus denkt und handelt. Und das tun die vorne Platzierten alle auf ihre ganz eigene Weise.

Deutschlands wertvollste Arbeitgeber für das Gemeinwohl ihrer Region




Die Hamburger Feuerwehrmänner sind über ihre Platzierung sichtlich erstaunt. „Natürlich sind wir wertvoll für Hamburg. Wir löschen ja die Brände“, sagt Werner Nölken und überlegt weiter. Er schaut seine beiden Sprecher-Kollegen Jan Ole Unger und Torsten Wesselly – allesamt selbst Feuerwehrmänner – etwas irritiert an. Doch nachdem sie erst einmal angefangen haben, zusammenzutragen, was sie alle gemeinsam für Hamburg tun, wirken sie stolz. Zu helfen – den Bürgern, ihren Mitarbeitern und jedem, der etwas bewegen möchte – scheint hier zum Alltag zu gehören.

Was die Feuerwehr zum wertvollsten Arbeitgeber Hamburgs macht ist wohl, dass sie es als einzige Einrichtung schafft, die Anonymität der Großstadt aufzuheben. Dank der Feuerwehr gleichen die Hamburger Stadtteile kleinen Dorfgemeinschaften. „Die Feuerwehr findet einfach statt, egal ob beim Tannenbaumsammeln, beim Flohmarkt oder eben beim Großbrand“, sagt Werner Nölken. Mehr als 3000 Mitarbeiter, 86 freiwillige Feuerwehren, 61 Jugendfeuerwehren, sieben Mini-Feuerwehren für Kinder ab sechs zählen die Vertreter der Brandschützer. „Es ist nun einmal etwas anderes, wenn der Wehrführer Karl-Heinz die Nachbarin in den Arm nimmt und sagt, alles halb so wild’“, sagt Nölken. „Oder ob ein Wildfremder sagt, Frau Meier, treten Sie bitte zur Seite’.“

Foto: WirtschaftsWoche

Zugegeben: Die Feuerwehr ist mit ihren roten Autos und Feuerwachen ziemlich präsent und trägt schon allein durch ihre Hauptaufgabe zum Wohlergehen der Bürger bei. Doch Arbeitgeber müssen nicht zwangsläufig Menschen retten, um wertvoll zu sein. Auch klassische Großkonzerne ohne soziale Ausrichtung haben es vielerorts aufs Treppchen der wertvollsten Arbeitgeber der Region geschafft.

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Der zweitwertvollste Arbeitgeber Hamburgs ist nach Ansicht der Befragten der Flugzeugkonzern Airbus. Das Unternehmen glänzt nicht mit Dorffesten oder Jugendgruppen. Bei Airbus geht’s ums Geldverdienen. Das macht den Konzern wertvoll für Hamburgs Steuertopf – aber auch fürs Gemeinwohl? Indirekt schon. Denn der Flugzeughersteller spendet regelmäßig hohe Summen für lokale Projekte. Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, Centbeträge ihrer Gehaltszahlung zu spenden. Airbus verdoppelt den Betrag. Statt 1234,56 Euro erhält der Mitarbeiter also nur 1234 Euro und 1,12 Euro werden gespendet. Bei 12.500 Mitarbeitern am Standort Hamburg werden aus Centbeträgen schnell große Summen mit denen Musicalprojekte oder Sommerreisen von sozial schwachen Kindern oder Menschen mit Behinderung finanziert werden.

Doch auch Unternehmen, die keine riesigen Summen spenden und deren Unternehmenszweck auch nicht im Sozialen liegt, können wertvoll für ihre Region sein. Das zeigt ein Besuch im Emsland. Auch hier wurden hunderte Menschen befragt, welcher Arbeitgeber für sie am wertvollsten fürs Gemeinwohl ist. „Willkommen bei den Machern“ – begrüßt ein Schild Autofahrer, die von Norden kommen, im Emsland. Das ist es wohl, was die wertvollsten Arbeitgeber der Region ausmacht: Einfach machen.

Beim Blick auf die Ergebnisse des Rankings fällt ein Unternehmen auf, dessen Wert fürs Gemeinwohl nicht auf den ersten Blick klar ist. Die Rede ist von der Berentzen-Gruppe. Der Getränkehersteller hat den vierten Platz hinter zwei Krankenhäusern und einer Werft belegt. Die Unternehmensgruppe hat ihren Sitz im Emsland, genauer gesagt in Haselünne. Haselünne ist eine Kleinstadt wie aus dem Bilderbuch: kleine Gassen, viele Einfamilienhäuser, zwei Schulen, eine freiwillige Feuerwehr, sieben Supermärkte und weit und breit keine Spur von Großkonzernen. Wer zur Berentzen-Gruppe möchte, braucht ein gutes Navigationsgerät. Der Berentzen-Hof – das Aushängeschild der Berentzen-Gruppe – liegt nämlich mitten in der Innenstadt.

Die Backsteingebäude, die den Innenhof säumen, erinnern eher an einen renovierten Reiterhof als an einen börsennotierten Konzern, dessen Limonaden und Spirituosen es in so gut wie jeden deutschen Supermarkt geschafft haben. Doch genug von der ländlichen Idylle. Was macht die Berentzen-Gruppe so wertvoll für die Region, dass das Unternehmen den vierten Platz im Emsland belegt hat? Erstens: Das Unternehmen fördert die örtliche Wirtschaft durch 30.000 Touristen jährlich. Zweitens: Berentzen ist im Emsland präsent – sei es, als Sponsor regionaler Sportvereine zum Beispiel mit der Wassermarke Emsland Quelle oder die Unterstützung kultureller Veranstaltungen und Feste. Und Drittens: Mit der Berentzen-Gruppe hat die Region einen Arbeitgeber, der sich in vielerlei Hinsicht von anderen örtlichen Firmen unterscheidet. „Die Berentzen-Gruppe bietet durch ihre Größe und Struktur ein breites Spektrum an Arbeitsplätzen und Fachrichtungen an, die hier in der Region zum Teil selten sind“, sagt Katharina Schulze, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Berentzen-Gruppe.

300 Kilometer östlich von Haselünne und 150 Kilometer südlich von Hamburg hat die Heide-Bäckerei Meyer im Landkreis Gifhorn ihren Sitz. Als einzige Bäckerei in Norddeutschland hat sie es in die Top drei der wertvollsten Arbeitgeber ihrer Region geschafft. Oliver Meyer und sein Bruder setzen aber nicht stärker auf Spenden und Sponsorings als andere das auch tun. Ein Touristenmagnet ist seine Bäckerei auch nicht zwingend. Meyer versucht stattdessen, ein wertvoller Arbeitgeber für seine Mitarbeiter und somit indirekt für seine Region zu sein. „Als Bäckereifachverkäuferin gehört man nicht zu den Top-Verdienern“, sagt Oliver Meyer. „Deshalb versuchen wir, mit kleinen Geldgeschenken besondere Leistungen zu belohnen.“

Erzielt eine Filiale besonders gute Ergebnisse, wird das Team zum Essen eingeladen. Bekommt ein Auszubildender gute Zeugnisnoten, erhält er für jede Eins 50 Euro. Schafft er die Gesellenprüfung mit der Note 1,5 oder besser, winken 1000 Euro Belohnung. Jeder Mitarbeiter, der ein Jahr lang nicht krank gewesen ist, bekommt einen Essensgutschein und diejenigen, die der Bäckerei besonders lange als Mitarbeiter treu sind, bekommen zum Jubiläum eine Reise für zwei Personen geschenkt. Mit diesen geldwerten Anerkennungen punktet die Bäckerei und schafft es so auf ihre ganz eigene Weise wertvoll für die Region zu sein.

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