Börsenwoche 502: Editorial: E-Commerce bleibt für Anleger interessant
Der erste große Börsengang des Jahres steht an. Der schwedische Bezahldienstleister Klarna will bald in New York an die Börse gehen. Details zur Größenordnung stehen noch aus, aber der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet, dass Klarna eine Bewertung von 15 Milliarden Dollar anstrebt. Klarna bietet im Onlinehandel Zahlungsabwicklung und Ratenkredite an.
Das ist ein wachsendes Geschäftsfeld, auch, weil der Internethandel insgesamt noch wächst. Am Aktienmarkt bietet die Branche aber ein gemischtes Bild. Vom großen Hype um E-Commerce ist nicht mehr viel übrig. Die Aktie des Modespezialisten Zalando hat seit Sommer 2021 zwei Drittel an Wert verloren. Seit Börsengang des Unternehmens im Oktober 2014 lief der Dax dreimal besser. Der Berliner Konzern übernimmt nun seinen Konkurrenten About You, der kurz davor war, seinen Aktionären einen Totalverlust zu bescheren.
Die auf E-Commerce spezialisierte Start-up-Schmiede Rocket Internet ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ihre Aktien sind kaum noch handelbar und Rockets bekannte Zöglinge wie Delivery Hero oder Hellofresh kränkeln. In Großbritannien hat die Aktie des Online-Supermarkts Ocado binnen weniger Jahre mehr als 90 Prozent an Wert verloren. Aktionäre des führenden südkoreanischen Internethändlers Coupang mussten ebenfalls hohe Verluste verkraften.
Der Internethandel ist keine einfache Branche. Logistik ist teuer, die Warenwirtschaft kompliziert und die Kunden sind verwöhnt. Viele Aktien der Branche haben darunter gelitten, dass Unternehmen viel Kapital einsetzen mussten und keine hohen Gewinnspannen erreichen konnten.
Kein Wunder, dass die Aufmerksamkeit der Anleger in den vergangenen Jahren eher bei Softwarehäusern, Chipkonzernen oder reinen Internetfirmen wie Meta (Facebook) und Alphabet (Google) lag. Die benötigen oft weniger Kapital, wachsen schnell und erzielen hohe Gewinne. Aufgeben sollten Anleger die Aktien von Internethändlern trotzdem nicht.
Es gibt auch Erfolgsgeschichten. So können sich langfristige Aktionäre von Zooplus freuen, einem Spezialisten für Tierbedarf. Erfolgreich war auch der chinesische Konzern Pinduoduo, der im Westen für seinen Discounthändler Temu bekannt ist. Gesättigt ist der Markt noch nicht. In einigen Ländern, darunter Deutschland, kann der Internethandel noch deutlich Anteile gewinnen (siehe Grafik).
Interessierte Anleger müssen auch nicht allein auf den Erfolg des Internethandels setzen. Bei Amazon etwa ist das E-Commerce-Geschäft nur die Grundlage für eine breite Produktpalette. Die wirklich großen Profite macht der Konzern mit seinem Cloud-Geschäft. Andere verdienen mit Internethandel indirekt Geld. Klarna zum Beispiel kassiert als zuverlässiger Zahlungsdienstleister.
Und das kanadische Unternehmen Shopify bietet Internethändlern Software und Dienstleistungen. Über Shopifys Plattform wurden vergangenes Jahr Waren im Wert von fast 300 Milliarden Dollar umgesetzt. Die Aktie ist heute 60-mal so wertvoll wie beim Börsengang vor zehn Jahren. Sie liefert den Beweis dafür, dass E-Commerce Anlegern auch Chancen bietet.
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