Dow Jones, S&P 500, Nasdaq Handelsstreit zwischen USA und China zieht Wall Street kräftig runter

Von Erholung keine Spur mehr: Mit Schrecken beobachten die Anleger den Schlagabtausch zwischen Washington und Peking. Die Aktienkurse purzeln.

New YorkDas war schon wieder mit der Erholung. Gestern hatten die Anleger noch ein Ausrufezeichen gesetzt, nach den schwachen Handelstagen rund um Ostern hatten sich die US-Börsen am Dienstag deutlich erholt. Doch am Mittwoch ist das Plus mit der ersten Handelsminute aufgefressen. Die sich gegenseitig mit Strafzöllen überziehenden Regierungen in Washington und Peking schüren Ängste vor einer Eskalation der protektionistischen Muskelspiele.

Der traditionsreiche Weltleitindex Dow Jones büßte 1,9 Prozent ein und sank auf 23.581 Punkte. Der breite S&P 500 verlor anderthalb Prozent auf 2577 Zähler. Die Technologiebörse Nasdaq gab mit ihrem Composite, der alle an der Börse gelisteten Aktien zusammenfasst, ebenfalls anderthalb Prozent ab auf 6838 Punkte.

Washington will importierte Waren – darunter auch Hightech aus Fernost – im Wert von bis zu 50 Milliarden Dollar mit zusätzlichen Abgaben belegen. Auf die Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump, dass man auf 1300 chinesische Produkte Strafzölle erheben werde, folgte prompt eine Reaktion aus Peking.

Am Vormittag mitteleuropäischer Zeit präsentierte man einen Entwurf: Strafzölle auf 106 US-Waren – darunter Sojabohnen, Autos und Chemie-Produkte – ebenfalls im Wert von 50 Milliarden Dollar.

In den Handelssälen nahm man den Schlagabtausch mit Befremden auf, Anleger reagieren äußerst verschnupft, denn der Protektionismus gefährdet die brummende Konjunktur. „Die Annahme war, dass China nicht so aggressiv antworten und eine Eskalation der Spannungen vermeiden würde“, sagte Julian Evans-Pritchard, Ökonom beim Londoner Forschungsinstitut Capital Economics. Allerdings handele es sich bislang nur um Ankündigungen.

„Es ist weiter die Frage offen, ob US-Präsident Donald Trump wirklich bereit ist, eine Eskalation des Handelsstreits zu riskieren oder er nur Stärke zeigen will“, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Die Tatsache, dass sein Verhalten unberechenbar ist und es im Weißen Haus schnell zu Stimmungsschwankungen kommt, genügt, um für Verunsicherung auf dem Börsenparkett zu sorgen.“

Von einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis zeugte der Griff nach Gold. Das gern als sicherer Hafen angesteuerte Edelmetall verteuerte sich um 0,8 Prozent auf 1343,3 Dollar.

Unter Druck geriet der Flugzeugbauer Boeing. Trotz eines potenziellen Milliarden-Auftrags aus Indien gaben die Papiere deutliche 4,5 Prozent nach. Der Grund: Auf der langen chinesischen Antwortliste für die Amerikaner stehen auch US-Flugzeuge. Die Aussicht auf Strafzölle gefiel den Anlegern gar nicht.

Die Indische Jet Airways teilte mit, eine Vereinbarung über den Erwerb von 75 Boeing-Maschinen der Version 737 MAX im Wert von 8,8 Milliarden Dollar, etwa 7,2 Milliarden Euro, getroffen zu haben. Sie ließ allerdings offen, ob es sich um eine Grundsatzvereinbarung handelt oder bereits um ein bindendens Angebot. Boeing war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Mit dem Kauf der Flugzeuge will Jet Airways der unablässig steigenden Nachfrage in Indien beikommen. Bei dem Auftragswert von 8,8 Milliarden Dollar handelt es sich um den Listenpreis. In der Regel werden den Käufern teils erhebliche Preisnachlässe gewährt.

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