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Europas Top-Aktien Deutsche Bank fällt aus Euro-Stoxx-50-Index

Neben der Deutschen Bank müssen auch der deutsche Versorger E.On und der französische Zement-Hersteller Saint Gobain den Euro Stoxx 50 verlassen. Quelle: AP

Die Deutsche Bank bekommt die Folgen aus Governance-Skandalen und sinkender Börsenbewertung zu spüren. Deutschlands größte Bank ist erstmals aus dem Euro-Stoxx-50-Index herausgefallen. Das ist schlecht für die Aktionäre.

Die Deutsche Bank fällt wie erwartet aus dem europäischen Benchmark-Index Euro Stoxx 50. Das berichteten die Nachrichtenagentur Reuters und der Finanzbranchendienst Bloomberg am Dienstagmorgen einstimmig in Berufung auf Finanzkreise.

Weil diese zuletzt ebenso wie der Aktienkurs kräftig gesunken war, fällt die Aktie nun auf Basis der Schlusskurse vom vergangenen Freitag aus dem Auswahlindex. Bloomberg begründete die Auslistung der Deutschen Bank zudem damit, dass es beim Geldhaus eine Reihe von Governance-Skandalen gegeben habe. Darüber hinaus herrsche „Unfähigkeit“ vor, „sich an die regulatorischen Veränderungen im Zuge der Finanzkrise anzupassen“. Entscheidendes Kriterium dürfte aber der gesunkene Börsenwert der Deutschen Bank sein. Seit Jahresbeginn hat die Aktie einen Kursverlust von knapp 40 Prozent hinnehmen müssen, seit Ausbruch der Finanzkrise Ende 2007 sogar rund 90 Prozent. Aber im Gegensatz zu anderen Bankhäusern hat sich die Krise bei der Deutschen Bank weiter verschärft, sind fand nicht zu alter Stärke zurück.

Der Euro-Stoxx-50-Index gilt als eines der führenden Börsenbarometer Europas und setzt sich aus den Aktien der 50 großen, börsennotierten Unternehmen des Euro-Währungsraumes zusammen. Er wird seit 1998 durch die Stoxx Ltd. in Zürich ermittelt und ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse und der Schweizer SIX Group. Vielfach kritisierten Investoren, dass der Index zu bankenlastig sei, weil die hohen Marktkapitalisierungen der Geldinstitute für ein Übergewicht der Branche in dem Index sorgen. Nun verlässt mit der Deutschen Bank das einzige deutsche Bankhaus den Index. Mit der BNP Paribas, Société Générale, Banco Bilbao, Banco Santander, Intesa Sanpaolo und der ING Groep verbleiben zwei französische, zwei spanische, eine italienische sowie eine niederländische Bank in dem europäischen Leitindex.

Die Aktienkurse der im Euro Stoxx 50 notierten Unternehmen profitieren langfristig von dem Zugehörigkeit in einem wichtigen Index, weil alle Fonds, die diesen Index abbilden, in die Aktie oder ihre Derivate investieren müssen - und das immer wieder, wenn diese Fonds Mittelzuflüsse verzeichnen. Umgekehrt müssen diese Fonds einen Titel abstoßen, wenn er aus dem Index herausfällt. Ein Auswertung der Fondsübersichten bei Morningstar listet mehr als 70 börsennotierte Fonds (ETF), die sich am Euro Stoxx 50 orientieren. Laut Handelsblatt gibt es 33 Indexfonds, die insgesamt ein Anlagevolumen von 35 Milliarden Euro auf sich vereinen.

Da Indexfonds üblicherweise ein bis zwei Tage vor Inkrafttreten der Indexänderungen diese vorwegnehmen, ist damit zu rechnen, dass die Aktie der Deutschen Bank dann nochmals unter Druck gerät. Umgesetzt werden die Änderungen in dem Index zum 24. September. Neben der Deutschen Bank müssen auch der deutsche Versorger E.On und der französische Zement-Hersteller Saint Gobain den Euro Stoxx 50 verlassen. Ihre Plätze nehmen der Industriegas-Hersteller Linde, der Luxusgüter-Produzent Kering und Amadeus IT ein.

Die Deutsche Börse, zu der der Indexanbieter Stoxx gehört, wollte sich nicht äußern. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte lediglich, das Institut erwarte, dass sich die Bewertung der Bank durch den Finanzmarkt wieder verbessern und sich dadurch auch die Marktkapitalisierung wieder erhöhen werde.

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