Trumps Wirtschaftspolitik: Der Präsident verspricht Wachstum – doch er hinterlässt ein zerrüttetes System

Die Bilanz der ersten sechs Monate von Donald Trump ist ebenso beeindruckend wie bedrückend. Trump ist erfolgreicher, als seine Gegner befürchtet und seine Anhänger erhofft hatten.
Der amerikanische Präsident hat die USA unter seine Kontrolle gebracht, mit einer historischen Salve von knapp 170 Dekreten. Der Supreme Court hat dafür gesorgt, dass Bundesrichter nur noch begrenzt präsidiale Verordnungen stoppen können.
Die Einwanderungsbehörde ICE, deren vermummte Beamte in den ersten 100 Tagen rund 65.000 Migranten verhaftet oder abgeschoben haben, wird mit Dutzenden Milliarden zu einer Art Sicherheitspolizei aufgerüstet. Daneben sorgen symbolische Feldzüge gegen Anwaltskanzleien, politische Gegner und Universitäten für ein neuartiges Klima der Angst, das den Amerikanern bisher fremd war.
Die Krönung ist die „Big Beautiful Bill“, ein Monstrum von einem Gesetz, das der US-Präsident im Eiltempo durch den Kongress drückte – und den letzten Widerstand mancher Republikaner brach.
Dieses Haushaltsgesetz bringt die US-Wirtschaft auf einen neuen, riskanten Pfad: Es zementiert die chronisch überhöhten Defizite, ohne einen konsistenten Plan zu haben. 3,3 Billionen Dollar zusätzliche Schulden erwarten Ökonomen innerhalb von zehn Jahren.
Trump startet damit eine waghalsige Wette auf das amerikanische Wachstum. Klar, dies wurde schon oft unterschätzt oder abgeschrieben. Nun wird es vor allem teuer erkauft.
Man könnte einwenden, dass auch sein Vorgänger Joe Biden mit dem „Inflation Reduction Act“ eine solche Billionenwette startete. Das ist genau das Problem: Dieses Programm befeuerte das Wachstum, führte aber zu einer bitteren Erkenntnis: dass die Amerikaner immer größere Summen aufwenden müssen, um dieses Wachstum zu erzeugen.
Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied: Während Biden und frühere Präsidenten in einem intakten globalen Handelssystem operierten, hat Trump dieses System zerstört, weil es den USA angeblich schadet. Er verprellt und bedroht nicht nur Handelspartner und Verbündete, sondern seine Gläubiger, die in Zukunft die Mega-MAGA-Defizite finanzieren sollen.
Und was ist mit den Handelsabkommen? Nun, da gibt es wenig Ergebnisse und bis Anfang August wieder einmal viel Knall und Rauch: Ein Abkommen mit Großbritannien und Vietnam, Waffenstillstand mit China, schwierige Verhandlungen mit dem Rest der Welt. Nicht ohne Grund nimmt die Taktung der Zolldrohungen wieder zu, je nach Land, Branche und Rohstoff zwischen 20 und 200 Prozent.
Die Bilanz von Trumps Wirtschaftspolitik fällt nach sechs Monaten verheerend aus: hohe Kosten, viel Chaos, DOGE als Folklore, Unberechenbarkeit als Grundrauschen. Vor allem aber ist das Grundvertrauen in die Stabilität Amerikas erschüttert, die Krise des Dollars ist dafür das sichtbarste Zeichen.
In einem Western wäre Trump der Revolverheld, der im Saloon wild um sich schießt – ohne zu merken, wie oft er sich dabei selbst ins Knie trifft. Angeschlagen ist er allerdings mitnichten. Er erscheint mächtiger und bedrohlicher denn je.
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