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Bitcoin und Blockchain Die skurrilen Trittbrettfahrer des Bitcoin-Booms

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Kurse steigen deutlich

Die alte Internetpräsenz des Unternehmens gibt es noch immer. Über leckeren Eistee-Rezepten prangt dort stolz das von den Getränketüten am Supermarktregal bekannte Markenzeichen. Im Investorenbereich berichtet der Erfrischungsgetränkehersteller, Verzeihung, das Blockchain-Unternehmen natürlich, über seine durchaus zahlreichen ersten Aktivitäten auf dem Feld der Krypto-Währungen. Beispiel gefällig?

Zunächst soll teure Ausrüstung für das digitale Schürfen von Bitcoins angeschafft werden, die Lieferung erwartet man noch im Januar. Die Finanzierung der Antminer genannten Geräte des chinesischen Herstellers Bitmain allerdings scheint laut einer aktuelleren Investoren-Mitteilung noch nicht ganz geklärt zu sein. Sobald die Gerätschaften zur Verfügung stehen, soll das Bitcoin-Schürfen beileibe nicht in den gleichen Fabriken stattfinden, in denen der Eistee zusammengerührt wird.

Als Standort für die neue Ausrüstung haben die Manager stattdessen ein sicheres Rechenzentrum an einem geheimen Ort in Skandinavien auserkoren, das von einem externen Dienstleister mit reichlich Erfahrung in diesem Geschäft betrieben wird. Wer und wo genau das ist, dazu hüllt sich die Mitteilung in bedeutungsvolles Schweigen. Immerhin verrät die Investorenmitteilung, dass die Kälte Skandinaviens beim Kühlen der vom Bitcoin-Schürfen heiß laufenden Rechner helfen soll. Die auch im Eisteegeschäft erforderliche Kühlkompetenz scheint hier zumindest eine Parallele zum ursprünglichen Unternehmenszweck darzustellen.

Große Hoffnung liegt bei dem Eisteebrauer jetzt auf dem vor wenigen Tagen angekündigten Zusammenschluss mit dem FinTech-Unternehmen Stater, das in Großbritannien eine Tauschbörse für Devisen und Krypto-Währungen betreibt. Sollte der Merger klappen, würde die ehemalige Eisteefirma komplett im Unternehmen des Fusionspartners aufgehen. Stater ist noch nicht börsennotiert und hätte mit diesem Kniff einen schnellen Weg aufs Parket gefunden.

Der Eisteehersteller hat unter seinem neuen Namen Long Blockchain Corp. zwischenzeitlich eine zweite Webseite ins Netz gestellt, auf der er sich bereits als lupenreines Blockchain-Unternehmen präsentiert. Das Design ähnelt auffällig dem der Internetseite von Stater, des Fusionspartners in spe. Dort verleiht er dem Ziel Ausdruck, ein bedeutendes Blockchain-Geschäft aufbauen zu wollen. Die Verhandlungen mit Geschäftspartnern stünden freilich noch am Anfang.

Frei von Häme lässt sich zumindest sagen, dass sich die Altaktionäre dank des Namenstricks über deutliche Kurserholungen freuen können. Vorher hatte ihre Aktie viel schwächer ausgesehen.
Trotz Kursturbulenzen bei den Krypto-Währungen dampft der Bitcoin-Zug munter weiter – und nicht nur börsennotierte Unternehmen springen auf.

Finger weg oder kaufen? Zehn Fragen zum Bitcoin

Das Frankfurter Start-up savedroid etwa legt für seine Nutzer automatisch jeden Euro oder Cent zurück, den diese sparen, wenn sie zum Beispiel einen von dem Sparroboter vermittelten billigeren Handyvertrag abschließen. Motto: Spar dich glücklich. Das ist der Kern des Geschäftsmodells. Doch auf der Webseite und bei der Kommunikation des Unternehmens stand in diesen Tagen das Thema Bitcoin im Fokus.

Grund: Die vom Sparroboter abgeknapsten Ersparnisse sollen bald auch in Bitcoin fließen, denn savedroid tauscht ab Mitte des Jahres Guthaben in die Cyberwährung um, wenn der Kunde das wünscht. Gründer Yassin Hankir sagt ganz offen, dass er mit diesem Angebot die Bekanntheit seines Unternehmens bei potenziellen Nutzern steigern will, weil die Cyberwährungen so populär geworden sind. Aus dem gleichen Grund lässt er seine Nutzer auch Beteiligungen an savedroid auf Basis einer digitalen Bezahleinheit zeichnen. Vor solchen Token-ICOs, hat die Finanzaufsicht Bafin die Verbraucher jüngst gewarnt.

Die Kommunikationsstrategie von savedroid jedenfalls ist aufgegangen, bereits nach Stunden war die in einem Vorverkauf angebotene Tranche im Volumen von fünf Millionen Euro ausverkauft.

Auch das Investoreninteresse ist hoch: Auf dem ganz klassischem Weg der Venture-Capital-Finanzierung hat savedroid gerade 1,5 Millionen Euro frisches Geld von dem FinTech-Investor Alfred Schorno, Krypto-Unternehmer Dennis Weidner und weiteren Kapitalgebern für seine Geschäftsidee erhalten.

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