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Bitcoin, Ethereum und Co. Kryptowährungen machen Scheidungen komplizierter

Die Aufteilung von Krypto-Vermögen macht Trennungen noch vertrackter. Denn mit Bitcoin und Co. lässt sich Geld vor dem Ehepartner verstecken.

Kryptowährungen machen Scheidungen komplizierter Quelle: dpa

DüsseldorfDie Vermögenswerte eines Paares zu teilen ist ein komplizierter und schmerzhafter Prozess. In Großbritannien entwickeln sich nun virtuelle Währungen wie Bitcoin und Ethereum zu einer neuen großen Herausforderung für Scheidungsanwälte.

Die zunehmende Beliebtheit des Bitcoin und – zumindest auch phasenweise – sein steigender Wert sorgen dafür, dass sich bei immer mehr Trennungen Paare auch bei Kryptowährungen einig werden müssen. Zwar sind die Parteien dazu verpflichtet, ihre Vermögenswerte im Scheidungsprozess offenzulegen.

Doch die Anonymität der Kryptowährungen machen sie zu einem vermeintlich sicheren Zufluchtsort für diejenigen, die ihr Geld vor dem Ehepartner verstecken wollen.

„In einer Ehe sucht häufig ein Partner nach einem Topf voll Gold, den es nicht gibt. Kryptowährungen könnten aber genau dieser Topf voll Gold sein“, sagte Toby Yerburgh, Familienrechtsanwalt bei der Kanzlei Collyer Bristow. Es gebe bereits Fälle, in denen Partner von versteckten Bitcoin betroffen seien.

Falls eine Partei seine Besitztümer nicht offenlegt oder keine Beweise vorlegt, wird der Scheidungsprozess teurer und dauert länger. Das kann dazu führen, dass der Partner keinen fairen Anteil am gemeinsamen Vermögen erhält. Gerade in Großbritannien kann es sich dabei um große Geldmengen handeln: Britische Richter sprechen Vermögenswerte den Partnern häufig zu gleichen Teilen zu.

„Es entsteht eine neue Stufe des Misstrauens, mit der wir uns bislang nicht befassen mussten“, sagte Jo Carr-West, Partnerin bei Hunters. „Die öffentliche Wahrnehmung, dass es bei Bitcoins keine belastenden Unterlagen gebe, sorgt für Besorgnis.“

Kryptowährungen, die an einer Online-Börse gehandelt werden oder die mit Geld von einem Bankkonto gekauft werden, lassen sich leicht aufspüren und bewerten. Schwieriger wird es jedoch, wenn das Krypto-Geld offline geht – beispielsweise, wenn das Wallet auf einen USB-Stick verschoben wird.

In solchen Fällen können Experten für digitale Kriminalität das E-Mail-Postfach des Ehepartners durchsuchen, um herauszufinden, welche Transaktionen zustande gekommen sind. Die Suche kann jedoch lange dauern und schnell tausende Pfund kosten – was manchmal mehr ist, als die letztendlich gefundenen Bitcoin wert sind.

„Kryptowährungen verkomplizieren die Angelegenheit, falls ein Partner dazu entschlossen ist, sein Geld zu behalten – genau wie bei Vermögenswerten, die im Ausland versteckt werden“, sagte Victoria Clarke, Anwältin bei Stowe Family Law. „Wir haben zwar die Werkzeuge, um Bitcoin aufzuspüren. Das Problem ist jedoch, dass manche Anwälte Bitcoins nicht verstehen – was unerlässlich ist, wenn man an die Vermögenswerte zu kommen versucht.“

Ein weiteres Problem bei Kryptowährungen ist deren Bewertung. Im Dezember lag der Bitcoin-Kurs auf dem Höchstwert von fast 20.000 US-Dollar. Kaum zwei Monate später ist er auf etwa 6000 Dollar gefallen. Diese Schwankungen machen es schwer, den Wert des Bitcoin-Vermögens zu bestimmen, da sich der Bitcoin-Preis im Verlauf einer Scheidung stark verändert. „Es ist nicht so einfach wie die Bewertung gewöhnlicher Aktien und Investments“, sagte Vandana Chitroda, Anwältin bei der Londoner Kanzlei Royds Withy King. „Bei jedem Verfahrensschritt muss eine Bewertung vorgenommen werden. Anschließend müssen sich die Parteien auf einen Wert für die finale Anhörung einigen.“

So kann es sein, dass ein Partner zum Zeitpunkt, als die Scheidung eingereicht wurde, zwar ein beträchtliches Krypto-Vermögen aufgebaut hat – dieses aber zum Prozessende zusammengeschrumpft ist. In einem der drei Krypto-Scheidungsfälle bei Royds Withy King handelt es sich um ein ursprüngliches Investment von 80.000 Pfund (111.600 Dollar) aus dem November 2016. Im Dezember 2017 war es eine Million Pfund wert, jetzt liegt der Wert bei 600.00 Pfund.

Die Gerichte müssen sich nun mit den Auswirkungen der neuen Technologien befassen. Bitcoin wurden im Jahr 2009 erschaffen, Anwälte und Richter beobachten nun die ersten Fälle von Kryptowährungs-Scheidungen. Es gibt keine Präzedenzfälle, an denen sie sich orientieren können.

Für weitere Komplikationen sorgt auch, dass die üblichen Methoden der Richter, Vermögen zu sichern – indem sie beispielsweise eine Verfügung erlassen – auf Kryptowährungen nur schwer anzuwenden sind. „Den Gerichten fehlen die passenden Instrumente“, sagte Chitroda. „Das Gericht kann zwar per Verfügung die Vermögen einfrieren lassen – was aber sinnlos ist, wenn es keine zentrale Institution gibt, die sie ausführt.“

Trotzdem werden es Ehepartner nicht so leicht damit haben, ihr Geld per Bitcoin zu verstecken. Gerichte sind an Fälle gewöhnt, für die sie sorgfältig Vermögenswerte aufspüren müssen, insbesondere, wenn sich diese im Ausland befinden. Und unter Umständen können Gerichte in Fällen, in denen eine Partei sich weigert, ihr Krypto-Vermögen offenzulegen, als Entschädigung zugunsten des Partners entscheiden.

Dennoch setzen die britischen Institutionen alles daran, die Blockchain-Technologie erfassen zu können. Am Donnerstag hat der Finanzausschuss des Parlaments eine Untersuchung über die Rolle von digitalen Währungen in Großbritannien in die Wege geleitet, die sich auch mit den Chancen und Risiken für Konsumenten, Unternehmen und die Regierung beschäftigt. „Bitcoin mag vielleicht eine Blase sein, die Blockchain-Technologie ist jedoch keine“, sagte Clarke, die selbst seit 2011 in Bitcoin investiert. Auch Chitroda glaubt, dass Kryptowährungen nicht verschwinden werden und dass sich das Gesetz auf die neuen Herausforderungen einstellen werden muss.

„Die Gerichte haben erst kürzlich erlaubt, Dokumente per E-Mail zuzuschicken“, sagte Chitroda. „Wir werden uns beeilen müssen, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Es ist eine große Herausforderung für uns alle. Wir arbeiten daran, uns fortzubilden und bereit zu sein.“

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