Bundestagswahl Das Wahlergebnis ist für die Börse schwer zu lesen

Anleger und Investoren können sich auf das Wahlergebnis noch keinen richtigen Reim machen.

"Einen Sack Mücken hüten ist einfacher als eine Jamaika-Koalition"

Was Politik betrifft, sind Anleger und Investoren an Stabilität und klaren Entscheidungen interessiert. Deshalb hat das Wahlergebnis den Kapitalmarkt weder richtig überzeugt, noch in Aufregung versetzt. Die alte Bundeskanzlerin wird höchstwahrscheinlich auch die Neue sein, und dass, ohne eine besonders weit rechts oder links orientierte Partei an der Regierung beteiligen zu müssen.

Doch das Ausscheiden des alten Merkel-Koalitionspartners SPD aus der Regierung hat eine Dynamik entfaltet, die beim Kapitalmarkt für Skepsis sorgt.

Wie lang dauert es, bis die CDU sich mit ihren voraussichtlich neuen Regierungspartnern, den Grünen und der FDP über politische Ziele und Posten einig wird? Welche Folgen hat die gegenüber Transfers an kriselnde Euroländer skeptische Haltung der Liberalen auf die Regierungsbildung und den Euro? Und: Wie lang hält ein Dreierbündnis aus CDU und den beiden ideologisch doch sehr weit auseinanderliegenden kleineren Parteien? Diese Fragen sorgen heute für Zurückhaltung an den Börsen, der Euro und der deutsche Aktienindex Dax haben beim Start des Handels nachgegeben, später legte sich die Aufregung zunächst.


„Die Wahl wird langfristig keine negativen Marktreaktionen haben“, erwartet die Vermögensverwaltung Fidelity. Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock geht ebenfalls davon aus, dass das Wahlergebnis nur begrenzte Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben wird. Allerdings könne ein Dreierbündnis aus CDU, Liberalen und Grünen wegen der unterschiedlichen Positionen knifflig werden. Eine Stärkung der Eurozone werde vor diesem Hintergrund unwahrscheinlicher.

Auch die Schweizer Großbank UBS hält steigende Risikoprämien bei den Staatsanleihen Italiens, Spaniens, Griechenland und Portugals für möglich, weil der neue CDU-Koalitionspartner FDP steuerliche Beihilfen für die höher verschuldeten Peripherieländer Europas ablehnt.


Die Deutsche Bank dagegen unterstreicht Merkels Erfahrungen als Regierungschefin und ihren „rationalen, nicht testosterongesteuerten Ansatz“. Diese Kontinuität mit einer für ihre deeskalierende Außenpolitik bekannten Kanzlerin an der Spitze könnte tatsächlich für Verlässlichkeit und Stabilität sorgen und einen wichtigen Fels in der Brandung bilden, falls sich der Nordkoreakonflikt ausweiten sollte oder andere weltpolitische Probleme gelöst werden müssten.

Den Märkten hat der Wahlausgang insgesamt also eine Mischung aus Kontinuität und Dynamik beschert. Aktien von Autoherstellern und Energieerzeugern dürften jedoch stärker betroffen sein als der Rest des Marktes. Grüne und FDP dürften als ehemalige Oppositionsparteien auf eine rigorosere Aufarbeitung des Abgasskandals drängen.

Mit 4,3 Prozent stark eingebrochen ist die Aktie des kohlelastigen Energiekonzerns RWE, da die Grünen für ein Ende des Kohlestroms eintreten. Die Aktien der Energiekonzerne Uniper und Eon litten weniger stark, weil sie auch erneuerbare Energien im Portfolio führen.

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