Börsenrekord: Dem Dax droht die Japan-Falle

Am Dienstagmorgen hat der Dax zum ersten Mal die Schwelle von 24.000 Punkten überschritten. Das ist beeindruckend. Noch vor fünf Jahren fiel der Dax während der Coronapandemie unter 9000 Punkte.
Vielen deutschen Großunternehmen ging es in den vergangenen Jahren gut, manchen sogar hervorragend. Die Geschäfte beim Software-Riesen SAP brummen, die Münchener Rück macht Rekordgewinne und sogar die einstige Volksaktie Deutsche Telekom liefert wieder ab. Bisher konnten die größten deutschen Konzerne von ihrem Auslandsgeschäft profitieren. In der Heimat war aufgrund der anhaltenden Wirtschaftsflaute wenig zu holen. Auch das könnte sich nun ändern, schließlich setzt die neue Bundesregierung auf schuldenfinanzierte Wachstumsimpulse.
Das weckt die Hoffnungen der Anleger. Seit Jahresbeginn liegt der Dax 20 Prozent im Plus. Der US-Leitindex S&P 500 kommt gerade einmal auf plus zwei Prozent. Es fühlt sich an wie eine verkehrte Welt: Seit der Finanzkrise war es stets der amerikanische Aktienmarkt, der verlässlich stieg. Ohne Dividenden lag der Dax noch im Herbst 2023 auf demselben Niveau wie im März 2000.
In den vergangenen Monaten ging es aber kräftig aufwärts. Was auch daran lag, dass deutsche Aktien lange Zeit günstig waren und die Dividendenrenditen hoch. Das lockte Anleger – und noch immer blicken viele Marktteilnehmer optimistisch auf die Chancen am deutschen Markt.
Bloß werden diese mit dem Kursanstieg immer kleiner. Der Bewertungsdrops ist schon gelutscht. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dax liegt bereits bei 19, was das obere Ende der üblichen Spanne ist. Und es wird nicht einfach, die deutsche Wirtschaft anzukurbeln, denn die strukturellen Probleme sitzen tief.
Dem Dax droht die Japan-Falle. Anfang 2024 fiel Vermögensverwaltern weltweit auf, dass japanische Unternehmen günstig und oft gut geführt waren. Sie griffen bei den Aktien zu und der Nikkei-Index stieg deutlich. Seitdem stagniert Japans Börse aber, weil sich Anleger wieder auf das schwache Wachstum und die fehlenden Zukunftsperspektiven konzentrieren.
Das könnte auch hierzulande passieren. Auf der anderen Seite: Falls die deutsche Wirtschaft bald boomt, könnten auch die nächsten Jahre gut für den Dax werden. Aber die bereits hohen Bewertungen begrenzen, wie weit eine Rally bei klarem Kopf noch gehen kann. Und eine Aktienblase kann niemand wollen. Die Japaner wissen das am besten – die Tokioter Börse steht aufgrund einer geplatzten Spekulationsblase heute tiefer als 1989.