Geldanlage: Die Börsenerholung schützt nicht vor einem heißen Herbst

Als wäre nichts gewesen. Kein Einsturz des japanischen Nikkei-Index um über zwölf Prozent an nur einem Tag. Keine Korrektur des Dax um ein Zehntel. Kein Wertverlust des Börsenlieblings Apple in Höhe von 600 Milliarden Dollar. Die Aktienmärkte haben den Sommerschreck von Anfang August in Windeseile hinter sich gelassen.
Dow Jones, S&P 500, Dax – alle großen Aktienindizes haben sich erholt, sind jetzt nur knapp von alten Rekordhochs entfernt. Allein in den USA haben die vergangenen Wochen den Börsen einen Wertzuwachs von drei Billionen Dollar beschert. Zum Vergleich: Alle Dax-Unternehmen bringen zusammen umgerechnet nur grob zwei Billionen Dollar auf die Börsenwaage. Die Sorgen um die US-Konjunktur haben dank guter Wirtschaftsdaten nachgelassen. Jetzt konzentrieren sich Anleger auf die Aussicht auf sinkende Zinsen. Je niedriger die Zinsen sind, desto attraktiver werden Aktien als Alternative zu Anleihen.
Trotzdem machen es sich viele Anleger jetzt ein wenig zu einfach. Die US-amerikanische Wirtschaft sendete zuletzt immer wieder gemischte Signale. Vielleicht deuten neue Daten bald wieder auf eine Abkühlung hin. Außerdem sind größere Zinssenkungen zwar wahrscheinlicher geworden, aber noch nicht eingetütet. Sollten sie ausfallen, wäre das für die Märkte eine herbe Enttäuschung.
Inmitten der aktuellen Erholung gibt es Warnsignale. Der Preis für die Krisenwährung Gold etwa hat gerade einen neuen Rekord erreicht. Zum ersten Mal zahlen Anleger mehr als 2500 Dollar je Feinunze. Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sind nicht beendet, die chinesische Wirtschaft schwächelt und die US-Wahlen stehen vor der Tür.
Auch Investmentlegende Warren Buffett zieht Geld von der Börse ab. Sein riesiges Aktienpaket am iPhone-Konzern Apple hat er im zweiten Quartal halbiert. Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hat jetzt Rücklagen in Höhe von 277 Milliarden Dollar. Sicher hätte Buffett lieber mehr Geld in Aktien, aber die Börsenaussichten scheinen ihm nicht zu gefallen. Die aktuellen Preise ebenfalls nicht.
Die Erholung der letzten Wochen hat Aktien wieder verteuert. Das macht Turbulenzen im Herbst wahrscheinlicher, denn die hohen Bewertungen müssen gerechtfertigt werden, Unternehmen müssen liefern. Enttäuschen Wirtschaft oder Zentralbanken, könnte sich der Optimismus am Markt als verfrüht herausstellen.
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