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Anlegermesse Invest Experten halten einen Dax-Einbruch um bis zu 20 Prozent für wahrscheinlich

Wie legt man derzeit am klügsten an? Das diskutieren Experten auf der Anlegermesse Invest. Ex-Börsianer Dirk Müller warnt vor einem großen Crash.

Besucher der Invest lauschten den Einschätzungen renommierter Experten zu der aktuellen Weltwirtschaftslage. Dr. Max Schott von der Vermögensgesellschaft Sand und Schott warnt vor dem Strategen Trump.

StuttgartEs sind die augenfälligen Anlagen, die die Besucher der Privatanlegermesse Invest in Stuttgart in ihren Bann ziehen. Trauben von Interessierten stehen vor den Ständen der Aussteller mit Gold- und Silberbarren, einem aus Gold gepressten 500 Euro-Schein in einer kleinen Vitrine und Kupfer-Sammelmünzen. Nicht zuletzt bestaunen die Besucher einen zitronengelben Jaguar E-Type 5.3 Coupe aus dem Jahr 1973.

Doch diskutieren wollen die auf über 10.000 geschätzten Messebesucher über das, was ihre Depots erschüttern kann: Auf den Aktionsbühnen und an Ständen von Banken, Direktbanken, Fintechs, Wertpapieranbietern und Verlagen geht es vor allem um einen allseits bekannten Mann und seine Drohungen in alle Welt: US-Präsident Donald Trump rasselt gern per Twitter mit den Säbeln.

Wie sehr werden seine Andeutungen den Bürgerkrieg in Syrien noch anheizen, wie stark werden die neuen Importzölle der USA vor allem Richtung China den globalen Handel eindämmen?

„Trump spielt Angriffsschach – versucht, den Gegner unter Druck zu halten, indem er immer wieder neue Themen bringt“, analysiert Stephan Heibel, Herausgeber des Finanzbriefes Heibel-Ticker, auf einer Podiumsdiskussion der Bühne des Handelsblatts und der Wirtschaftswoche.

„Trump ist ein Schachspieler, der einen Zug im Voraus denkt“, ergänzt Max Schott, Chef des Vermögensverwalters Sand und Schott aus Stuttgart. „Der Dax hat in den vergangenen 17 Jahren zwei Mal 15 bis 20 Prozent verloren, das kann wieder passieren.“ So interpretiert auch Vermögensverwalter Gottfried Heller, ehemaliger Partner des Börsenaltmeisters Andre Kostolany, die Lage: Im Verlauf von 2018 rechnet er mit weiteren Rückschlägen, vor allem wegen der politischen Unsicherheiten.

Doch was tun? Die Experten auf der Handelsblatt-Bühne raten zu vorsichtigem Weitblick, wenn es denn zur persönlichen Risikoneigung passt: „Anleger sollten prüfen, was für sie strategisch Sinn macht: welches Verlustrisiko sie tragen können, um die Kehrseite – die Chancen mit Aktien wahrnehmen zu können“, sagt Carsten Klude, Chef-Volkswirt der Hamburger Bank M.M. Warburg. Heller rät langfristig ausgerichteten Anlegern, an schwachen Börsentagen nachzukaufen und „ansonsten die Nerven zu behalten“.

„Viele MDax-Firmen sind extrem wettbewerbsstark“

Grundsätzlich spricht für europäische Aktien die günstigere Bewertung etwa im Vergleich zu US-Aktien: So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktien aus dem deutschen Leitindex Dax auf der Grundlage der erwarteten Firmengewinne für 2018 etwa bei gut 12, das KGV des breiten US-Index S&P 500 bei gut 16.

Allerdings sei die Bewertung nicht das alleinige Kriterium, was zähle, meint Klude. In den USA seien die weltweit führenden Technologiefirmen nun wieder günstiger. Auch Finanzwerte gefallen ihm besser in den USA als in Europa, wo es für Banken noch mehr Umstrukturierungsaufgaben gebe und diese unter der Regulierung stöhnten.

Im Dax hebt Schott etwa Autowerte als wieder deutlich günstiger hervor, mit KGVs von acht bis 12. Wer davon ausgehe, dass diese Firmen mit Rekordgewinnen auch ihre aktuellen Herausforderungen von Abgasskandal bis hin zur Ausrichtung auf Elektro-Autos meisterten, könne zukaufen.

In Deutschland findet Klude auch Firmen aus der zweiten Reihe spannend: Viele MDax-Firmen seien extrem wettbewerbsstark, meint er. Auch in Europa wie in Italien, Spanien und auch Frankreich findet Schott wieder viele günstige, aussichtsreiche Firmen.

Ein Depot für einen Anleger mit mittlerer Risikoneigung sollte laut Klude aktuell strategisch rund 50 Prozent Aktien enthalten. Dazu als Stabilitätsfaktor einen Teil Anleihen. Allerdings sind für diese in einer Landschaft mit steigenden Zinsen und damit sinkenden Kursen von Bonds, die bereits am Markt sind, kaum Renditen zu erwarten.

Daher ergänzt Klude einen Teil alternative Anlagen. Diese seien zwar weniger liquide, brächten aber stabile Renditen, meint er. Schott hat die Aktienquote zuletzt etwas reduziert, um nun günstiger wieder nachzukaufen.

Jeder Aktienkäufer muss sich den Experten zufolge bewusst sein, dass es auch noch weiter runtergehen kann. Deshalb empfiehlt Heibel auch einen deutlichen Anteil Liquidität von derzeit rund einem Zehntel neben einem Aktienanteil von rund zwei Dritteln. Als Absicherung setzt er eine Goldquote von 10 bis 15 Prozent ein. Wegen der mageren  Aussichten für Anleihen rät Heibel zu einer eher geringen Anleihequote von 15 Prozent.

Andere sehen die Lage dramatischer. Der ehemalige Aktienhändler Dirk Müller macht seinem Ruf als Crash-Prophet alle Ehre: Die Situation an den Märkten sei „brandgefährlich, so gefährlich wie noch nie zu unseren Lebzeiten“, sagt er. Er rechne mit nicht weniger als einem systematischen Crash, von dem sich die Börsen jahrzehntelang nicht erholen, sagt Müller. Seinen Fonds hat er voll abgesichert.

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