Chip-Boom: US-Börsen trotz Zollstreit im Plus – Nvidia knackt Rekord
US-Anleger lassen sich von den jüngsten Zolldrohungen des US-Präsidenten Donald Trump nicht verunsichern. Der US-Standardwerteindex Dow Jones und der breit gefasste S&P 500 legten am Mittwoch jeweils 0,3 Prozent auf 44.375 beziehungsweise 6247 Punkte zu. Der technologielastige Nasdaq gewann dank der anhaltenden Rekordrally des Index-Schwergewichts Nvidia 0,6 Prozent auf 4549 Zähler.
„Was heute auf dem Tisch liegt, muss nicht unbedingt auch morgen auf dem Tisch liegen“, sagte Börsenexperte Oliver Pursche vom Anlageberater Wealthspire. „Anleger ignorieren das Grundrauschen.“ Schließlich habe sich die Furcht vor wirtschaftlichen Turbulenzen und einer galoppierenden Inflation durch die Zölle bislang nicht bewahrheitet. Am Dienstag hatte Trump Zölle von 50 Prozent auf Kupfer und 200 Prozent auf Pharmazeutika angedroht. Außerdem würden die Waren enger Verbündeter wie Japan oder Südkorea sowie mehrerer anderer Staaten ab dem 1. August mit Abgaben von 25 Prozent belegt.
Auch am Kupfermarkt glätteten sich die Wogen. Der US-Terminkontrakt, der am Dienstag um gut 13 Prozent auf ein Rekordhoch gestiegen war, gab am Mittwoch um drei Prozent auf 5,51 Dollar je Pfund nach. Damit kostete eine Tonne etwa 12.150 Dollar und war damit rund ein Viertel teurer als dieselbe Menge dieses Industriemetalls an der Londoner Börse. Dass die Preisdifferenz deutlich unter den drohenden Zöllen von 50 Prozent blieb, werteten Experten als Zeichen, dass Anleger auf eine Verhandlungslösung und deutlich geringere Abgaben hofften.
Nvidia schreibt Börsengeschichte – Versorger AES gefragt
Bei den Aktienwerten stand Nvidia erneut im Rampenlicht. Die Titel des Chip-Herstellers setzten dank des Booms bei Künstlicher Intelligenz (KI) ihre Rally fort und stiegen um bis zu 2,8 Prozent auf ein Rekordhoch von 164,42 Dollar. Damit erreichte der Konzern als erstes Unternehmen weltweit einen Börsenwert von 4,012 Billionen Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie die Marktkapitalisierung sämtlicher 40 Dax-Werte zusammengenommen. „Es ist zwar unwahrscheinlich, dass Nvidia den Markt für KI-Chips auch in Zukunft in gleichem Maße dominieren wird, aber das Unternehmen bleibt der Hauptanbieter von KI-Hardware für einen unersättlichen Bedarf an Rechenzentren“, sagte Analyst Gil Luria vom Research-Haus D.A. Davidson.
Gefragt waren auch die Titel von AES, die sich mit einem Plus von zeitweise gut 18 Prozent so stark verteuerten wie zuletzt vor 16 Jahren. Der Agentur Bloomberg zufolge sind mehrere Finanzinvestoren an dem Versorger interessiert. Das AES-Management prüfe mehrere Optionen, unter anderem einen Verkauf.
Zu den Verlierern zählten die Werbeagenturen Interpublic und Omnicom. Sie litten unter den kassierten Jahreszielen des europäischen Rivalen WPP und verloren jeweils mehr als zwei Prozent. WPP habe offenbar Probleme, sich an den zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Branche anzupassen, sagte Anlagestratege Neil Wilson vom Brokerhaus Saxo Markets. WPP brachen in London um fast 19 Prozent ein.
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