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Düngemittel Dax-Konzern K+S steht am Abgrund

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Gewaltige Kapazitätsinvestitionen

Die K+S-Aktie

Die Kapazitätsinvestitionen von kleineren und neuen Wettbewerbern wie BHP sind jedoch so gewaltig, dass sich das Spiel für die drei Großen ändert. Blieben sie bei ihrer bisherigen Strategie und ließen es zu, dass alle anderen Anbieter ihre Kapazitäten voll auslasten, dann würde ihr gemeinsamer Marktanteil von aktuell über 70 Prozent bis 2020 auf unter 20 Prozent einbrechen (siehe Grafik unten).

Dank der durch attraktive Preise angestoßenen gewaltigen Investitionen könnte sich die Anzahl der Kali-Minen bis 2020 verdoppeln. Das zusätzliche Produktionspotenzial der angekündigten und zum großen Teil schon im Bau befindlichen Kapazitätserweiterungen deckt etwa 85 Prozent der weltweiten Kali-Nachfrage ab.

Durchschnittlich müssen für eine Tonne zusätzlicher jährlicher Abbaukapazität zwischen 200 und 1400 Dollar investiert werden. Eine einzelne neue Mine mit beispielsweise 1,8 Millionen Tonnen Abbaukapazität verschlingt also durchschnittlich rund 1,5 Milliarden Dollar. Das ist kein Pappenstiel.

Einige der neuen Projekte aber werden in Zukunft nicht profitabel arbeiten können, weil die drohenden Überkapazitäten einen harten Kampf um Marktanteile auslösen werden. So hat der Bergbaugigant BHP mit dem Bau der weltweit größten Kali-Mine begonnen, ebenfalls in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Mit einer geplanten Produktionskapazität von sechs bis acht Millionen Tonnen pro Jahr würde allein diese Mine nach Fertigstellung rund zehn Prozent der globalen Nachfrage abdecken. Weitere etwa 20 Minen anderer Anbieter stecken in der Projektpipeline.

Marktmacht schwindet

Die unmittelbare Reaktion der etablierten Anbieter auf diese Investitionsoffensive bestand darin, ihrerseits mehrere Ausbauprojekte öffentlich anzukündigen. Die Ankündigungen sollten neue Wettbewerber wie BHP von weiteren Kapazitätsinvestitionen abschrecken.

Doch diese Abwehrstrategie lief ins Leere. Zahlreiche Verzögerungen ließen die Ankündigungen der Etablierten immer weniger glaubwürdig erscheinen. Ein großer Teil der budgetierten Investitionen von BHP und anderen Neuen ist bereits in neue Minenprojekte geflossen. Jetzt können die neuen Anbieter nicht mehr zurück – auch wenn sich jetzt zum Beispiel BHP etwas mehr Zeit für die Fertigstellung der Mine nehmen will. Fakt ist: Die Marktmacht der großen, etablierten Anbieter wird signifikant abnehmen. Sie haben die Wahl zwischen Pest und Cholera.

  • Sie könnten versuchen, durch Verknappung und Unterauslastung ihrer Produktionskapazitäten die Lawine der erwarteten Preissenkungen zu verlangsamen. Dadurch müssten sie geringere Absatzmengen und Marktanteilsverluste in Kauf nehmen.
  • Oder sie können sich schnell an die neuen Marktregeln anpassen, indem sie sich über Preissenkungen ihre Absatzmengen sichern. Dadurch würden sich ihre Gewinnmargen allerdings dramatisch verringern, und der Preisverfall im Markt würde sich noch beschleunigen.
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