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Anlagemärkte im Vergleich Was aus 20.000 Euro wurde

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Alle wichtigen Märkte aufwärts

Realitätsnäher und übersichtlicher ist da ein Vergleich der wichtigsten Anlageklassen und -kategorien, wie ihn zum Beispiel die Deutsche Bank nach Ablauf des ersten Halbjahres vorgenommen hat. Allzu exotische oder kleine Anlagemärkte werden dabei ausgeblendet oder sind in untersuchten Indizes – zum Beispiel einem Rohstoffindex – enthalten. So enthält der CRB-Index 19 Rohstoffe, darunter neben Öl, Gold, Silber und Baumwolle auch Kaffee. Der CRB-Index schaffte es auf Platz 4 der besten Geldanlagen.

Bemerkenswert an der diesjährigen Liste der besten Anlagen: Insgesamt müssen Anleger bescheidener sein als 2013, große Kursraketen sind nicht dabei. Dafür lagen nahezu alle wichtigen Anlagemärkte im Plus.

Und noch etwas ist erstaunlich: Die Krisenmetalle Gold (plus 10,1 Prozent) und Silber (plus 8,0 Prozent) gehören ebenso zu den zehn besten Anlagen wie die Staatsanleihen der Schuldenkrisenländer Spanien (plus 9,3 Prozent) und Italien (plus 8,9 Prozent).

Das Ergebnis zeigt: Nahezu alle Anlageklassen und alle wichtigen Märkte lagen im der ersten Jahreshälfte im Plus. Durch die expansive Geldpolitik ist soviel Geld im Kapitalmarkt, dass es sich immer neue Wege sucht und vermehrt auch in Anlagen mit erhöhten Risiken fließt - wie etwa Anleihen von Schuldnern schwacher Bonität. Dass zum Beispiel Aktien- und Anleihenmarkt parallel steigen, ist historisch betrachtet nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme.

Seit Ende Juni hat sich das Bild allerdings zum Teil schon wieder geändert. Am deutlichsten ist das bei Aktien aus Portugal zu sehen. Bis Ende März lag der maßgebliche Börsenindex PSI 20 bereits 16 Prozent im Plus, aus 20.000 Euro wären so bereits 23.200 Euro geworden.

Zum Ende des Halbjahres schrumpfte das Kursplus auf neun Prozent – Platz 6 in der Halbjahresbilanz. Doch mit den seit einigen Wochen akuten Problemen bei der größten Bank Portugals, der Banco Espirito Santo, schlug die Krisenangst auf die Börse in Lissabon durch. Nach steiler Talfahrt liegt der PSI 20 nun wieder drei Prozent im Minus gegenüber Jahresbeginn. Wie gewonnen, so zerronnen.

Im zweiten Halbjahr alles anders

Überhaupt haben die ersten drei Wochen im Juli nochmal Bewegung in das Ranking gebracht. Unsere Auswertung vom 22. Juli hat einen neuen Spitzenreiter hervorgebracht: Der Ibovespa, der wichtigste Börsenindex Brasiliens, läge währungsbereinigt – also umgerechnet in Euro- mit einem Plus von 21,5 Prozent an erster Stelle. In der Landeswährung Reales läge das Plus allerdings nur noch 11,9 Prozent betragen.

Ähnlich erfolgreich waren lediglich Aktionäre in Dänemark (OMX Copenhagen 20 Index) mit Kursgewinnen von 19,7 Prozent oder die Börse in Ljubljana in Slowenien, die um 21,2 Prozent zulegte. Der türkische Aktienmarkt liegt inzwischen 26,1 Prozent im Plus. Umgerechnet in Euro sind das immer noch Kurzgewinne von knapp 22 Prozent. Diese Börsen blieben aufgrund ihrer geringen Größe in der Halbjahresbilanz allerdings unberücksichtigt.

Die zehn besten Aktien aus dem Dax

Anleger hin- und hergerissen

Anleger in Europa und den USA sind zum Auftakt des zweiten Halbjahres hin- und hergerissen. Die Zahlen der Unternehmen im zweiten Halbjahr waren zwar bis auf wenige Ausnahmen gut, es gab vor allem in den USA positive Überraschungen. Aus den USA und China kamen zudem unerwartet erfreuliche Konjunktursignale. Auf der anderen Seite belasten geopolitische Risiken wie der Konflikt in Israel und der Ukraine sowie Konjunktursorgen in Europa.

Und nicht zuletzt richten sich alle Augen auf die Notenbankpolitik. Während in Großbritannien und den USA in den kommenden sechs bis zwölf Monaten mit einer Erhöhung der Leitzinsen zu rechnen ist, steht Europa kurz davor, noch mehr Geld in die Kapitalmärkte zu drücken. Inflation und Euro-Abwertung würden den Peripheriestaaten helfen, ihre tiefe Rezession zu überwinden. Auch in Japan hält die Notenbank die Geldschleusen weiter geöffnet, um die langjährige Wachstumsschwäche zu überwinden. Doch auch wenn die Strategien der Notenbanken auseinanderdriften, bleibt das Zinsniveau generell niedrig.

Damit dürften Aktien bis auf weiteres die Favoriten der Investoren bleiben. Denn selbst die Anleiherenditen in der Euro-Zone spiegeln nicht mehr unbedingt die unterschiedlichen Risiken der einzelnen Länder wider. Unternehmensanleihen gelten zunehmend als überbewertet, zudem belastet die hohe Verschuldung der Unternehmen die Zukunftsaussichten. Es gibt also auch für Anleihekäufer immer weniger Grund, sich auf Papiere mit höheren Risiken zu stürzen, wenn das Renditeplus immer mehr schwindet. Die Aktienmärkte bleiben für Anleger somit weiter ohne echte Alternative.

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