Anleihen Rendite 10-jähriger Bundesanleihen fällt auf null Prozent

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik liegt die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen bei null Prozent. Damit leihen Anleger dem Bund ihr Geld umsonst.

Rendite 10-jähriger Bundesanleihen fällt auf null Prozent Quelle: dpa

Der drohende Austritt Großbritanniens aus der EU hat die angespannte Lage für Sparer weiter verschärft: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen in den negativen Bereich gerutscht. Anleger sind mittlerweile bereit, bei deutschen Staatsanleihen bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren sozusagen eine Gebühr zu bezahlen, statt Zinsen zu kassieren.

Am Dienstagmorgen waren zehnjährige Bundesanleihen am Markt so stark gefragt, dass der Zinssatz auf minus 0,004 Prozent fiel. Damit werden mittlerweile alle Bundesanleihen bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren am Markt mit einer negativen Rendite gehandelt. Die Papiere sind das wichtigste Instrument der Bundesregierung, um ihre Schulden zu finanzieren. Händler erklärten die derzeit starke Nachfrage nach Bundesanleihen vor allem mit einer nervösen Stimmung an den Finanzmärkten vor der Abstimmung über einen EU-Austritt Großbritanniens in der kommenden Woche.

Von null auf hundert und zurück
Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Quelle: dpa
Mario Draghi Quelle: REUTERS
Zentralbankzins für Einlagen unter null Quelle: dpa
Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Quelle: dpa
16. Januar 2015Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen.  Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat. Quelle: dpa
Die EZB macht Ernst. Quelle: dpa
Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe Quelle: dpa
Die EZB legt los. Quelle: REUTERS
17. April 2015Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bringt jetzt fast gar keine Rendite mehr. Der Kurs des nominal mit 0,5 Prozent verzinsten Bundesbonds steigt auf 104,43 Prozent. Die Folge: Die Rendite sackt im Tagesverlauf auf historisch niedrige 0,05 Prozent ab. Bundesanleihen im Umfang von 312 Milliarden Euro und damit 80 Prozent aller ausstehenden Bundesbonds rentieren im negativen Bereich. Quelle: dpa
Anleihe-Guru Bill Gross Quelle: REUTERS
Verbraucherpreise Quelle: dapd
Rendite über einem Prozent. Quelle: dpa
Am Rande des Grexit. Quelle: dpa
Schwarzer Montag an den Börsen Quelle: AP
Dax auf Jahrestief. Quelle: AP
Die EZB legt nach. Quelle: dpa
Die Fed erhöht die Zinsen. Quelle: AP
Ölpreis auf Zwölfjahrestief. Quelle: dpa
Japan schreibt Geschichte am Anleihemarkt Quelle: dpa
Der Dax fällt auf den tiefsten Stand seit November 2011. Quelle: REUTERS

Neben der Brexit-Furcht sieht der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, aber auch die ultralockere Geldpolitik führender Notenbanken als eine Ursache für die starke Nachfrage nach vergleichsweise sicheren Bundesanleihen. Im Kampf gegen die ungewöhnlich niedrige Inflation versucht unter anderem die Europäische Zentralbank (EZB), mit einer immer aggressiveren Geldpolitik entgegenzuwirken.

Die Furcht vor einem Brexit treibt Anleger schon seit Tagen verstärkt in sichere Anlagehäfen wie zum Beispiel deutsche Staatsanleihen. Neben Bundesanleihen profitierten zuletzt auch der japanische Yen und der Schweizer Franken von der nervösen Stimmung an den Märkten.

Zuletzt hatten Umfrageergebnisse gezeigt, dass die Befürworter eines Brexit mittlerweile in Führung liegen. Außerdem hatte mit der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ das auflagenstärkste Blatt des Landes zum Austritt aus der Europäischen Union aufgerufen.

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